2.200 Kilometer Adria für 119 Euro: Die Kroatien-Rechnung

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Kirchseeon – Duće – Kirchseeon im Tesla Model S Plaid. Verglichen mit zwei Verbrennern derselben Klasse. Mit Ladebelegen statt Stammtisch-Physik.

Die Route: A8, Tauernautobahn, Karawanken, Zagreb, dann die A1 durch die Lika an die dalmatinische Küste. 1.100 Kilometer pro Richtung, beide Strecken überwiegend nachts gefahren. Durchschnittsverbrauch: 23,2 kWh auf 100 km – bei einem Auto mit 1.020 PS und einem Fahrer, der nicht mit 90 hinter dem LKW hing.

Was das Laden gekostet hat

Supercharger kWh €/kWh Kosten Minuten
Villach (hin) 59,9 0,37 22,17 € 38
Jastrebarsko (hin) 59,6 0,21 12,52 € 37
Zadar (hin) 59,9 0,45 26,97 € 32
Otočac (zurück) 43,2 0,22 9,50 € 20
Jastrebarsko (zurück) 45,1 0,22 9,92 € 28
Ljubljana (zurück) 53,1 0,16 8,49 € 42
St. Michael im Lungau (zurück) 46,2 0,37 17,10 € 32
Summe 367,2 Ø 0,29 106,67 € 229

Dazu kommen 80 kWh in der Unterkunft zum kroatischen Haushaltstarif (ca. 0,15 €/kWh, also rund 12 €) und die Startladung vom eigenen Dach: 0 €.

Gesamtkosten Energie: rund 119 € – das sind 5,40 € pro 100 Kilometer.

Zur Kontrolle: 2.200 km × 23,2 kWh/100 km ergeben rund 511 kWh. Zugeführt wurden etwa 95 kWh Startladung, 367 kWh am Supercharger und 80 kWh in der Unterkunft; abzüglich der 22 % Restladung bei Ankunft sind das rund 520 kWh. Die Bilanz geht auf, Ladeverluste inklusive.

Die Verbrenner auf derselben Strecke

Als Vergleich dienen eine V8-Sportlimousine der Klasse Audi RS 7 / BMW M8 Gran Coupé (realistisch 12,5 l/100 km) und eine Oberklasse-Limousine mit Sechszylinder-Diesel der Klasse BMW 740d / Mercedes S 450d (realistisch 7,5 l/100 km). Ein echtes Diesel-Pendant zum Plaid gibt es nicht. Die Verbrennerwelt baut schlicht nichts mehr, das mithalten könnte – und die Benziner, die es noch annähernd könnten, laufen gerade aus.

Die Spritpreise entlang der Route: In Deutschland kostete Super E5 am 21. September 2026 im Schnitt 2,35 €, Diesel 2,46 € pro Liter. In Österreich waren es am selben Tag 1,925 € bzw. 2,238 €. In Kroatien liegt der Durchschnitt bei 1,74 € für Benzin und 1,92 € für Diesel – dank staatlichem Preisdeckel, der allerdings nicht an Autobahntankstellen gilt. Nach Streckenanteilen gewichtet (inklusive Schätzung für Slowenien) ergibt das rund 1,80 €/l Super und 1,99 €/l Diesel.

Model S Plaid Diesel Benziner
Energie 511 kWh 165 l 275 l
Kosten 119 € 328 € 495 €
pro 100 km 5,40 € 14,90 € 22,50 €
Mehrkosten ggü. Plaid – +209 € +376 €
CO₂ (Well-to-Wheel) ca. 90 kg* ca. 530 kg ca. 790 kg

*Schätzung auf Basis der Strommixe in Österreich, Slowenien und Kroatien; PV-Anteil nahezu emissionsfrei. Maut und Vignetten sind für alle drei Fahrzeuge identisch und deshalb nicht eingerechnet.

Die eigentliche Erkenntnis: Wann schlägt wo

Der teuerste Ladevorgang (Zadar, 0,45 €/kWh, vormittags) kostete pro Kilowattstunde fast dreimal so viel wie der günstigste (Ljubljana, 0,16 €/kWh, nach Mitternacht). Zadar allein machte 16 % der geladenen Energie, aber 25 % der Ladekosten aus.

Wer nachts fährt, lädt zu Tarifen, von denen Tankstellenkunden nur träumen können. Mit 0,21 bis 0,22 €/kWh war Laden in Kroatien selbst gegen den staatlich gedeckelten Spritpreis konkurrenzlos. Die Lektion: Beim E-Auto entscheidet nicht nur, wo man lädt, sondern vor allem wann.

Der ehrliche Teil

Sieben Ladestopps, 229 Minuten. Ein Verbrenner hätte auf derselben Strecke rund vier Tankstopps à 10 bis 15 Minuten gebraucht. Der Zeitaufwand liegt also real bei etwa 2,5 bis 3 Stunden mehr, verteilt auf zwei Nachtfahrten.

Andererseits: 1.100 Kilometer nachts ohne Pause fährt niemand, der es verantwortungsvoll tut. Ein Stopp alle rund 275 Kilometer entspricht ziemlich genau dem, was jede Verkehrssicherheitsbroschüre empfiehlt. Der Plaid hat nur die Pausen erzwungen, die man ohnehin hätte machen sollen.

Und die „kostenlose“ Startladung vom Dach? Streng genommen kostet sie die entgangene Einspeisevergütung, also rund 6 €. Geschenkt. Aber ich rechne sie lieber selbst aus, bevor es jemand in den Kommentaren tut.

Fazit

Rund 64 % günstiger als der Diesel, 76 % günstiger als der Benziner, 80 bis 90 % weniger CO₂. Auf einer Strecke, auf der E-Autos laut Stammtisch gar nicht erst ankommen.

Das Einzige, was auf dieser Reise wirklich leer lief, war das Argument.

Quellen

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