Deutschland hat beim Photovoltaik-Ausbau 2026 das EEG-Zwischenziel erreicht: 128 Gigawatt installierte Leistung. Was die Berichterstattung selten thematisiert: Bei über 135 Gigawatt installierter Leistung rechnen Marktteilnehmer für 2026 mit 700 bis 900 Stunden negativer Börsenpreise. Der Überschuss an Sonnenstrom mittags ist längst kein Randphänomen mehr – er ist die neue Normalität, die in der Debatte viel zu oft als Problem ausgegeben wird, dabei ist sie das Signal, das wir brauchen.
Was bedeutet das für den Einzelnen? Für den, der nicht nur Strom verbraucht, sondern ihn steuert. In Kirchseeon, in meinem Haus, läuft seit 2023 ein Experiment, das genau diese Frage beantwortet: Wie viel Wert lässt sich aus Strom machen, den der Markt mittags eigentlich loswerden möchte?
Die Zahlen meiner Anlage sind ein Beweis von Prinzip. 29,5 Kilowattpeak Photovoltaik auf Dach und Carport, ein 52,5 Kilowattstunden fassender Tesla-Speicher und vier elektrische Fahrzeuge – zusammen ein Puffer von 137,5 Kilowattstunden. Die Steuerung über Home Assistant und emhass, die Day-Ahead gegen Tibber-Dynamic-Tarife rechnet, hat zur Folge, dass genau in diesen negativen Preis-Stunden geladen wird. Nicht aus Idealismus. Weil mich der Markt dafür bezahlt.
Die Daten der Bundesnetzagentur und Marktbeobachter bestätigen den Trend: Im Mai und Juni 2025 fielen 46 Prozent der gesamten Monats-PV-Produktion in Negativpreis-Stunden. Für 2026, bei prognostizierten über 135 Gigawatt installierter PV, rechnen Experten mit 700 bis 900 Negativstunden – eine Vervierfachung gegenüber 2021, als es erst 139 Stunden waren. Während die Debatte noch darüber diskutiert, ob man den Zubau drosseln solle, passiert an den Hausanschlüssen etwas anderes: Wer flexibel ist, macht aus Überproduktion eigenen Ertrag.
Der eigentliche Engpass ist seit einiger Zeit nicht mehr die Erzeugung, sondern die Flexibilität – und die politische Hemmung, sie zuzulassen. Die EnWG-Novelle vom November 2025 hat die doppelte Netzentgeltbelastung für Speicher beendet – seitdem zahlen diese nicht mehr beim Laden und beim Entladen. Seit März 2026 gilt mit der VDE-AR-N 4105:2026-03 die technische Anschlussnorm für bidirektionales Laden. Damit ist das Thema kein Regulierungsproblem mehr. Es ist ein Bilanzierungsproblem.
Ehrlich gesagt: Ich habe ambiCHARGE für Vehicle-to-Home durchn analysiert, Version 4.0 der Bewertung liegt vor, gekauft ist nichts. Der Engpass ist inzwischen nicht mehr das Gesetz, sondern die Freigabepolitik der Hersteller. Tesla gibt Vehicle-to-Home in Europa weiterhin nicht frei. VW und Elli zielen auf Ende 2026.
Jedes batterieelektrische Fahrzeug ist ein Heimspeicher, der aus einem völlig anderen Grund gekauft wurde. Die Grenzkosten dieser Kapazität sind null. Bezahlt wird nur noch die bidirektionale Wallbox. Deutschland diskutiert also über Speicherausbau, während Millionen Kilowattstunden in Garagen parken. Wer heute einen Heimspeicher dimensioniert, ohne die Autos in der Einfahrt zu bilanzieren, kauft Kapazität, die er längst besitzt.
Die eigentliche Energiewende passiert nicht bei der Erzeugung. Sie passiert bei der Frage, wer flexibel genug ist, sie zu nutzen. Wer 900 Stunden geschenkten Strom ignoriert, handelt entweder Marktversagen oder Phantasielosigkeit. In Kirchseeon jedenfalls nicht. Hier steht die Zukunft nicht in mehr Panels, sondern in der Intelligenz, die dahintersteckt.
Erstellt mit KI-Unterstützung, fachlich geprüft und redaktionell verantwortet von Achim Karpf.







