Ich baue beruflich KI-Systeme, und zu Hause steuert eine KI unseren Strom: wann der Speicher lädt, wann das Auto lädt, wann wir aus dem Netz ziehen, weil die Kilowattstunde gerade billig ist. Lokal, ohne Hersteller-Cloud, mit Home Assistant und dem Open-Source-Optimierer EMHASS. Ich war ziemlich stolz darauf.
Dann habe ich nachgemessen, was sie wirklich bringt.
161 Tage, jede Stunde
Eine eigene Auswertung rechnet bei uns für jede Stunde aus, rückwirkend ab Mai, was der Strom gekostet hätte: ohne Solaranlage, nur mit Solaranlage, mit Solaranlage und einem Speicher, der einfach nur den Eigenverbrauch maximiert, und was er tatsächlich gekostet hat. Abgeglichen mit der echten Rechnung des Stromanbieters: Für August und September stimmt sie auf den Cent.
Vom 8. Mai bis 15. Oktober haben wir netto 4.315 Euro gespart. 68 Prozent weniger als ein Haus ohne Anlage. Klingt großartig. Die Aufteilung ist das Interessante:
- Das Dach: 3.547 Euro, 82 Prozent
- Der Speicher: 634 Euro, 15 Prozent
- Die KI-Steuerung: 134 Euro, 3 Prozent
134 Euro in fünf Monaten. Für eine Anlage mit 29,5 kWp, 52,5 kWh Speicher und mehreren E-Autos. Und diese Zahl ist schon die ehrliche: In den ersten Wochen sah sie besser aus, bis ich zwei Messfehler gefunden habe. Beide Korrekturen gingen zulasten der KI.
Was das für dich heißt
Die Reihenfolge, in der du Geld ausgibst, ist wichtiger als jede Software.
Erst das Dach. Jede Kilowattstunde, die du selbst erzeugst und selbst verbrauchst, ersetzt eine, die du für 30 Cent oder mehr kaufen müsstest. Das ist der große Hebel, und er funktioniert ohne jede Intelligenz.
Dann der Speicher. Er schiebt den Mittagsstrom in den Abend. Auch das ist kein Hexenwerk, das kann jeder Speicher ab Werk.
Dann vielleicht die KI. Sie lohnt sich erst, wenn mehrere Dinge zusammenkommen: ein dynamischer Stromtarif, der Preisunterschiede überhaupt erst sichtbar macht, und Verbraucher, die man verschieben kann, wie ein E-Auto oder eine Wärmepumpe. Mit Festpreistarif hat die KI nichts, wonach sie sich richten könnte.
Für ein typisches Einfamilienhaus mit 10 kWp, 10 kWh Speicher und 8.000 kWh Verbrauch heißt das nach meinen Messwerten: 20 bis 60 Euro im Jahr durch die Steuerung. Wenn dir jemand eine Energiesteuerung für ein paar tausend Euro anbietet, die sich in vier Jahren bezahlt machen soll, frag nach der Messung dahinter. Und zwar nach der Messung, die die KI getrennt von Dach und Speicher ausweist.
Warum ich es trotzdem nutze
Nicht wegen der 134 Euro. Sondern weil ich jederzeit sehe, was im Haus passiert, weil meine Daten nicht in der Cloud eines Herstellers liegen und weil das System bereit ist für das, was kommt: mehr dynamische Tarife, steuerbare Verbraucher, ein Netz, das Flexibilität irgendwann bezahlt. Das ist ein guter Grund. Er sollte nur nicht als Sparversprechen verkauft werden.
Ich habe daraus auch für mein eigenes Angebot Konsequenzen gezogen. Wer so etwas zu Hause haben möchte, kann es selbst aufbauen, die Werkzeuge sind frei verfügbar. Ein Leitfaden dazu ist in Arbeit. Wer es lieber einrichten lassen möchte, bekommt es bei mir für einen festen Preis von 790 Euro, ohne Versprechen, die die Messung nicht hergibt. Und wer seine eigenen Zahlen grob durchspielen will, findet einen Rechner auf Basis genau dieser Messung.
Die eigentliche Botschaft ist aber eine andere: Raus aus fossilem Strom bringt dich das Dach. Nicht die KI.
Erstellt mit KI-Unterstützung, fachlich geprüft und redaktionell verantwortet von Achim Karpf.







