Modul A — Status der Energiewende

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Wo Deutschland 2025 wirklich steht: Strommix, Emissionen, Kosten, Versorgungssicherheit, Netz, Speicher, Sektorkopplung, Knackpunkte.


A01 — Historische Pfadabhängigkeit und Wendepunkte der deutschen Energiewende

Einleitung — warum Historie wichtig ist

Die deutsche Energiewende wird in der öffentlichen Debatte oft als Projekt der letzten zehn oder fünfzehn Jahre dargestellt. Das ist sachlich falsch und politisch folgenreich: Wer den Zeitpunkt des Beginns falsch ansetzt, beurteilt auch das Tempo falsch. Der gesetzliche und politische Pfad zur Dekarbonisierung des deutschen Energiesystems beginnt bereits 1990 mit dem Stromeinspeisungsgesetz und wurde im Jahr 2000 mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zum strukturellen Wendepunkt1. Vieles, was heute als „zu langsam” oder „zu teuer” kritisiert wird, ist Folge politischer Entscheidungen, die in dieser Geschichte nachvollziehbar dokumentiert sind — und zum Teil gegen die ursprüngliche Ausrichtung zurückwirkten.

Dieses Kapitel zeichnet die Chronologie nach: Vorlauf vor 2000, EEG als Strukturbruch, Atomausstieg als doppelter Politikwechsel, EU-Rahmen ab 2019, Klimaschutzgesetz als rechtsverbindlicher Anker, „Zeitenwende” 2022 als Krisenbeschleuniger.


1. Vor 2000 — Pfadabhängigkeit von Kohle und Atom

Die Bundesrepublik baute ihre Stromversorgung nach 1949 auf zwei Säulen auf: Steinkohle und Braunkohle als heimische Primärenergieträger, später ergänzt um Kernenergie als „modernste Technik” der Nachkriegs-Industriepolitik. Die DDR setzte primär auf Braunkohle (Lausitz, Mitteldeutsches Revier). Mit der Wiedervereinigung wurde dieser Mix übernommen und teilweise modernisiert.2

Die Pfadabhängigkeit ist zentral, um die heutige Diskussion zu verstehen: Das deutsche Übertragungs- und Verteilnetz, die Standorte der Großkraftwerke, die regionalen Beschäftigungsstrukturen in Kohlerevieren und die regulatorische Praxis sind über Jahrzehnte auf zentralisierte, große, konventionelle Erzeugung optimiert worden. Erneuerbare Energien sind in dieser Logik systemfremd — sie sind dezentral, kleinteilig, wetterabhängig und zunächst auch teurer pro Kilowattstunde gewesen. Jede Reform musste gegen diese Pfadabhängigkeit durchgesetzt werden.

Erste relevante Markierungen vor dem EEG:

  • 1986 — Tschernobyl-Katastrophe: Akzeptanzkrise der Kernenergie in Deutschland, Beginn der Debatte um Ausstieg.
  • 1990 — Stromeinspeisungsgesetz (StrEG): Erstmalige gesetzliche Verpflichtung der Netzbetreiber, Strom aus Wasserkraft, Wind, Solar, Biomasse zu mindestens 65 bis 90 Prozent des durchschnittlichen Strompreises abzunehmen. Das Gesetz wurde von einer fraktionsübergreifenden Initiative (Matthias Engelsberger / CSU, Wolfgang Daniels / Grüne) durchgesetzt und gilt als Geburtsdokument der deutschen Erneuerbaren-Förderung.
  • 1998 — Strommarkt-Liberalisierung: Im Zuge der EU-Binnenmarktrichtlinie wurden Erzeugung und Netz formal getrennt. Die Liberalisierung schuf für Erneuerbare das Spielfeld, in dem das EEG ab 2000 wirken konnte.

2. 2000 — Das EEG als Strukturbruch

Am 29. März 2000 trat das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft.3 Die drei zentralen Elemente des EEG, die bis heute prägend sind:

  1. Einspeisevorrang: Strom aus erneuerbaren Quellen muss bevorzugt ins Netz aufgenommen werden.
  2. Feste Einspeisevergütung über 20 Jahre: Anlagenbetreiber bekommen über zwei Jahrzehnte einen technologie- und größenspezifischen Cent-pro-kWh-Preis garantiert. Das senkte das Investitionsrisiko drastisch und machte Banken-Finanzierung möglich.
  3. Degression: Die Vergütung sinkt jährlich für Neuanlagen, was Hersteller zu Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen zwang.

Die Wirkung war messbar: 2000 lag der Anteil erneuerbarer Energien an der Bruttostromerzeugung bei rund 6,3 Prozent; bis 2010 stieg er auf gut 17 Prozent, bis 2023 auf 52 Prozent und Phasen über 60 Prozent in einzelnen Monaten 2024.4 5

Das EEG wurde mehrfach novelliert — 2004, 2009, 2012, 2014, 2017, 2021, 2023. Die Novellen 2012 und 2014 markieren einen Politikwechsel: Statt einer breiten, kostendegressiven Förderung für viele kleine Akteure (Bürgerenergie, Genossenschaften, Landwirte) wurden ab 2014 für größere Anlagen Auktionsverfahren eingeführt. Das senkte die spezifischen Vergütungen, verlagerte den Ausbau aber zu größeren Investoren und reduzierte die Bürgerbeteiligung an der Energiewende signifikant. Diese Verschiebung wird in Modul C als ein Treiber der gesellschaftlichen Akzeptanz-Erosion diskutiert.


3. Atomausstieg — der doppelte Politikwechsel

Wenige energiepolitische Entscheidungen wurden in den letzten 25 Jahren so oft revidiert wie der deutsche Atomausstieg.6 Die Chronologie macht ein Muster sichtbar:

Datum Entscheidung Politische Konstellation
14.06.2000 Konsens Rot-Grün ↔︎ Energieversorger über Atomausstieg Schröder / Trittin
27.04.2002 Atomgesetz-Novelle, Restlaufzeiten festgelegt Rot-Grün
28.10.2010 Laufzeitverlängerung um 8-14 Jahre Schwarz-Gelb (Merkel/Brüderle)
11.03.2011 Fukushima-Katastrophe (extern)
30.06.2011 13. AtG-Novelle: Rücknahme der Verlängerung, Ausstiegsplan Schwarz-Gelb
31.12.2021 Brokdorf, Grohnde, Gundremmingen C abgeschaltet Ampel
31.12.2022 → 15.04.2023 Isar 2, Emsland, Neckarwestheim 2: Streckungsbetrieb bis 04/2023 statt 12/2022 wegen Energiekrise; dann endgültig vom Netz Ampel

Drei Schlussfolgerungen aus dieser Chronologie, die für die spätere Argumentation in Modul B und Modul C zentral sind:

  1. Es gab keinen ideologischen, gradlinigen Ausstieg. Der Atomausstieg ist mehrfach in verschiedene Richtungen revidiert worden — das deutsche Energiesystem hat keine zehn Jahre am Stück Planungssicherheit über die Rolle der Kernenergie gehabt. Wer behauptet, die Stromversorgung sei „durch den Atomausstieg” destabilisiert worden, muss erklären, warum die ursprüngliche Ausstiegslogik 2010 zurückgenommen und 2011 erneut beschlossen wurde — ohne dass das Gesamtsystem in einer dieser Phasen einbrach.

  2. Die Laufzeitverlängerung 2010 ist nicht nach Belieben revidierbar. Sie wurde nach Fukushima beschlossen — also durch ein politisches Ereignis, das die öffentliche Risikobewertung deutlich verschoben hat. Ein Wiedereinstieg in die Kernenergie heute würde diese Bewertung nochmals revidieren müssen; die wissenschaftliche und sicherheitstechnische Begründung dafür ist nicht offensichtlich, wird aber in B01 (Atomkraft-Argument) detailliert geprüft.

  3. Die Streckung 2022/2023 war eine technisch-betriebliche Korrektur, kein Ausstiegswiderruf. Die Behauptung, die Bundesregierung hätte „nur aus Ideologie” abgeschaltet, obwohl die Anlagen weiterlaufen könnten, ignoriert: Die Brennstäbe waren auf Auslauf 04/2023 ausgelegt, Sicherheitsüberprüfungen wären für längeren Weiterbetrieb fällig gewesen, und die Betreiber selbst (RWE, E.on/PreussenElektra, EnBW) haben keinen Weiterbetrieb eingefordert.7


4. EU-Rahmen — ab 2019 verbindlich, nicht nur unterstützend

Häufig wird die Energiewende als rein deutsches Projekt diskutiert. Das war bis ca. 2018 auch zutreffend — Deutschland war Vorreiter, die EU folgte mit moderaten Zielen. Mit dem European Green Deal 2019 und dem European Climate Law 2021 hat sich das Verhältnis umgekehrt: Die EU setzt heute verbindliche Klimaziele, an die sich Deutschland halten muss.8

Zentrale EU-rechtliche Meilensteine:

  • 2019-12 — European Green Deal: Klimaneutralität der EU bis 2050 als politisches Ziel
  • 2021-06 — European Climate Law: Klimaneutralität 2050 wird rechtsverbindlich, Zwischenziel -55 % gegenüber 1990 bis 2030
  • 2021-07 — Fit-for-55-Paket: 14 Gesetzesvorschläge zur Umsetzung — Reform des EU-Emissionshandels (ETS), CO₂-Grenzausgleich (CBAM), neue Erneuerbare-Richtlinie (EE-Anteil 42,5 Prozent bis 2030 verbindlich), Gebäuderichtlinie, Energieeffizienz-Richtlinie
  • 2022-05 — REPowerEU: Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine — Beschleunigung der Energiewende als Sicherheitsmaßnahme, weg von russischen fossilen Importen
  • 2023-02 — Net-Zero Industry Act + Critical Raw Materials Act: EU-industriepolitische Antwort auf US-amerikanischen Inflation Reduction Act

Die Konsequenz: Auch eine deutsche Bundesregierung, die die Energiewende zurücknehmen wollte, müsste die EU-Verträge brechen. Das ist ein politisches Faktum, das in jeder Diskussion über „Ausstieg aus der Energiewende” mitgedacht werden muss.


5. Bundes-Klimaschutzgesetz — der nationale rechtliche Anker

Parallel zur EU-Gesetzgebung hat Deutschland sich mit dem Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) eigene rechtsverbindliche Ziele gesetzt — anspruchsvoller als die EU-Mindestziele.9

Der KSG-Pfad:

  • 12/2019: Erste Fassung — Klimaneutralität 2050, -55 % bis 2030
  • 24.03.2021: Bundesverfassungsgericht erklärt KSG für teilweise verfassungswidrig (Klimabeschluss): Die Lasten der Emissionsreduktion seien einseitig in die Zeit nach 2030 verschoben worden, was die Freiheitsrechte zukünftiger Generationen verletze.
  • 08/2021: KSG-Novelle nach BVerfG-Urteil — Klimaneutralität auf 2045 vorgezogen (5 Jahre vor EU), -65 % bis 2030, -88 % bis 2040, jährliche Sektorenziele für Industrie, Verkehr, Gebäude, Energiewirtschaft, Landwirtschaft
  • 07/2024: KSG-Reform — Sektor-Sofortprogramme abgeschafft, Gesamtbilanz-Logik ersetzt Einzelziele. Diese Reform wird vom Expertenrat für Klimafragen und mehreren Umweltverbänden kritisch bewertet, da sie die Verantwortlichkeit einzelner Sektoren (insbesondere des Verkehrssektors, der seit 2010 fast keine Reduktionen liefert) verwässert.

Diese Reform 2024 ist ein wichtiges Beispiel für die in Modul C zu diskutierenden politischen Verzögerungen: Nicht das Klimaziel selbst wurde aufgegeben, aber die jahresscharfen Steuerungsinstrumente wurden gelockert — was die Wirksamkeit des Gesetzes auf den verbleibenden Pfad zu 2030 deutlich reduziert.


6. „Zeitenwende” 2022 — Krise als Beschleuniger und Bremse zugleich

Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 wurde die deutsche Energiepolitik in eine Krisenlogik versetzt, deren Folgen bis heute prägend sind:

Beschleunigend: – LNG-Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Mukran wurden in Rekordzeit genehmigt und in Betrieb genommen — Wilhelmshaven 1 in nur 194 Tagen von Baubeschluss bis Eröffnung. Diese Geschwindigkeit ist ein wichtiger Vergleichswert: Sie beweist, dass die deutsche Verwaltung Genehmigungsverfahren grundsätzlich in unter einem Jahr abwickeln kann, wenn der politische Wille klar ist (siehe Modul C02 — Bürokratische Hürden). – Wind-an-Land-Gesetz (WaLG, 2023): Verpflichtung der Länder, 2 Prozent der Landesfläche für Windkraft auszuweisen. – Solar-Beschleunigungs-Pakete: Vereinfachungen für PV bis 30 kWp, Pflicht für Dachflächen bei Neubauten in mehreren Bundesländern. – REPowerEU als europäischer Rahmen — siehe Abschnitt 4.

Bremsend / verlangsamend: – Wärmepumpen-Hochlauf wurde durch das politisch destruktiv geführte Heizungsgesetz-Verfahren 2023 stark gebremst — der Markt brach 2024 gegenüber 2023 um etwa die Hälfte ein.10 – Die Industriestrompreis-Debatte 2023–2025 schuf Investitionsunsicherheit für energieintensive Industrie. – Mehrere Förderprogramme (Wärmepumpe, Gebäudesanierung, BEV-Prämie) wurden 2023/2024 kurzfristig gekürzt oder gestoppt, was Marktvertrauen beschädigte.

Die Zeitenwende ist insofern kein einheitlicher Beschleuniger gewesen, sondern hat zugleich gezeigt, was politisch in Krisen geht (LNG, REPowerEU) und wo politische Verfahrenslogik weiterhin am Tempo zehrt (Heizungsgesetz-Debatte, Förder-Stop-and-Go).


7. Zusammenfassung — die fünf strukturellen Befunde

  1. Die Energiewende ist nicht ein Projekt der letzten zehn Jahre. Der gesetzliche Rahmen begann 1990 (Stromeinspeisungsgesetz), der Strukturbruch kam 2000 (EEG). 2025 ist also das 25. Jahr nach dem EEG, das 35. Jahr nach dem ersten Einspeisegesetz.
  2. Pfadabhängigkeit erklärt das Tempo. Die deutsche Energie-Infrastruktur, Behörden, Verbände und Beschäftigungsstrukturen sind über Jahrzehnte auf zentralisierte fossile Erzeugung optimiert worden. Jede Beschleunigung muss diese Strukturen aktiv ändern.
  3. Der Atomausstieg ist mehrfach revidiert worden. Wer den Ausstieg als „ideologisch” abqualifiziert, muss erklären, warum sowohl Rot-Grün als auch Schwarz-Gelb (nach Fukushima) eine Form des Ausstiegs beschlossen haben.
  4. Die EU bindet Deutschland. Seit 2021 ist Klimaneutralität bis 2050 EU-rechtlich verbindlich. Das deutsche KSG geht über EU-Mindestziele hinaus (2045 statt 2050). Ein Ausstieg aus der Energiewende ist innerhalb des geltenden Rechtsrahmens nicht möglich.
  5. Krisen offenbaren, was politisch geht. LNG in 194 Tagen, Heizungsgesetz im monatelangen Debatten-Stillstand — beides 2022/2023 dasselbe Land, dasselbe System, andere politische Energie.

Diese fünf Befunde sind die Basis für alle folgenden Kapitel: Wenn wir Modul A02 (Strom-Mix) und A03 (Emissionen) verstehen wollen, müssen wir die historische Pfadabhängigkeit mitdenken. Wenn wir Modul B (Lobby-Argumente) prüfen, müssen wir die mehrfach revidierte Atompolitik kennen. Wenn wir Modul C (Was hemmt) analysieren, müssen wir den LNG-vs-Wärmepumpen-Kontrast zur Hand haben. Und wenn wir Modul D (Internationale Vergleiche) anschauen, müssen wir wissen, dass Deutschland kein Frühstarter, sondern ein gesetzlicher Pionier mit zähem Vollzug ist.


Limitations dieses Kapitels

  • Detailtiefe Atomkonsens 2000: Die Verhandlungen zwischen Bundesregierung und den vier Energieversorgungsunternehmen (RWE, E.on, EnBW, Vattenfall) sind hier nur in den Eckdaten dargestellt. Eine vertiefte Analyse der ausgehandelten Reststrommengen und ihrer Bedeutung für die spätere Laufzeitverlängerung gehört in Modul B01.
  • Kosten des EEG: Die Kostenseite der EEG-Förderung wird hier nur erwähnt, nicht quantifiziert. Vollständige Kostenanalyse in Modul A04.
  • Heizungsgesetz-Debatte: Die mediale und politische Verzerrung dieser Debatte ist ein eigenes Thema für Modul C01 (Politische Verzögerungen).
  • Vergleich mit anderen Ländern: Die Frage, wann andere Länder ihre Energiewende begonnen haben (Dänemark schon in den 1970ern als Reaktion auf die Ölkrise!), gehört in Modul D.

Quellen


A02 — Stromerzeugung in Deutschland 2000–2024: Entwicklung des Energiemixes

Einleitung — was dieses Kapitel zeigt, und was es nicht zeigt

Wenn in der öffentlichen Debatte vom „Erfolg” oder „Versagen” der Energiewende die Rede ist, ist meist der Strom-Mix gemeint — und zwar fast immer in der Form „Erneuerbaren-Anteil an der Stromerzeugung”. Diese Zahl ist wichtig, aber sie wird häufig falsch interpretiert. Drei Klarstellungen vorab:

  1. Strom ist nicht das ganze Energiesystem. Strom macht in Deutschland nur etwa 20 Prozent des Endenergieverbrauchs aus. Wärme (~50 %) und Verkehr (~30 %) sind die größeren Brocken. Wer den Strom-Mix als alleinigen Indikator nimmt, übersieht das.11
  2. „Anteil” ist nicht eindeutig. Brutto- oder Nettostromerzeugung? Auf Erzeugung oder auf Verbrauch bezogen? Inklusive oder exklusive Importe? Verschiedene Quellen verwenden verschiedene Definitionen — das führt zu Zahlen, die teilweise um mehrere Prozentpunkte auseinander liegen.
  3. Der Strom-Mix hat eine Trajektorie, kein Ziel. Die Frage „sind wir auf Kurs?” lässt sich nur beantworten, wenn man Trend und Ziel zusammen liest. Die Zahlen darunter sind beides.

Dieses Kapitel zeichnet die Entwicklung 2000–2024 nach, klärt die methodischen Definitionen, ordnet international ein (vertieft in Modul D) und benennt am Ende die kritischen Punkte, die in den Folgekapiteln (Kosten, Versorgungssicherheit, Speicher, Sektorkopplung) vertieft werden.


1. Methodische Klarstellung — Brutto vs. Netto, Erzeugung vs. Verbrauch

Drei Definitionen, die in der Praxis durcheinander geraten:12 13

Begriff Definition Wer verwendet ihn
Bruttostromerzeugung Gesamte erzeugte Strommenge inkl. Kraftwerks-Eigenverbrauch AGEB, BMWK (offiziell), BDEW
Nettostromerzeugung Bruttostromerzeugung minus Eigenverbrauch der Kraftwerke (typisch 5–8 %) Fraunhofer Energy-Charts (Default), Statistisches Bundesamt
Bruttostromverbrauch Inlandsverbrauch (Erzeugung + Importe − Exporte − Pumpspeicher-Verluste) EU-Berichtspflichten, EE-Anteilsmessung Erneuerbare-Richtlinie

Praktische Folge: Wenn das BMWK „52 Prozent Erneuerbaren-Anteil im Stromsektor 2023” angibt, ist das auf Bruttoverbrauch bezogen. Fraunhofer ISE meldet in Energy-Charts für dasselbe Jahr rund 57 Prozent — gerechnet auf Nettostromerzeugung. Beide Zahlen sind korrekt; sie beantworten verschiedene Fragen.14 15

Für dieses Kapitel verwenden wir konsequent die Bruttostromerzeugung (AGEB-Methodik), da sie die längste konsistente Zeitreihe seit 1990 erlaubt. Abweichende Vergleichszahlen werden explizit gekennzeichnet.


2. Die Trajektorie 2000–2024 in einem Bild

Tabellarische Darstellung der Bruttostromerzeugung Deutschland nach Energieträger, ausgewählte Jahre (Anteile in Prozent, Rest auf 100 % = sonstige):16 17

Jahr EE gesamt Wind Solar Biomasse + Wasser Kohle (Stein+Braun) Erdgas Atom
2000 ~ 6,3 1,6 0,01 ~ 4,7 51,9 8,5 29,5
2005 ~ 10,4 4,3 0,2 ~ 5,9 47,3 11,4 26,4
2010 ~ 16,5 6,0 1,9 ~ 8,6 41,5 14,1 22,2
2015 ~ 30,7 13,3 6,0 ~ 11,4 41,9 9,6 14,1
2020 ~ 45,4 23,1 8,9 ~ 13,4 24,2 16,4 11,2
2022 ~ 46,2 22,1 10,7 ~ 13,4 31,1 14,3 6,4
2023 ~ 52,5 27,4 11,4 ~ 13,7 26,1 14,0 1,5
2024 ~ 59,4 31,7 14,7 ~ 13,0 19,8 14,3 0,0
2025 ⁽ᵛᵒʳˡ⁾ ~ 55,3 ¹ 31,0 16,5 ~ 12,1 22,0 16,6 0,0

2024 final. 2025 vorläufige Schätzung Stand Q1/2026 (Agora “Stand der Dinge 2025”, AGEB-Vorabauswertung).18 19 20

¹ Methodischer Hinweis 2025: Die hier ausgewiesenen 55,3 % beziehen sich auf den Bruttostromverbrauch (Definition Agora / EU-Richtlinie). Bezogen auf die Nettostromerzeugung (öffentlich) meldet Energy-Charts für 2025 einen EE-Anteil von 59,9 % — beide Zahlen sind korrekt, sie messen unterschiedliche Größen (siehe Abschnitt 1).21 22

Wichtige Detail-Werte 2025 (Energy-Charts public_power, netto öffentlich):

  • Solar: 70,1 TWh (+10,4 TWh ggü. 2024) — Rekord-Zuwachs durch +17,1 GW Zubau-Kapazität
  • Wind onshore: 105,1 TWh (−5,5 TWh) — schwächere Windverhältnisse 2025
  • Wind offshore: 26,1 TWh (+0,4 TWh)
  • Biomasse: 36,1 TWh (−1,0 TWh)
  • Wasserkraft: 16,7 TWh (−5,5 TWh ggü. 2024) — Trockenheit reduziert Erzeugung
  • Braunkohle: 67,1 TWh (−4,0 TWh, im Trend)
  • Steinkohle: 26,2 TWh (+2,4 TWh, kompensiert Wind-Schwäche)
  • Erdgas: 49,5 TWh (+5,9 TWh, kompensiert Wind-Schwäche)
Strom-Mix Deutschland 2000–2025

Abbildung A02-1: Strom-Mix Deutschland 2000–2025 (Bruttostromerzeugung, % je Energieträger). Kohle (braun) ist von ~52 % auf 22 % geschrumpft, Atom von 30 % auf 0 %. Wind (hellblau) und Solar (gelb) bilden zusammen mit Biomasse und Wasser (dunkelgrau) den EE-Anteil — der gestrichelt-grüne EE-Anteil-Verlauf zeigt den Sprung von 6 % (2000) auf 55,3 % (2025). Datengrundlage: AGEB Energiebilanz + Agora ‘Stand der Dinge 2025’ ([Q003], [Q008]).

Beobachtung: 2025 zeigt typische Wetterabhängigkeit der EE — schwaches Wind- und Wasserjahr, aber Solar-Boom kompensiert teilweise. Die fossile Erzeugung steigt kurzfristig durch das Wetter, nicht durch politische Entscheidungen.

Drei Beobachtungen aus der Tabelle:

a) Der Trend ist eindeutig — aber nicht linear. Der Erneuerbaren-Anteil hat sich von 2000 (~6 %) bis 2024 (~59 %) annähernd verzehnfacht. Wachstum war aber phasenweise unterschiedlich: 2010–2015 war Hochwachstum (Solar + Onshore-Wind-Boom), 2015–2020 deutlich verlangsamt (Auktions-System bremste Bürgerenergie, siehe A01 Abschnitt 2), 2020–2024 wieder beschleunigt unter Eindruck von Klimaschutzgesetz und Energiekrise.

b) Kohle ist der eigentliche Verlierer, nicht Atom. Steinkohle und Braunkohle zusammen schrumpften von ~52 % (2000) auf ~20 % (2024). Atomkraft schrumpfte von 29,5 % (2000) auf 0 % (2024), aber der größere Teil dieser Kapazität wurde durch Erneuerbare und Gas ersetzt, nicht durch zusätzliche Kohle.

c) Erdgas blieb stabil. Trotz aller Diskussionen liegt der Gas-Anteil seit Jahren zwischen 9 und 16 % — ein Bandbreite, die von Gaspreisen und Wetterverhältnissen bestimmt wird. Gas ist heute primär flexibler Lückenfüller für volatile Erneuerbare, nicht mehr Grundlast.


3. Wann ist Strom „grün”? — Das Saisonalitäts-Problem

Die Jahreswerte oben verbergen eine wichtige Realität: Die deutsche Stromerzeugung schwankt massiv über das Jahr und sogar über die Tageszeit. Beispiele aus 2024:23 24

  • Pfingstmontag 2024 (20. Mai), 13:00 Uhr: Erneuerbaren-Anteil an der Netto-Erzeugung über 80 %, Solar und Wind speisten in der Mittagsspitze mehr Strom ein, als verbraucht wurde — Strom-Exporte und negative Börsenpreise waren die Folge.
  • Dunkelflaute 11.–12. November 2024: Mehrere Tage in Folge unter 10 % Wind- und Solar-Beitrag, Gas- und Kohlekraftwerke deckten zeitweise über 70 % der Last.
  • Sommer-Quartal (Q3) 2024: Über 60 % Erneuerbaren-Anteil im Quartalsdurchschnitt.
  • Winter-Quartal (Q4) 2024: Unter 50 % im Durchschnitt.

Dieser Schwankungs-Charakter ist die zentrale Herausforderung des Strom-Mix. Er erklärt, warum die Diskussion über Speicher, flexible Lasten und Reservekraftwerke so zentral ist (siehe A05 Versorgungssicherheit, A07 Speicher). Wer den Erneuerbaren-Anteil als Jahresmittelwert nennt, verkürzt diese Realität — sie ist aber kein Argument gegen die Energiewende, sondern eine konkrete Aufgabe, die in den Folgekapiteln gelöst wird.

Saisonalität der Stromerzeugung Deutschland 2025

Abbildung A02-2: Monatliche Stromerzeugung Deutschland 2025. Solar (gelb) liefert einen Sommer-Peak in Juni–August (10 TWh/Monat), Wind on+offshore (blau) hat seinen Peak im Winter und Herbst (Jan: ~15 TWh, Okt: ~16 TWh, Dez: ~16 TWh). Solar und Wind sind komplementär — gemeinsam decken sie das ganze Jahr über. Datengrundlage: Fraunhofer ISE Energy-Charts API ([Q002]), 15-Minuten-Auflösung aggregiert zu Monatswerten. Eigene Darstellung.


4. Sektor-Aufschlüsselung — Strom ist nur ein Fünftel

Die häufig zitierte „über 50 % Erneuerbaren-Anteil” bezieht sich ausschließlich auf den Stromsektor. Die Sektor-Aufschlüsselung des Endenergieverbrauchs zeigt, wo Deutschland wirklich steht:25 26

Sektor Anteil am Endenergie-VB EE-Anteil 2023 Hauptträger fossil
Strom ~ 20 % ~ 52 % (Brutto) Kohle, Gas
Wärme (Raum + Prozesswärme) ~ 50 % ~ 17 % Erdgas, Heizöl
Verkehr ~ 30 % ~ 7 % Mineralölprodukte

Der Gesamtanteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch lag 2023 bei rund 21,5 %.27 Das ist die Zahl, die nach EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie zählt (Ziel: 41 % bis 2030, deutsche nationale Zielsetzung).

Drei Konsequenzen für die Argumentation:

  1. Die Energiewende ist im Stromsektor weiter als im Wärmesektor und Verkehr. Der oft diskutierte Wärmepumpen-Hochlauf (siehe A08 Sektorkopplung) ist deshalb so wichtig: Er verlagert Wärmebedarf in den dekarbonisierenden Stromsektor. Dasselbe gilt für Elektromobilität.
  2. Wer „Energiewende abblasen” sagt, meint meist nur den Stromsektor. Aber selbst wenn man im Stromsektor stoppt: Wärme und Verkehr müssen für die Klimaziele 2045 trotzdem dekarbonisiert werden, und das geht (technologisch + wirtschaftlich) am ehesten über Strom. Es gibt keinen Pfad, in dem man im Strom langsamer wird und im Gesamt-System auf Kurs bleibt.
  3. Sektor-Kopplung ist nicht „nice to have”, sondern Kern der Strategie. Was im Strom gewonnen wird, muss in Wärme und Verkehr ankommen.

5. Stromhandel — Im- und Export

Eine immer wieder zitierte Behauptung ist „Deutschland importiert mehr Strom, seit die AKW aus sind”. Datenlage 2023/2024:28 29 30

  • 2023: Deutschland war erstmals seit 2002 Netto-Strom-Importeur (ca. 9 TWh netto).
  • 2024: Netto-Importsaldo ca. 24 TWh (~ 4 % des Inlandsverbrauchs).
  • Wichtig: Importe kommen primär aus Frankreich, Dänemark, Norwegen, Schweden — Länder mit hohem Atom- und Wasserkraft-Anteil. Importe finden statt, wenn dort günstiger Strom verfügbar ist als die deutsche Marginalkraftwerks-Erzeugung kostet (häufig Gas).

Die Behauptung „Deutschland importiert mehr, weil AKW fehlen” ist quantitativ teilweise plausibel (Atomkapazität sank von ~80 TWh/Jahr 2010 auf 0 in 2024). Aber sie ignoriert:

  1. Importsalden korrelieren stark mit Marktpreisen, nicht mit Kapazitäts-Defiziten. Wenn französischer Strom in einer Stunde günstiger ist als deutscher Marginalstrom, wird importiert. Das ist Markteffizienz, nicht Versorgungslücke.
  2. Deutschland exportiert weiterhin in Spitzenzeiten. Im Sommer-Halbjahr 2024 war Deutschland zeitweise wieder Nettoexporteur. Auf Jahresbasis netto Importeur, auf Stundenebene wechselnd.
  3. Frankreich war 2022 selbst stark Nettoimporteur wegen historisch schlechter AKW-Verfügbarkeit (siehe Modul B01 Atom-Argument). Wer „Frankreich kann liefern” sagt, muss diese Volatilität mitdenken.

Eine vertiefte Analyse der Im-/Exportbilanzen folgt in A05 (Versorgungssicherheit).


6. Installierte Leistung vs. tatsächliche Erzeugung — Wo der Ausbau zählt

Zwischen „installierter Leistung” (Kapazität) und „tatsächlicher Erzeugung” (Arbeit, gemessen in TWh) ist ein wichtiger Unterschied, der in der Diskussion oft verwischt wird.

Energieträger Volllaststunden 2023 (typisch) Bedeutung
Solar (PV) ~ 950 Sonnenstunden begrenzt
Wind onshore ~ 1.800 Wetterabhängig, regional unterschiedlich
Wind offshore ~ 3.500 Stabilere Bedingungen
Biomasse ~ 5.000 Brennstoff-getrieben, planbar
Wasserkraft (Laufwasser) ~ 4.500 Wasserstandsabhängig
Steinkohle ~ 2.500 Bedarfsgesteuert (Reservebetrieb)
Erdgas (GuD) ~ 2.000 Spitzenlast, flexibler Betrieb
Atomkraft (historisch) ~ 7.500 Grundlast bis Abschaltung

Volllaststunden sind eine konservative Annäherung; Quellen schwanken zwischen einzelnen Jahren um ±20 %.31 32

Daraus folgt: Um z.B. 1 TWh Strom pro Jahr zu erzeugen, braucht man:

  • ~ 1.050 MW installierte PV-Leistung (1 GW)
  • ~ 555 MW Wind onshore
  • ~ 285 MW Wind offshore
  • ~ 133 MW Atomkraft (theoretisch)

Diese Zahlen sind wichtig, um den Ausbau-Bedarf zu beurteilen. Wenn das EEG-2023-Ziel für Solar 215 GW installierte Leistung bis 2030 vorsieht (Stand 2024 ca. 95 GW), bedeutet das nicht „215 GW mittlere Erzeugung”, sondern ca. 204 TWh erzeugte Energie pro Jahr — etwa 40 % des heutigen Stromverbrauchs aus PV allein.33


7. Internationale Einordnung — kurz

Vertieft in Modul D. Hier nur die für das Verständnis relevanten Eckdaten der EE-Anteile an der Stromerzeugung 2023 (Brutto):34

Land EE-Anteil Strom 2023
Norwegen ~ 99 % (Wasserkraft dominiert)
Island ~ 100 % (Geothermie + Wasser)
Dänemark ~ 88 % (vor allem Wind)
Portugal ~ 61 %
Spanien ~ 50 %
Großbritannien ~ 47 %
Deutschland ~ 52 %
EU-Durchschnitt ~ 44 %
USA ~ 22 %
China ~ 32 %

Drei Punkte zur Einordnung:

  1. Deutschland liegt im EU-Vergleich vorne, aber nicht an der Spitze. Skandinavien und Portugal haben jeweils strukturelle Vorteile (Geographie, Wasserkraft).
  2. Bei Wind und Solar in absoluten Zahlen ist Deutschland führend. 145 GW PV (Stand Mitte 2024) und 70 GW Wind onshore — beides europäische Spitzenwerte.35
  3. Wachstum pro Kopf ist in Dänemark, Niederlande und Portugal höher. Vergleichsanalyse in Modul D.

8. Knackpunkte und Ausblick

Aus dem Strom-Mix 2024 ergeben sich vier kritische Punkte, die in den Folgekapiteln vertieft werden:

  1. Kohle-Ausstieg-Tempo (A03, A04): Der Kohleausstiegspfad bis 2030 (Ziel des Koalitionsvertrags 2021) ist unklar — das Kohleausstiegsgesetz 2020 sieht weiterhin 2038 vor. Diese Differenz ist energiepolitisch bedeutsam.
  2. Gas als „Brücke” — wie lange noch? (B07): Die Rolle der Gaskraftwerke als Flexibilitätsreserve wächst rein operativ. Wann werden sie selbst zur Klimablockade?
  3. Speicher- und Netz-Engpässe (A06, A07): Der Ausbau der Erneuerbaren überholt strukturell den Ausbau von Netz und Speicher. Negative Strompreise und Redispatch-Kosten sind die sichtbarste Folge.
  4. Sektor-Verlagerung (A08): Strom wird zunehmend in Wärme und Verkehr „transportiert”. Der Stromsektor muss dieses zusätzliche Volumen abdecken — bei gleichzeitiger Dekarbonisierung. Die EE-Ausbaurate muss daher schneller wachsen als der heutige Strombedarf.

Zusammenfassung — die fünf Befunde

  1. Der Strom-Mix hat sich seit 2000 fundamental gewandelt. Erneuerbaren-Anteil von 6 % auf 59 %, Atomkraft auf 0 %, Kohle mehr als halbiert.
  2. Strom ist nicht das ganze Energiesystem. Mit 20 % am Endenergieverbrauch ist Strom der weiterentwickelte, aber kleinere Teil des Systems. Wärme und Verkehr sind der schwierigere Teil.
  3. Die Trajektorie ist nicht linear. Phasen der Beschleunigung wechseln mit Phasen der Verlangsamung — politische Rahmenbedingungen entscheiden mehr über das Tempo als technische Möglichkeiten.
  4. Saisonale und tageszeitliche Schwankungen sind real und gestaltbar. Speicher, flexible Lasten, Reservekraftwerke, Sektorkopplung — die Werkzeuge existieren, ihre Skalierung ist die eigentliche Aufgabe.
  5. Deutschland ist im EU-Vergleich vorne, aber nicht Spitze. Es gibt Länder mit höherem Anteil bei besseren strukturellen Bedingungen — und Länder die schneller wachsen. Beides ist in Modul D dokumentiert.

Limitations dieses Kapitels

  • Datenstand: Zahlen für 2024 sind teilweise vorläufig (AGEB veröffentlicht endgültige Bilanz 12-15 Monate nach Jahresende). Bei nächstem Quartals-Update der Kapitel wird die endgültige Bilanz nachgezogen.
  • Brutto/Netto-Definitionen: Die in Abschnitt 1 erklärten Definitionsunterschiede führen zu leichten Abweichungen je nach Quelle (typisch ±2 Prozentpunkte). Wer die Zahlen mit anderen Quellen vergleicht, sollte die Methodik des Vergleichswertes prüfen.
  • Volllaststunden in Abschnitt 6 sind typische Werte; aktuelle Jahre weichen ab (z.B. Wind-Schwachjahr 2021, Solar-Stärkejahr 2022).
  • Internationale Anteile in Abschnitt 7 sind 2023er Werte; 2024er Werte teilweise noch nicht final publiziert. Modul D wird auf endgültige Daten umstellen.
  • Charts: Für die finale Publikations-Version sollten mindestens drei Charts gebaut werden: (a) Zeitreihe Strom-Mix 2000–2024 (gestapelt), (b) Tagesverlauf an einem EE-Hoch-Tag vs. Dunkelflauten-Tag, (c) Sektor-Aufschlüsselung Endenergie. Die Daten liegen in daten/ vor; scripts/build_charts.py wird sie aus CSV-Files generieren.

Quellen


A03 — Treibhausgas-Emissionen Deutschland: Trend, Sektoren, Restbudget

Einleitung — warum die Emissionszahl die wichtigste Zahl ist

Die Stromerzeugung (A02) ist das sichtbare Indikator-Feld der Energiewende. Aber das Ziel der Energiewende ist nicht „möglichst viel erneuerbarer Strom”, sondern: Treibhausgas-Emissionen auf netto null bis 2045 reduzieren.36 Diese eine Zahl entscheidet, ob Deutschland seine selbst gesetzten und EU-rechtlich verbindlichen Klimaziele erreicht.

Dieses Kapitel zeigt:

  1. den Gesamttrend 1990–2024
  2. die Aufschlüsselung nach den sechs Sektoren des Bundes-Klimaschutzgesetzes
  3. wo Deutschland im Vergleich zum CO₂-Restbudget für 1,5 °C steht
  4. was die KSG-Reform 2024 für die Verbindlichkeit der Ziele bedeutet
  5. wo aus den Daten heraus die kritischen Punkte liegen

Die Zahlen kommen primär aus dem Umweltbundesamt (UBA), das die offizielle deutsche Berichterstattung an die UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) liefert.37 Sie sind die verbindliche Referenz, an der politisches Handeln in Deutschland zu messen ist.


1. Der Trend 1990–2024 in einer Zahl

Deutsche Treibhausgas-Emissionen, ausgewählte Jahre (in Mio. Tonnen CO₂-Äquivalente):38 39

Jahr THG-Emissionen Veränderung ggü. 1990 Wichtigster Treiber
1990 1.252 Basisjahr Wiedervereinigungs-Effekte
1995 1.118 − 10,7 % DDR-Industrie-Schrumpfung
2000 1.043 − 16,7 % Atomstrom-Anteil hoch, Effizienzsteigerungen
2005 996 − 20,4 % Gaskraftwerks-Ausbau
2010 956 − 23,7 % EEG-Wirkung beginnt sichtbar
2015 905 − 27,7 % Kohleboom 2013–2015 dämpft Trend
2019 814 − 35,0 % Erneuerbaren-Beitrag steigt
2020 729 − 41,8 % Corona-Effekt (einmalig)
2022 750 − 40,1 % Gas-Krise → Kohle-Wiedereinsatz
2023 674 − 46,1 % Industrierezession + Kohle-Rückgang
2024 657 − 47,5 % Konjunktur schwach + Strom-Dekarbonisierung
2025⁽ᵛᵒʳˡ⁾ 649 − 48,2 % nur −1,4 % ggü. 2024; Verkehr+Gebäude steigen

2024 final (UBA, übermittelt an EU-Kommission 01/2026). 2025 vorläufige UBA-Schätzung über BMUKN-Pressemitteilung 03/2026; Agora “Stand der Dinge 2025” nennt parallel 640 Mt (geringfügig andere Methodik).40 41

Drei strukturelle Beobachtungen:

a) Die Hälfte des Wegs zum Ziel ist erreicht. Von 1990 bis 2024 wurden Emissionen um ~48 % reduziert. Ziel des KSG: −65 % bis 2030. Verbleibende Aufgabe in sechs Jahren: etwa 17 Prozentpunkte. Zum Vergleich: Die ersten 25 Jahre (1990–2015) lieferten nur etwa 28 Prozentpunkte — der Pfad wird steiler werden, nicht flacher.

b) Zwei Sondereffekte sind in der Reihe. 2020/2021 brachte die Corona-Krise einen einmaligen Rückgang, der teilweise schon wieder rückgängig wurde. 2023/2024 wirken zwei überlagernde Effekte: eine spürbare Industrierezession (geringere Stahl-, Chemie-, Bauproduktion) und eine echte Strom-Dekarbonisierung. Wie viel von der Reduktion 2023 strukturell ist und wie viel konjunkturell, wird der Expertenrat für Klimafragen in seiner 2025er-Bewertung genauer aufschlüsseln.42

c) Der Trend ist nicht linear. Phasen schneller Reduktion (2019–2020, 2022–2023) wechseln mit Phasen der Stagnation (2010–2015, 2015–2019). Die These „Energiewende-Anstrengungen sind proportional zu Emissions-Rückgang” stimmt nicht — es gibt einmalige Ereignisse (Atomausstieg- Verschiebung, Gas-Krise) und konjunkturelle Überlagerungen.

d) 2025 hat sich die Reduktion deutlich verlangsamt. Während 2023 noch ein Rückgang um 76 Mt CO₂-Äq. ggü. 2022 erreicht wurde und 2024 weitere 25 Mt sanken, beträgt der Rückgang 2025 nur noch 9 Mt (−1,4 % ggü. 2024). Das ist weniger als die Hälfte der Reduktion 2024 und liegt etwa 12,8 Mt über dem KSG-Pfad.43 44 Die Bundesregierung muss daher 2026 ein Sofort-Programm-Äquivalent vorlegen — der Puffer aus Vorjahres-Überfüllungen schrumpft.

THG-Emissionen Deutschland 1990–2025 + KSG-Zielpfad

Abbildung A03-1: Treibhausgas-Emissionen Deutschland 1990 (Basisjahr, 1.252 Mt) bis 2025 (649 Mt, −48 %) im Verhältnis zum KSG-Zielpfad: −65 % bis 2030 (438 Mt) und netto-null bis 2045. Die rot-gestrichelte Linie zeigt den noch zu bewältigenden Pfad — in 5 Jahren müssen ca. 210 Mt zusätzlich reduziert werden. Datengrundlage: UBA, KSG §3.


2. Sektoren-Aufschlüsselung — wo läuft es, wo nicht?

Das Bundes-Klimaschutzgesetz teilt die Emissionen auf sechs Sektoren auf. Jeder Sektor hatte bis zur KSG-Reform 2024 jährliche Minderungspfade. Stand 2023, in Mio. t CO₂-Äquivalente:45 46

Sektor 1990 2023 2024 2025 KSG-Ziel 2030 Reduktion 1990→2025
Energiewirtschaft (Strom + Fernwärme) 466 205 190 189 108 − 59 %
Industrie (Prozesse, Energie) 284 155 150 144 118 − 49 %
Verkehr 164 146 144 146 85 − 11 %
Gebäude (Wärme Wohngeb. + GHD) 210 102 100 103 67 − 51 %
Landwirtschaft 91 53 61 ~61 56 − 33 %
Abfall + sonstige 38 5 ~5 ~5 5 − 87 %

(Zahlen gerundet; 2025er UBA-Schätzung via BMUKN-Pressemitteilung 03/2026.47)

Was an der Tabelle 2025 auffällt:

  • Verkehr und Gebäude steigen wieder, statt zu sinken. Verkehr +2,1 Mt, Gebäude +3,4 Mt ggü. 2024.
  • Energiewirtschaft stagniert nahezu (−0,6 Mt). Der starke Reduktionspfad aus 2023/24 läuft aus, weil weniger zusätzliche Kohle abzuschalten ist und EE-Erzeugung wetterbedingt 2025 nur leicht stieg.
  • Industrie sinkt weiter (−5,6 Mt), teils strukturell (Effizienz, grüner Stahl-Pilot), teils konjunkturell (Industrieproduktion schwach 2025).
  • Landwirtschaft konstant — bisher kein Hebel angesetzt.

Strukturelle Bilanz: Die “Sektor-Krise” 2025 (Verkehr + Gebäude steigend) ist ein klares Symptom der KSG-Reform 2024 (Aufhebung der Sektor-Verbindlichkeit, siehe Abschnitt 4 + Modul C01). Ohne Sektor-Soforterledigungs-Pflicht haben Verkehrs- und Bauministerium keinen rechtlichen Druck mehr, ihre Sektor-Pfade einzuhalten — und die Daten zeigen unmittelbar die Folge.

Sektor-Emissionen Deutschland 2023→2024→2025

Abbildung A03-2: Sektor-Emissionen Deutschland 2023, 2024, 2025 im direkten Vergleich. Energiewirtschaft und Industrie sinken weiter, Verkehr und Gebäude steigen 2025 wieder — erstes empirisches Symptom der KSG-Sektor-Verbindlichkeits- Aufhebung 2024. Datengrundlage: UBA-Sektor-Inventare; 2025-Werte via BMUKN- Pressemitteilung 03/2026 ([Q004]).

Die zentralen Befunde:

Energiewirtschaft hat geliefert. Mit 56 % Reduktion ist dieser Sektor der Erfolg der Energiewende — das ist das Spiegelbild der Strom-Mix-Wandlung aus A02. Verbleibender Pfad: nochmal etwa Halbierung bis 2030. Das ist anspruchsvoll, aber technisch nachvollziehbar über weiteren Kohle-Ausstieg und Erneuerbaren-Wachstum.

Industrie ist auf Pfad — mit Hilfsmechanismen. Die 45 % Reduktion seit 1990 beruht teils auf Effizienzsteigerung, teils auf Verlagerung emissionsintensiver Produktion ins Ausland (sog. Carbon Leakage). Der weitere Pfad zu 2030 erfordert echte Transformation (grüner Stahl, Direktreduktion mit Wasserstoff, Elektrifizierung der Prozesswärme).

Verkehr ist das größte Problem. Mit nur 11 % Reduktion seit 1990 hat dieser Sektor strukturell versagt. Mehr Fahrzeuge, mehr Verkehrsleistung, höhere Fahrzeuggewichte (SUV-Trend) haben Effizienzgewinne aufgefressen. Die KSG-Sektorenziele wurden hier mehrfach verfehlt, was bis zur Reform 2024 zu Sofortprogramm-Pflichten führte. Mit der Reform 2024 wurde diese Pflicht abgeschafft (siehe Abschnitt 4).

Gebäude waren erfolgreich, sind ins Stocken geraten. Die Reduktion seit 1990 ist ordentlich (51 %), aber die Reduktionsraten der letzten Jahre waren rückläufig — bis 2022. Mit dem Wärmepumpen-Hochlauf 2023 gab es einen Schub, der durch die Heizungsgesetz-Debatte und Förderkürzungen 2023/2024 wieder gestoppt wurde. Marktverwerfungen: Wärmepumpen-Absatz 2024 etwa halb so hoch wie 2023.48

Landwirtschaft + Abfall sind anteilig klein, aber Landwirtschaft ist methodisch schwierig (Methan aus Tierhaltung, Lachgas aus Düngung). Hier wird die Lücke zum Ziel 2030 schwer zu schließen sein.


3. Das CO₂-Restbudget — was Klimawissenschaft sagt

Die deutsche Klimapolitik orientiert sich an den Zielen des Pariser Übereinkommens (1,5 °C- bzw. 2 °C-Begrenzung der globalen Erwärmung). Der IPCC AR6 (Working Group I, 2021) hat dafür CO₂-Restbudgets quantifiziert.49

Globales Restbudget ab 2020 (zur Begrenzung auf 1,5 °C mit 67 %-Wahrscheinlichkeit): rund 400 Gt CO₂. Bei jährlichen globalen Emissionen von ~ 41 Gt CO₂/Jahr (2023) ist dieses Budget rein rechnerisch in 8–10 Jahren aufgebraucht.

Deutscher Anteil am globalen Restbudget — drei methodische Ansätze, jeweils unterschiedliche Ergebnisse:

Aufteilungsschema Deutscher Anteil 2020 Restbudget DE (Mt CO₂) Reicht bis (bei aktuellem Tempo)
Pro Kopf (gleich für alle Menschen) ~ 1,1 % ~ 4.400 ca. 2030
Aktuelle Emissionsanteil (Status quo) ~ 1,8 % ~ 7.200 ca. 2032
Historische Verantwortung (kumulative Emissionen) ~ 4,8 % ~ 19.200 ca. 2045

Welcher Aufteilungsschlüssel „gerecht” ist, ist eine politische Frage, keine wissenschaftliche. Aber: Selbst beim großzügigsten Schema (historische Verantwortung) entspricht das deutsche Restbudget grob dem aktuellen KSG-Pfad bis 2045. Beim Pro-Kopf-Schema müsste Deutschland deutlich schneller dekarbonisieren als KSG vorsieht.50 51

Der Bundesverfassungsgerichtsbeschluss vom 24. März 2021 (siehe A01 Abschnitt 5) hat sich implizit auf das Restbudget bezogen: Wenn Deutschland zu wenig vor 2030 reduziert, müsste nach 2030 umso schneller reduziert werden, was die Freiheitsrechte zukünftiger Generationen unverhältnismäßig einschränken würde.


4. Die KSG-Reform 2024 — was sich geändert hat

Im Juli 2024 wurde das Bundes-Klimaschutzgesetz reformiert. Die wichtigste Änderung:52 53

Vorher (KSG-Fassung 2021): – Jährliche Sektor-Emissionsziele für sechs Sektoren – Bei Zielverfehlung: Sofort-Programm-Pflicht für das zuständige Ressort – Klare Verantwortlichkeit (Verkehrsminister bei Verkehr, Bauminister bei Gebäuden)

Nachher (KSG-Fassung 2024): – Gesamtbilanz statt einzelner Sektor-Pflichten – Sektor-Verfehlungen können durch Übererfüllungen anderer Sektoren ausgeglichen werden – Sofort-Programm-Pflicht für einzelne Sektoren entfällt – Klimaschutz-Programmpflicht erst bei zweimaliger Verfehlung des Gesamt-Pfads

Bewertung des Expertenrats für Klimafragen (gesetzlich beauftragt zur Bewertung der Reform):54

Der Expertenrat hat in seinen Stellungnahmen 2024 die Reform kritisch bewertet. Wesentliche Argumente: – Die Verbindlichkeit für einzelne Sektoren wird geschwächt. – Die Verantwortlichkeit einzelner Ressortministerien wird verwässert. – Die Übererfüllung in einem Sektor (typischerweise Energiewirtschaft, die durch Wettereffekte und Industriekonjunktur unterstützt wird) kann strukturelle Defizite in anderen Sektoren (typischerweise Verkehr) kompensieren — ohne dass diese strukturellen Defizite behoben werden müssen.

Diese Bewertung ist relevant für die Argumentationslinie in Modul C01 (politische Verzögerungen): Die Reform 2024 ist ein Beispiel für eine subtile Abschwächung der Verbindlichkeit ohne formelle Aufgabe des Ziels. Das Ziel 2045 steht weiterhin im Gesetz. Die Wege dorthin sind aber weniger jahrgenau kontrollierbar als vorher.


5. Internationale Einordnung — kurz

Eine vertiefte internationale Vergleichsanalyse erfolgt in Modul D. Hier nur zur Einordnung die wichtigsten Eckdaten 2023 (pro Kopf, t CO₂-Äquivalente/Jahr):55

Land THG pro Kopf 2023 Veränderung seit 1990
USA 17,3 − 18 %
Australien 16,2 − 26 %
Deutschland 8,1 − 46 %
Japan 8,9 − 21 %
Großbritannien 5,5 − 53 %
Frankreich 5,2 − 32 %
Schweden 3,8 − 39 %
Welt-Durchschnitt 6,7 ~ konstant

Drei Punkte:

  1. Deutschland liegt im EU-Vergleich nicht schlecht, aber nicht an der Spitze. UK, Frankreich, Schweden haben bessere Pro-Kopf-Werte. UK hat seit 1990 sogar prozentual mehr reduziert.
  2. Die deutschen 46 % Reduktion sind im Industrieländer-Vergleich beachtlich. USA und Australien liegen weit zurück.
  3. Aber: Pro-Kopf liegt DE immer noch über dem Welt-Durchschnitt. Die globale Klimagerechtigkeits-Debatte wird damit nicht aufhören.

6. Knackpunkte und Ausblick

Aus den Emissionsdaten 2024 ergeben sich vier kritische Punkte:

  1. Der Pfad zu 2030 ist anspruchsvoll, aber nicht unrealistisch. Verbleibend ~ 17 Prozentpunkte in 6 Jahren bei strukturellem Trend von ~ 3 Punkten pro Jahr — das geht, wenn der Trend gehalten wird. Die Reform 2024 macht das schwerer zu kontrollieren.
  2. Der Verkehrssektor ist der Engpass. Ohne strukturelle Veränderung (BEV-Hochlauf, ÖPNV-Ausbau, Verlagerung auf Schiene) wird das Sektorziel 2030 deutlich verfehlt.
  3. Konjunktur kaschiert strukturelle Defizite. Die Reduktion 2023 enthält einen erheblichen Anteil Industrierezession. Wenn die Industrie 2025/2026 wieder anspringt, ohne dass strukturelle Maßnahmen greifen, werden Emissionen wieder steigen.
  4. Klimagerechtigkeit ist nicht im KSG abgebildet. Wenn man Pro-Kopf-Restbudget ernst nimmt, müsste Deutschland deutlich schneller sein. Diese Diskussion ist (noch) keine politische, wird aber in den 2030ern wieder kommen.

Zusammenfassung — die fünf Befunde

  1. Deutschland hat seit 1990 etwa 48 % Treibhausgas-Reduktion erreicht. Damit ist die Hälfte des Wegs zum KSG-Ziel 2030 (−65 %) zurückgelegt.
  2. Die Energiewirtschaft hat geliefert, der Verkehr nicht. Diese Asymmetrie ist das zentrale Problem der nächsten Phase.
  3. Die KSG-Reform 2024 hat die Verbindlichkeit der Sektor-Ziele geschwächt — laut Expertenrat für Klimafragen kritisch zu bewerten.
  4. Konjunktur und Energiekrise verzerren den jüngsten Trend. Die 2023/2024er Reduktionen sind teils strukturell, teils einmalig.
  5. Das CO₂-Restbudget ist eng. Selbst beim großzügigsten Verteilungsschlüssel hat Deutschland nur noch knapp 20 Jahre bis zum Auslaufen seines Anteils am 1,5 °C-Budget.

Limitations dieses Kapitels

  • Methodische Schwankungen UBA-Daten: Emissionsdaten werden mit Verzögerung publiziert (vorläufige Schätzung im März des Folgejahres, finale Bilanz 22 Monate später) und können bei methodischen Updates retrospektiv leicht angepasst werden. Die hier verwendeten Werte sind Stand März 2025.
  • Sektor-Abgrenzungen: Die KSG-Sektor-Aufteilung weicht teilweise von international üblichen Sektor-Klassifikationen (z.B. IPCC oder Eurostat) ab. Internationale Vergleiche müssen entsprechend übersetzt werden.
  • Restbudget-Berechnungen basieren auf IPCC-AR6-Werten, die seit 2021 in einigen jüngeren Studien als möglicherweise zu optimistisch eingeschätzt werden (z.B. Forster et al. 2024, Climate Indicators). Cross-Check mit aktuelleren Klimawissenschafts-Quellen bei nächstem Update.
  • Pro-Kopf-Vergleiche Abschnitt 5 sind 2023er Werte basierend auf IEA + Eurostat-Daten; Modul D verwendet final detaillierte Länderdaten.
  • „Verkehr ist gescheitert” ist eine harte Aussage, die im Kapitel A08 (Sektorkopplung) und Modul C01 vertieft werden muss. Hier nur die Datenfeststellung, keine Ursachenanalyse.

Quellen


A04 — Kosten der Energiewende: LCOE, Subventionen, Strompreise

Einleitung — warum dieses Kapitel anspruchsvoll ist

Kein Kapitel der Energiewende-Debatte ist so durchsetzt von falsch zitierten Zahlen, verkürzten Vergleichen und stillschweigenden Annahmen wie das Kosten-Kapitel. Es geht hier um drei verschiedene Kostenfragen, die regelmäßig vermischt werden:

  1. Stromgestehungskosten (LCOE): Was kostet eine neu gebaute Erzeugungs-Anlage pro Kilowattstunde, über ihre Lebensdauer betrachtet? Diese Frage entscheidet, was wirtschaftlich neu gebaut wird.
  2. Subventions-Historie: Wie viel Geld hat der deutsche Staat (über Steuern, Umlagen, externe Kostenübernahme) in welche Energieträger gesteckt? Diese Frage entscheidet, ob die Aussage „Erneuerbare sind teuer subventioniert” stimmt.
  3. Strompreis-Komponenten: Wovon hängt es ab, was Haushalte und Industrie an der Steckdose zahlen? Diese Frage entscheidet, ob die Aussage „Energiewende treibt Strompreise” stimmt.

Alle drei Fragen sind verbunden, aber nicht identisch. Wer eine davon mit Daten beantwortet und sie als Antwort auf die anderen verwendet, verfehlt die Diskussion.

Dieses Kapitel beantwortet alle drei separat — und zeigt am Ende, wie sie zusammenhängen. Methodisch zentral: Wenn wir Subventionen vergleichen, vergleichen wir mit konsistenter Methodik über alle Energieträger. Wenn wir LCOE vergleichen, beziehen wir externe Kosten ein. Wenn wir Strompreise diskutieren, schlüsseln wir nach Komponenten auf.


1. Stromgestehungskosten (LCOE) 2024 — Wind und Solar sind heute am günstigsten

Die maßgebliche deutsche Referenz ist die Fraunhofer-ISE-Studie zu Stromgestehungskosten erneuerbarer Energien, zuletzt aktualisiert im Juli 2024.56 Sie berechnet LCOE (Levelized Cost of Electricity) für neu gebaute Anlagen unter deutschen Standortbedingungen, einschließlich Kapital-, Betriebs-, Brennstoff- und CO₂-Preis-Kosten.

LCOE neu gebauter Anlagen in Deutschland, Stand 2024 (in Cent pro Kilowattstunde):57

Technologie LCOE-Bandbreite Annahmen
PV-Freifläche 4,1–6,9 Globalstrahlung 950–1300 kWh/m²/Jahr
PV Dachanlage (Großanlage) 6,7–11,5 Aufdach gewerblich, Volllaststunden ~ 950
PV Dachanlage (klein) 8,1–13,0 Privathaushalt, 5–15 kWp
Wind onshore 4,3–9,2 Volllaststunden 1.800–3.300, Standort variabel
Wind offshore 6,4–13,3 Volllaststunden 3.500–4.500
Biogas 21,2–32,1 Brennstoff-Kosten dominant
Wasserkraft (groß) 4,4–11,9 Standort-spezifisch
Steinkohle 17,3–29,3 inkl. CO₂-Preis ETS 65–95 €/t
Braunkohle 15,5–25,7 inkl. CO₂-Preis
Gas-GuD 11,0–18,3 bei Gaspreisen 25–35 €/MWh
Atomkraft (Neubau-Niveau Hinkley Point C) 13,6–49,0 Sehr große Spanne wegen Bauzeit-/Kostenvariabilität

Die zentralen Erkenntnisse:

Wind und PV sind die günstigsten Neubau-Optionen. PV-Freifläche bei 4–7 ct/kWh, Wind onshore bei 4–9 ct/kWh — beide deutlich günstiger als jedes fossile oder atomare Neubaukraftwerk.

Konventionelle Erzeugung wurde durch den CO₂-Preis deutlich teurer. Bei einem EU-Emissionshandelspreis von 65–95 €/t CO₂ (Spanne 2022–2024) gewinnen erneuerbare Energien einen strukturellen Kostenvorteil von 4–10 ct/kWh gegenüber Kohle. Diese Preis- Komponente wird in der Lobby-Diskussion oft ausgeblendet — der CO₂-Preis ist eine politische Entscheidung der EU, die seit 2018 systematisch verschärft wurde und 2027 mit ETS-2 auf Verkehr und Wärme ausgeweitet wird.58

Atom-Neubau ist heute die teuerste Form. Die Bandbreite 13,6–49,0 ct/kWh klingt unrealistisch breit, ist es aber nicht — sie spiegelt reale Beispiele wider: Olkiluoto 3 (Finnland, 17 Jahre Bauzeit, Kosten ~ 11 Mrd. EUR statt 3 Mrd. geplant), Flamanville 3 (Frankreich, 17 Jahre, 13,2 Mrd. statt 3,3 Mrd.), Hinkley Point C (UK, Strompreisgarantie 92 GBP/MWh real, mit Inflationsanpassung heute deutlich über 130 GBP/MWh).59

Wichtige Einschränkung: LCOE sagt nichts darüber aus, ob ein bestimmtes Kraftwerk im Stromnetz gebraucht wird. Ein Solarkraftwerk produziert nachts gar nichts; ein Gaskraftwerk kann jederzeit anspringen. Die System-Wert-Frage ist eine andere als die LCOE-Frage. Sie wird in A05 (Versorgungssicherheit) und A07 (Speicher) vertieft. Aber: LCOE bleibt die Basis für jede Wirtschaftlichkeits-Rechnung beim Neubau.


2. Subventions-Historie — die ehrliche Bilanz 1970–2024

Die häufig gehörte Aussage „die Energiewende ist subventionsgetrieben” ignoriert, dass Deutschland alle Energieträger seit den 1970er Jahren in unterschiedlicher Höhe gefördert hat. Die Frage, welche Förderung wirtschaftlich vertretbar ist, lässt sich nur beantworten, wenn man konsistent vergleicht.

Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) hat in mehreren Studienreihen die kumulierten staatlichen Förderungen aller wichtigen Energieträger seit 1970 aufgerechnet, einschließlich direkter Subventionen, Steuervergünstigungen, externer Kosten die der Staat trägt, Forschungsförderung und staatlicher Risikoabsicherung.60

Kumulative staatliche Förderung 1970–2023 in Deutschland, in Mrd. EUR (real-eurojustiert):61

Energieträger Kumulierte Förderung Davon:
Steinkohle ~ 380 Mrd. Förderkohle-Subventionen bis 2018, Sozialabgaben Steinkohlebergbau
Atomkraft ~ 280 Mrd. Forschung, KENFO (Endlagerrückstellungen), staatliche Haftungsbegrenzung, Forschungsreaktoren
Erneuerbare über EEG (2000–2023) ~ 260 Mrd. EEG-Umlage akkumuliert
Braunkohle ~ 100 Mrd. externe Kosten (Wasser, Gesundheit), Strukturhilfen Lausitz + Rheinisches Revier
Erdgas ~ 50 Mrd. Energiesteuer-Vergünstigungen, LNG-Beschleunigung 2022/23

Drei zentrale Schlussfolgerungen:

a) Steinkohle hat in 50 Jahren mehr Subventionen erhalten als die Erneuerbaren in 23 Jahren. Wer sagt „die EEG-Förderung ist teuer”, muss die Steinkohle-Förderung mitnennen. Beide sind staatlich beschlossen, beide nominal hoch — die EEG-Umlage hat aber eine Eigenschaft, die die Kohle-Subvention nicht hatte: Sie sinkt strukturell, weil die geförderten Erzeuger mit der Zeit selbst marktfähig werden.

b) Atomkraft ist nicht „abgeschriebene Sunk Cost”. Die staatliche Risikoabsicherung (Haftungsbegrenzung auf 2,5 Mrd. EUR pro Anlage — bei realistischen Unfallszenarien sind mehrere hundert Mrd. EUR möglich) und die Endlager-Rückstellungen sind dauerhafte Kosten, die noch jahrzehntelang anfallen werden, unabhängig davon, ob Atomkraftwerke laufen oder nicht.62

c) Die EEG-Umlage hat ihre Funktion erfüllt und wurde 2022 abgeschafft. Sie war ab 2000 ein Markteinführungs-Instrument, das Investitionssicherheit für Erneuerbare schaffen sollte, als deren LCOE noch deutlich über dem von Kohle/Atom lag. Mit dem Erreichen der Wettbewerbsfähigkeit (siehe Abschnitt 1) wurde sie obsolet — heute werden Erneuerbare in Auktionen mit Preisen unter den LCOE konventioneller Kraftwerke ausgehandelt.

Methodische Kritik anschließend: Die FÖS-Definition von „Subvention” ist breit gefasst (inklusive externer Kosten). Bei enger Definition (nur direkte Zahlungen) ändern sich die Zahlen, aber das Ranking ändert sich nicht: Kohle und Atom liegen auch dann in derselben Größenordnung wie EEG. Die Aussage „EEG ist Sonder-Subvention” lässt sich mit keiner Methodik halten.


3. Externe Kosten — die unsichtbaren Subventionen

Externe Kosten sind die Schäden, die ein Energieträger verursacht, ohne dass die Verursacher sie zahlen — Gesundheitsschäden durch Luftschadstoffe, Klimawandelfolgen, Endlager-Risiken, Wasserverbrauch. Sie werden in der LCOE-Studie (Q007) teilweise berücksichtigt, in der Marktbepreisung aber nur partiell (über den CO₂-Preis im EU-Emissionshandel).

Externe Kosten pro kWh Stromerzeugung, deutsche Schätzungen (UBA, FÖS, mehrere peer-reviewed Studien):63

Energieträger Externe Kosten ct/kWh Hauptkomponenten
Braunkohle 10–22 CO₂, PM2.5, NOx, Wasserentnahme
Steinkohle 8–15 CO₂, Luftschadstoffe
Erdgas 4–8 CO₂, Methan-Leakage
Atomkraft 3–7 Endlager-Risiken, Unfall-Versicherungs-Lücke
Wind onshore 0,3–0,6 Vogelschlag, Landschaftsbild
Solar 0,1–0,4 Materialkreislauf, Rückbau

Die Zahlen sind unsicher (Methodik-Streit gibt es bei den Bewertungsfaktoren für Leben/ Gesundheit) — aber das Ranking ist über alle Studien hinweg robust. Fossile Energie hat externe Kosten in Größenordnung der internen Kosten — wer den Strompreis ehrlich diskutiert, muss sie mitrechnen.

In der Praxis werden externe Kosten teilweise über den CO₂-Preis internalisiert. Bei einem CO₂-Preis von 80 €/t (ETS-Niveau 2024) entspricht das bei Steinkohle (~ 850 g CO₂/kWh) etwa 6,8 ct/kWh — also fast die ganze Bandbreite der externen Kosten. Beim Gas (~ 400 g CO₂/kWh) etwa 3,2 ct/kWh, was wegen Methan-Leakage tendenziell zu niedrig ist.


4. Strompreis-Komponenten — wovon hängt der Endpreis ab?

Ein durchschnittlicher Haushalts-Strompreis in Deutschland (Stand 2024, Tarif Grundversorgung) liegt bei etwa 37 ct/kWh.64 Diese 37 ct setzen sich zusammen aus:

Komponente Anteil 2024 Anteil 2014 (Vergleich)
Beschaffung + Vertrieb ~ 40 % (~ 14,8 ct) ~ 28 % (~ 8 ct)
Netzentgelte ~ 25 % (~ 9,3 ct) ~ 22 % (~ 6,2 ct)
Steuern + Abgaben ~ 18 % (~ 6,7 ct) ~ 27 % (~ 7,5 ct)
MwSt. (19 %) ~ 17 % (~ 6,2 ct) ~ 16 % (~ 4,5 ct)
EEG-Umlage 0 % ~ 22 % (~ 6,2 ct)
CO₂-Preis (über Beschaffung) implizit eingerechnet minimal
Gesamt ~ 37 ct ~ 28 ct

Zentrale Erkenntnisse:65 66

a) Die EEG-Umlage ist seit 2022 weg. Was vorher 6–7 ct/kWh ausmachte und in der öffentlichen Debatte regelmäßig als „Energiewende-Kosten” zitiert wurde, ist nicht mehr Bestandteil des Strompreises. Sie wurde 2022 in den Bundeshaushalt überführt (KTF- Sondervermögen) und schließlich 2023 abgeschafft.

b) Der Anstieg 2021–2023 kam von Gas und Beschaffung, nicht von Erneuerbaren. Der Großhandelspreis (EPEX Spot) lag 2020 bei rund 30 €/MWh, in der Krise 2022 zeitweise über 700 €/MWh. Erneuerbare haben diesen Anstieg nicht verursacht — im Gegenteil, sie haben ihn gedämpft, weil sie zu Niedrig-Grenzkosten produzieren.67

c) Die Netzentgelte steigen — aber aus systemischen Gründen. Der Netzausbau für Erneuerbare-Integration und die Redispatch-Kosten (siehe A05) treiben die Netzentgelte langsam, aber stetig. Diese Kosten sind real und der Energiewende zuzuordnen.

Strompreis-Komponenten Haushalte 2014–2025

Abbildung A04-1: Zusammensetzung des Haushalts-Strompreises 2014–2025. Die EEG-Umlage (gelb, oben) wuchs bis 2018 auf ihren Höchststand und wurde Juli 2022 abgeschafft. Der Preis-Sprung 2022 kam aus der Komponente Beschaffung+Vertrieb (dunkelblau, unten) — Gaspreis-Krise, nicht Energiewende. Datengrundlage: BDEW Strompreisanalyse, BNetzA ([Q015], [Q009]).

Vergleich Haushalt vs. Industrie: Energieintensive Industrie zahlt deutlich weniger pro kWh. 2024 lag der Industrie-Strompreis (mittelgroße Betriebe) bei etwa 22 ct/kWh, bei energieintensiven Großverbrauchern (Stahl, Aluminium) unter 10 ct/kWh — durch Strompreiskompensation, Spitzenausgleich, Reduzierung der Stromsteuer.68 Die Industriestrompreis-Debatte 2023–2025 (siehe A09) bezieht sich nicht auf den Durchschnitts-Industriestrompreis, sondern auf den Wunsch nach noch weiteren Vergünstigungen für die rund 600 stromintensivsten Unternehmen.


5. Großhandelsstrompreise — die Wirklichkeit am Markt

Der EPEX-Spot-Großhandelspreis ist der eigentliche Preis, zu dem Strom in Deutschland zwischen Erzeugern und Vermarktern gehandelt wird. Er ist tageweise und stündlich extrem volatil und reflektiert das Merit-Order-Prinzip: In jeder Stunde wird die Erzeugung nach Grenzkosten geordnet, das letzte zur Bedarfsdeckung nötige Kraftwerk setzt den Preis.69

EPEX-Spot Jahresmittelwerte (Day-ahead, Baseload, €/MWh):70 71

Jahr Jahresmittel Anmerkungen
2019 37,7 Normalniveau vor Pandemie
2020 30,5 Corona-Verbrauchsdelle, Niedrigpreise
2021 96,9 Beginn Gas-Preiskrise (vor Ukraine!)
2022 235,4 Spitze, zeitweise > 700 €/MWh
2023 95,2 Normalisierung, immer noch hoch
2024 78,5 Weitere Normalisierung

Negative Strompreise sind ein Phänomen, das mit dem Erneuerbaren-Ausbau zunimmt. 2024 gab es etwa 450 Stunden mit negativen Strompreisen — Phasen, in denen mehr (vor allem solar + windbasierter) Strom angeboten wurde als verbraucht. Negative Preise sind kein „Schaden” der Energiewende, sondern Marktsignal: Speicher oder flexible Verbraucher fehlen strukturell.72 Sie werden in A07 vertieft.


6. CO₂-Preis — der unsichtbare Strom-Hebel

Der CO₂-Preis im EU-Emissionshandel (EU-ETS) ist heute der dominante Faktor, der fossile Stromerzeugung verteuert — nicht „die Energiewende”.73

Entwicklung des EU-ETS-Preises (in €/t CO₂):

Zeitraum Preisniveau
2013–2017 5–10 €/t (faktisch wirkungslos)
2018–2020 15–30 €/t (Marktstabilitätsreserve greift)
2021–2022 50–100 €/t (Erholung + Krise)
2023–2024 65–95 €/t (Normalniveau)
2027 (geplant) 80–110 €/t + nationaler ETS-2 für Verkehr/Wärme

Bei 80 €/t CO₂ wird Steinkohle-Strom um ~ 6,8 ct/kWh teurer, Braunkohle-Strom um ~ 9 ct/kWh. Das ist der Hauptgrund, warum Kohlestrom heute am Großhandelsmarkt nicht mehr konkurrenzfähig ist — nicht ein politisches „Anti-Kohle-Programm”. Der CO₂-Preis ist ein marktwirtschaftliches Instrument, das von der EU verbindlich beschlossen ist (und in Modul C diskutiert wird hinsichtlich politischer Verzögerungen, die das Wirken verlangsamten).


7. Knackpunkte und Ausblick

  1. Industriestrompreis-Debatte 2023–2025 — wird in A09 vertieft. Kerndilemma: einerseits wettbewerbsfähige Industrie erhalten, andererseits CO₂-Preis-Signal nicht aufweichen.
  2. CO₂-Preis-Ausweitung ETS-2 ab 2027 — wird Wärme und Verkehr deutlich verteuern. Sozialpolitisch heikel; Klima Sozial-Fonds gegenfinanziert, aber knapp.
  3. Negative Strompreise nehmen zu — Marktsignal für fehlende Speicher und Flexibilität. Lösung in A07.
  4. Netzentgelte steigen — der Netzausbau wird teurer, vor allem im Verteilnetz. A06.

Zusammenfassung — die fünf Befunde

  1. Wind und Solar sind heute die günstigsten Neubau-Optionen. LCOE 4–9 ct/kWh, deutlich unter Kohle (15–29 ct), Gas (11–18 ct), Atom-Neubau (14–49 ct).
  2. Die Subventions-Historie zeigt: alle Energieträger wurden vom Staat gefördert. Kohle und Atom kumulativ mehr als EEG. „Energiewende ist sonderlich subventioniert” hält der Daten-Prüfung nicht stand.
  3. Externe Kosten sind real und groß. Bei fossilen Energieträgern in Größenordnung der internen Kosten. Der CO₂-Preis internalisiert sie teilweise.
  4. Die EEG-Umlage ist seit 2022 weg. Der Strompreis-Anstieg 2021–2023 kam von Gas, nicht von Erneuerbaren.
  5. CO₂-Preis ist der dominante Treiber der Kohle-Verluste. Marktwirtschaftliches Instrument, EU-rechtlich verbindlich.

Limitations dieses Kapitels

  • LCOE-Bandbreiten spiegeln Standort- und Annahme-Variabilität wider. Spezifische Projekte können außerhalb der Bandbreiten liegen.
  • Subventions-Vergleich verwendet FÖS-Methodik. Andere Methodiken (engere Definition) führen zu kleineren Zahlen, ändern aber das Ranking nicht.
  • Externe Kosten sind mit erheblicher Unsicherheit behaftet (Bewertungsfaktoren Gesundheit/Leben). Konservative und progressive Schätzungen variieren um Faktor 2-3.
  • Strompreis-Komponenten Abschnitt 4: Anteile gerundet, exakte Werte schwanken nach Tarif (Grundversorgung vs. Sonderverträge), Anbieter, Region.
  • Großhandelspreise sind Tageswerte, hochvolatil — Jahresmittel verschleiert die reale Volatilität, die ihrerseits ein wichtiges Argument zur Speicher-/Flexibilitäts-Debatte ist (A07).

Quellen


A05 — Versorgungssicherheit: Dunkelflauten, Redispatch, gesicherte Leistung

Einleitung — warum Versorgungssicherheit das härteste Argument ist

In der Debatte um die Energiewende ist „Versorgungssicherheit” das Argument, das emotional am stärksten zieht: Niemand will ohne Strom dastehen. Aus diesem Grund ist es das Lieblings- Argument all jener, die das Tempo der Energiewende verlangsamen oder den Atomausstieg revidieren wollen. Es ist auch das Argument, das am sorgfältigsten faktencheckt werden muss — denn die Datenlage ist überraschend eindeutig:

Deutschland hatte 2023 und 2024 die zuverlässigste Stromversorgung seiner Geschichte — gemessen am SAIDI-Index.74

Das ist keine optimistische Lesart, sondern die offizielle Statistik der Bundesnetzagentur. Was nicht heißt, dass alle Sorgen unbegründet sind — die Versorgungssicherheit wird mit steigendem Erneuerbaren-Anteil anders organisiert als bei konventioneller Grundlast. Diese Andersartigkeit muss man verstehen, um die echten Risiken von den behaupteten zu unterscheiden.

Dieses Kapitel klärt:

  1. Wie wird Versorgungssicherheit gemessen?
  2. Was sind Dunkelflauten und wie häufig kommen sie wirklich vor?
  3. Was ist Redispatch und was kostet er?
  4. Wie viel „gesicherte Leistung” braucht Deutschland — und woher kommt sie?
  5. Welche internationalen Vergleiche sind aussagekräftig (Frankreich 2022)?

1. Versorgungssicherheit messen — der SAIDI-Index

Die Bundesnetzagentur misst die Versorgungssicherheit primär über den SAIDI-Index (System Average Interruption Duration Index): durchschnittliche ungeplante Ausfalldauer pro angeschlossenem Endverbraucher in Minuten pro Jahr.

SAIDI-Index Deutschland (in Minuten pro Jahr):75

Jahr SAIDI Strom Anmerkung
2006 21,5 Beginn systematische Messung
2010 14,9
2015 12,7
2018 13,9 (Sturmjahr)
2019 12,2
2020 10,7
2021 12,7
2022 12,2 Trotz Gas-Krise
2023 12,8 Erstes Jahr ohne AKW seit 2023-04
2024⁽ᵛᵒʳˡ⁾ ~ 12 Volles Jahr ohne AKW

Drei wichtige Erkenntnisse:

a) Der Trend ist langfristig fallend. Von ca. 22 Minuten 2006 auf 12 Minuten 2024 — die deutsche Stromversorgung ist über alle Jahre der Energiewende hinweg zuverlässiger geworden.

b) Die Atomausstieg-Jahre 2022/2023 haben keinen Versorgungsausfall verursacht. Wer 2022 prognostizierte, dass die Abschaltung der drei letzten AKW im April 2023 die Versorgungssicherheit gefährde, wurde durch die Daten widerlegt. SAIDI 2023 war 12,8 Minuten — auf einem der niedrigsten Werte seit Messbeginn.

c) Internationaler Vergleich: Deutschland liegt an der Spitze. Europäischer Durchschnitt 2023: ca. 50 Minuten SAIDI. Frankreich: ca. 50 Minuten. UK: ca. 38 Minuten. USA: ca. 90 Minuten (mehr Sturm-/Naturkatastrophen-Anfälligkeit).76

Diese Daten sind die robusteste Antwort auf das Lobby-Argument „die Energiewende gefährdet die Versorgungssicherheit”. Die Aussage stimmt empirisch nicht.

SAIDI Deutschland 2006–2023

Abbildung A05-1: SAIDI-Verlauf Deutschland 2006–2023. Trotz Anstieg des EE-Anteils von 12 % (2006) auf 52 % (2023) ist die durchschnittliche Stromausfalldauer kontinuierlich gesunken — von 21,5 Min/Jahr auf 12,8 Min/Jahr. Datengrundlage: BNetzA Versorgungsqualitätsberichte ([Q001]).

SAIDI Ländervergleich 2023

Abbildung A05-2: SAIDI 2023 im internationalen Vergleich. Deutschland (grün hervorgehoben, 12,8 Min/Jahr) hat eines der zuverlässigsten Stromnetze weltweit — trotz höherem EE-Anteil als Frankreich (50 Min) oder USA (95 Min). Datengrundlage: CEER Quality of Supply Reports 2023, BNetzA, EIA.


2. Dunkelflauten — was sie sind und wie oft sie vorkommen

Eine „Dunkelflaute” bezeichnet einen Zeitraum, in dem sowohl Wind- als auch Solar-Erzeugung gleichzeitig sehr niedrig sind — typischerweise in einer Hochdrucklage im Winter mit nebligem, windstillem Wetter. Dann müssen konventionelle Kraftwerke, Speicher, Importe und Demand-Side-Management einspringen.

Definition (Energy-Charts-Konvention): Dunkelflaute = Zeitraum > 48h, in dem die kombinierte Wind+Solar-Erzeugung dauerhaft unter 10 % der installierten Nennleistung liegt.77

Häufigkeit in Deutschland (Auswertung 2017–2024):78

Jahr Anzahl Dunkelflauten > 48h Längste Dauer (h)
2017 4 92
2018 3 73
2019 4 81
2020 5 96
2021 6 112
2022 5 85
2023 4 78
2024⁽ᵇⁱˢ ⁱⁿᶜˡ. ⁿᵒᵛ⁾ 6 124

Die berüchtigte Dunkelflaute vom 6.–13. November 2024 war ein extremer Fall: über 7 Tage mit teilweise unter 5 % Wind/Solar-Beitrag, kalter Inversionswetterlage. Was passierte während dieser Dunkelflaute?79 80

  • Stromproduktion zu 70–80 % aus Gas, Kohle, Biomasse, Wasserkraft und Importen
  • Strompreise stiegen auf bis zu 936 €/MWh (zeitweise höchste Werte seit der Gas-Krise 2022)
  • Kein Versorgungsausfall. Das System hat funktioniert wie geplant — Reservekraftwerke liefen, Importe aus Frankreich und Skandinavien deckten den Rest, Industrie reduzierte freiwillig Last (bezahlt über Regelenergiemarkt).

Was bedeutet das für die Argumentation? Dunkelflauten sind real und müssen geplant werden. Sie sind kein Argument gegen die Energiewende, sondern eines für mehr Speicher, mehr Flexibilität, mehr internationale Vernetzung (siehe A07). Reservekraftwerke werden mittelfristig gebraucht; die Frage ist nur, ob sie auf Gas (heute) oder grünem Wasserstoff (perspektivisch) laufen.


3. Redispatch — die unsichtbaren Kosten des Netz-Engpasses

Redispatch ist eine Maßnahme der Netzbetreiber: Wenn der geplante Lastfluss das Netz überlastet (typisch: viel Windstrom im Norden, Verbrauchszentren im Süden), werden Kraftwerke im Norden gedrosselt und welche im Süden hochgefahren — auf Anweisung der Bundesnetzagentur. Die abgeregelten Erneuerbaren-Erzeuger und die zusätzlich angefahrenen Reservekraftwerke werden für ihren entgangenen Gewinn bzw. Mehraufwand entschädigt.

Redispatch-Kosten Deutschland (Mrd. EUR/Jahr):81 82

Jahr Redispatch-Kosten Hauptursache
2015 0,4 erste Engpässe Nord-Süd
2018 1,4 starker Wind-Norden-Ausbau
2020 1,4
2021 2,3
2022 4,2 Gas-Krise + Engpässe
2023 3,1
2024⁽ᵛᵒʳˡ⁾ ~ 2,9 leichte Entspannung durch Inbetriebnahme Ostküstenleitung

Die Redispatch-Kosten landen in den Netzentgelten und damit beim Stromkunden. Sie sind real der Energiewende zuzurechnen — aber nicht der Erzeugung, sondern dem Netzausbau-Rückstand: Die Erneuerbaren wachsen schneller als das Netz.

Lösungsansätze (siehe A06 Netz): – HGÜ-Trassen Nord-Süd (SuedLink, SuedOstLink, A-Nord) — voraussichtlich Inbetriebnahme 2027–2028, dann signifikante Entlastung erwartet. – Netzbooster, Phasenschieber, Sektor-Kopplung in der Norden-Region (z.B. Elektrolyseure vor Ort). – Regionale Strompreis-Zonen (politisch sehr kontrovers).

Wichtig für die Lobby-Diskussion: Redispatch-Kosten werden manchmal als „Beweis für das Scheitern der Energiewende” zitiert. Sie sind genauer ein Beweis dafür, dass der Netzausbau hinter dem Erzeugungs-Ausbau zurückgeblieben ist — beides ist Politik- gemacht.


4. Gesicherte Leistung — die Auslegungs-Größe

Gesicherte Leistung ist die Strommenge, die jederzeit verlässlich verfügbar ist — auch in Spitzenlast bei Dunkelflaute. Deutschland hat eine Jahres-Spitzenlast von ca. 80 GW (typisch Werktag im Winter zwischen 17:00 und 19:00 Uhr).83 84

Beiträge zur gesicherten Leistung in Deutschland 2024 (geschätzt, GW):85 86

Quelle Beitrag zur gesicherten Leistung Anmerkung
Konventionelle (Kohle, Gas, Biomasse, Müll) ~ 50 flexibel anfahrbar
Pumpspeicher ~ 6 begrenzte Speicherkapazität (~6h)
Batterien (Großspeicher 2024) ~ 2 wächst stark
Wind onshore ~ 1 nur ca. 1 % der installierten Leistung als gesichert
Wind offshore ~ 4 stabilere Beiträge möglich
Solar ~ 0 nicht zur abendlichen Spitzenlast
Importe (vertraglich gesichert) ~ 5 abhängig von Nachbarländern
Demand-Side-Management ~ 3 wachsend
Summe ~ 71 GW

Das ist knapp unter dem Bedarf (80 GW). Die Bundesnetzagentur und die Übertragungsnetzbetreiber haben deshalb ein System aus zusätzlichen Reserven organisiert: Netzreserve, Kapazitätsreserve, Sicherheitsbereitschaft (für Kohlekraftwerke nach 2030). Diese Reserven liefen 2022/2023 mehrfach an, ohne öffentliches Bewusstsein dafür.87

Kapazitätsmarkt-Design ab 2025/2026: Die Bundesregierung arbeitet an einem Marktdesign, das Reservekraftwerke explizit finanziert — entweder als ständige Vorhaltung oder als Auktionsmarkt für gesicherte Leistung. Diese Diskussion ist offen und politisch sensibel, weil sie die Frage berührt, wer für gesicherte Leistung bezahlt (Stromkunden? Allgemeinheit? energieintensive Verbraucher?).


5. Internationaler Vergleich — der Frankreich-Schock 2022

Eine instruktive Episode zur Versorgungssicherheits-Debatte ist das Jahr 2022 in Frankreich. Frankreich, das traditionell als Beispiel für „verlässliche atombasierte Stromversorgung” gilt, erlebte 2022 eine historische Verfügbarkeits-Krise:88

  • Bis zu 32 der 56 französischen AKW waren zeitweise abgeschaltet — wegen Korrosionsproblemen, planmäßiger Wartung und Brennelement-Engpässen.
  • Die französische Atomstromproduktion sank auf etwa 50 % des Normalniveaus.
  • Frankreich war 2022 erstmals seit 1980 Netto-Stromimporteur — Hauptlieferanten: Deutschland (vor Atomausstieg), Spanien, UK.
  • EDF erlitt einen Verlust von ca. 17 Milliarden Euro, der von der französischen Staatskasse aufgefangen werden musste (Verstaatlichung 2023).

Was bedeutet das für die deutsche Debatte? Wer behauptet, ein Land mit hohem Atomanteil sei automatisch versorgungssicherer, ignoriert die Klumpenrisiko-Realität dieser Strategie: Wenn eine technologische Lebenszyklus-Phase kommt (Korrosion bei Reaktoren des gleichen Baudesigns), oder politische Probleme (Brennstoff-Lieferketten), trifft es alle gleichzeitig.

Erneuerbare Energien haben kein Klumpenrisiko in dieser Größenordnung. Eine PV-Anlage in Niedersachsen fällt nicht zur gleichen Zeit aus wie eine in Bayern, weil sie aus demselben Baudesign stammen. Im Gegenteil — sie werden tendenziell durch Wetter- Korrelationen abgemildert (Hochsommer-Wolken sind regional, Wind-Effekte saisonal).

Diese Differenz wird in Modul B01 (Argument „Atomkraft ist verlässlich”) weiter ausgearbeitet.


6. Knackpunkte und Ausblick

  1. Netzausbau-Rückstand (A06) — die HGÜ-Trassen sind im Bau, kommen aber zu spät. Bis 2028 werden die Redispatch-Kosten wahrscheinlich hoch bleiben.
  2. Speicher-Hochlauf (A07) — Batterien wachsen schnell (von 1,3 GW 2022 auf > 8 GW Anfang 2025), aber für saisonale Speicher fehlt eine Strategie.
  3. Kapazitätsmarkt-Design — wird 2025/2026 entschieden. Wer für gesicherte Leistung zahlt, ist eine politisch zentrale Frage.
  4. Gas als Brückentechnologie — bis Wasserstoff-Reservekraftwerke skalieren (frühestens 2030er), bleibt Gas die Lückenfüller-Technologie. Das ist klimapolitisch nicht ideal, aber pragmatisch notwendig.

Zusammenfassung — die fünf Befunde

  1. SAIDI 2023/2024 unter 13 Minuten — Deutschland hat die zuverlässigste Stromversorgung seiner Geschichte, trotz Atomausstieg.
  2. Dunkelflauten sind real und planbar. 4–6 pro Jahr, längste 124h. Reservekraftwerke und Importe haben sie bisher zuverlässig abgefangen.
  3. Redispatch-Kosten sind real der Energiewende zuzurechnen — aber dem Netzausbau- Rückstand, nicht der Erzeugung.
  4. Gesicherte Leistung ist knapp aber organisiert. Reservesystem + Kapazitätsmarkt- Design 2025/2026 sind die nächsten Schritte.
  5. Frankreich 2022 zeigt: Atomstrom ist nicht automatisch sicher. Klumpenrisiken sind bei homogenen Erzeugungsstrukturen real.

Limitations dieses Kapitels

  • SAIDI-Definition: SAIDI misst nur Endkunden-Ausfälle länger als 3 Minuten ohne Berücksichtigung höherer Gewalt. Sturm-Großereignisse können einzelne Jahre ausreißen lassen.
  • Dunkelflauten-Definition ist konventionsabhängig (>48h, <10% Nennleistung). Strengere oder lockerere Definitionen führen zu anderen Häufigkeiten.
  • Gesicherte Leistung Solar = 0 ist eine konservative Auslegung (abendliche Spitzenlast). In Mittagsspitze leistet PV erhebliche Beiträge — die Definition bezieht sich aber auf die kritischste Stunde des Jahres.
  • Gas als Brücke wird in Modul B07 (Argument „Gas als Brückentechnologie”) differenziert. Hier nur die operative Notwendigkeit für die nächsten ~10 Jahre, nicht die langfristige Bewertung.
  • Importe als „gesicherte Leistung” sind kontrovers — Vertraglich gesichert, aber bei europäischen Krisensituationen (Frankreich 2022) physisch nicht garantiert verfügbar.

Quellen


A06 — Stromnetze: Übertragungsnetz, Verteilnetz, Engpässe

Einleitung — warum das Netz heute der Bottleneck ist

Es gibt ein klassisches Missverständnis in der Energiewende-Debatte: „Die Energiewende scheitert, weil zu wenig Wind und Solar gebaut wird.” Tatsächlich ist seit etwa 2020 ein anderes Problem dominant geworden: Es wird viel gebaut — aber das Stromnetz kann den erzeugten Strom nicht überall transportieren oder anschließen.

Das hat zwei Dimensionen:

  1. Übertragungsnetz (Hoch- und Höchstspannung): Norden produziert viel Windstrom, Süden hat hohen Verbrauch (Industrie). Die Trassen, die diesen Transport ermöglichen sollen, sind seit ca. 2013 geplant, sollten 2022/2023 fertig sein — sind aber erst 2027–2028 fertig.
  2. Verteilnetz (Mittel- und Niederspannung): Hier wird der Strom „eingespeist” (PV-Anlagen) und „abgegeben” (Wärmepumpen, Wallboxen). Das deutsche Verteilnetz war für zentralisierte Erzeugung und stetigen Konsum ausgelegt — die dezentrale, bidirektionale Realität von heute überfordert es vielerorts.

Dieses Kapitel zeigt den Stand beider Dimensionen, die Verzögerungen und ihre Ursachen (politisch, technisch, planungsrechtlich), und die Konsequenzen für Netzentgelte und Versorgungssicherheit.


1. Das Übertragungsnetz — die vier großen HGÜ-Trassen

Deutschland braucht für die Nord-Süd-Stromverteilung mehrere neue Hochspannungs- Gleichstrom-Trassen (HGÜ), die Windstrom aus Norddeutschland und Offshore zu den Verbrauchszentren in Süddeutschland bringen. Stand und Zeitplan der vier Hauptprojekte (Stand Q4/2024):89 90

Projekt Strecke Geplante Kapazität Ursprünglich geplant fertig Realistischer Termin
SuedLink Brunsbüttel → Großgartach (BW) / Bergrheinfeld (BY) 4 GW 2022 2028
SuedOstLink Wolmirstedt (ST) → Isar (BY) 2 GW 2025 2027
A-Nord Emden → Meerbusch-Osterath (NRW) 2 GW 2025 2028
Ultranet Osterath → Philippsburg (BW) 2 GW 2024 2027

Verzögerungs-Ursachen (Mehrfach-Ursachen, kumulativ):

  1. Trassenführungs-Streit 2014–2016. Ursprünglich wurden Oberleitungs-Trassen geplant. Nach Protesten in Bayern (CSU-Druck) und anderen Bundesländern wurde 2016 gesetzlich festgelegt: Erdkabel-Vorrang. Das hat die Bauzeit um etwa 3 Jahre verlängert und die Kosten verdreifacht.91
  2. Planungsrechtliche Verfahren. Jede Trasse durchläuft Bundesfachplanung, Planfeststellung, mehrfache öffentliche Beteiligung, Klagewege. Zwischen Erstplanung und Baubeginn vergehen typisch 8–12 Jahre.
  3. Lieferketten und Personal. Spezialkabel, HGÜ-Konverter-Stationen, qualifiziertes Personal — der weltweite Markt für HGÜ-Komponenten ist begrenzt (vier Hersteller global), Lieferzeiten 4–6 Jahre.
  4. Beschleunigungsgesetz 2023 — hat administrative Verfahren verkürzt, kann aber physische Bauzeiten nicht ersetzen. Wirkung erst für nach 2025 geplante Trassen.

Was bedeutet das in Zahlen? Die fehlenden Trassen kosten heute über Redispatch (siehe A05 Abschnitt 3) etwa 3 Mrd. EUR pro Jahr. Wenn die Trassen 2028 in Betrieb gehen, wird dieser Posten signifikant sinken — aber das ist über fünf Jahre kumuliert ein zweistelliger Milliardenbetrag an Mehrkosten, der nicht entstanden wäre bei zeitgerechtem Bau.92


2. Das Verteilnetz — der unsichtbare Engpass

Während die HGÜ-Trassen mediale Aufmerksamkeit bekommen, ist das Verteilnetz das quantitativ größere Problem. Hier passieren drei Dinge gleichzeitig:

  1. PV-Anschlüsse (vor allem Aufdach 5–30 kWp, Freifläche bis 750 kWp) müssen ans Netz.
  2. Wärmepumpen ziehen plötzlich erheblich Strom (3–8 kW Anschlussleistung pro Anlage, Spitzen bei Kälte).
  3. Wallboxen für E-Autos (4–22 kW pro Ladestation) verteilen sich über das Stadtgebiet.

Das deutsche Verteilnetz war auf das Gegenteil ausgelegt: zentralisierte Einspeisung über Umspannwerke, gleichmäßige Last bei den Haushalten. Heute fließt der Strom oft umgekehrt (vom Dach zurück ins Netz), und die Lastspitzen liegen woanders.

Anschluss-Wartezeiten für PV-Großanlagen (> 100 kWp) bei verschiedenen Verteilnetzbetreibern, Stand 2024 (Beispiele):93

Verteilnetzbetreiber Typische Wartezeit Netzanschluss > 100 kWp
Schleswig-Holstein Netz 18–24 Monate
Westnetz (NRW) 12–18 Monate
Bayernwerk Netz 12–18 Monate
Mitnetz Strom (Sachsen-Anhalt) 24+ Monate
EWE Netz (Niedersachsen) 18–24 Monate

Diese Wartezeiten sind nicht durch Trägheit der Netzbetreiber verursacht. Sie sind Konsequenz von:

  • Substations-Trafos sind global knapp (Lieferzeit 18–30 Monate für mittlere Spannungsebene).
  • Personal für Planung und Bau fehlt; viele Verteilnetzbetreiber haben in den 2010er Jahren Stellen abgebaut, jetzt fehlt qualifiziertes Personal.
  • Verfahrens-Engpässe bei Genehmigungen für neue Umspannwerke.

Politische Reaktion 2023/2024: Mehrere Bundesländer haben Beschleunigungs-Verordnungen erlassen (vereinfachte Genehmigung für Umspannwerke, Pflicht-Antwortzeit der Netzbetreiber auf Anschlussbegehren). Wirkung wird erst 2025/2026 messbar sein.


3. Netzentwicklungsplan (NEP) — was bis 2045 geplant ist

Die Bundesnetzagentur veröffentlicht alle zwei Jahre den Netzentwicklungsplan, der den benötigten Ausbau des Übertragungsnetzes für die nächsten 20 Jahre festlegt. Der aktuelle NEP 2037/2045 (bestätigt 03/2024) sieht vor:94

  • Übertragungsnetz Ausbau-Bedarf 2024–2045: ca. 14.000 km neue Trassen (zusätzlich zu Bestand ~ 36.000 km)
  • Investitionsbedarf insgesamt: ca. 320 Mrd. EUR (Übertragungs- + Verteilnetz)
  • Davon Übertragungsnetz: ca. 130 Mrd. EUR
  • Davon Verteilnetz: ca. 190 Mrd. EUR

Das sind erhebliche Zahlen. Sie werden über die Netzentgelte refinanziert — und damit über den Strompreis. Dieser Punkt wird in der Industriestrompreis-Debatte (A09) wichtig: Wenn man Industriestrompreis senken will, muss man entscheiden, wer den Netzausbau bezahlt.

Internationaler Vergleich: Pro Kopf liegen die geplanten deutschen Netzinvestitionen 2024–2030 bei etwa 1.500 EUR. Das ist niedriger als in Dänemark (~ 2.100 EUR), Niederlanden (~ 1.900 EUR) und UK (~ 1.700 EUR) — aber höher als in Frankreich (~ 900 EUR, das Netz dort ist historisch zentralistischer ausgelegt und braucht weniger dezentrale Anpassung).95


4. Netzentgelte — die Refinanzierung des Ausbaus

Die Netzentgelte sind die zweitgrößte Komponente des Haushalts-Strompreises (~ 9,3 ct/kWh,
25 % des Endpreises, siehe A04 Abschnitt 4). Sie sind regional unterschiedlich, weil sie die Netzausbau-Kosten regional umlegen.

Spreizung der Netzentgelte 2024 (Beispiele, Haushaltskunden 3.500 kWh/Jahr):96

Region Netzentgelt-Anteil ct/kWh
Bayernwerk Netz (Bayern) ~ 8,5
Westnetz (NRW) ~ 9,2
Schleswig-Holstein Netz ~ 11,8
Mitnetz Strom (Sachsen-Anhalt) ~ 12,5
TenneT TSO (Übertragung) identisch deutschlandweit

Das Nord-Süd-Gefälle ist offensichtlich: Regionen mit hohem EE-Anschlussvolumen (Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt) zahlen mehr — weil dort gebaut werden muss. Das ist politisch zunehmend kontrovers: Norddeutsche zahlen für den Netzausbau, von dem der süddeutsche Verbraucher profitiert.

Reform-Diskussion 2024/2025: Die Bundesnetzagentur prüft eine stärkere Bundes- Sozialisierung der Übertragungsnetz-Kosten (alle Stromkunden zahlen gleich), während die Verteilnetz-Kosten regional bleiben. Diese Reform würde die Spreizung halbieren, aber Süddeutschland teurer machen. Beschluss erwartet 2025.


5. Internationale Verbindungen — die europäische Komponente

Deutschland ist über mehr als ein Dutzend Stromverbindungen ins europäische Netz integriert (ENTSO-E-Synchron). Diese Verbindungen sind in den letzten Jahren erheblich verstärkt worden:97

  • NordLink (Norwegen, 1,4 GW, in Betrieb seit 2021) — Verbindung zur norwegischen Wasserkraft als „Batterie”.
  • ALEGrO (Belgien, 1 GW, seit 2020).
  • Hansa PowerBridge (Schweden, 0,7 GW, geplant 2028).
  • NeuConnect (UK, 1,4 GW, in Bau, geplant 2028).
  • Mehrere kleinere Verbindungen zu Polen, Dänemark, Niederlanden, Tschechien.

Diese Verbindungen sind doppelt wichtig:

  1. Importe in Dunkelflauten: Norwegen-Wasser, Frankreich-Atom (wenn verfügbar), Skandinavien-Wind.
  2. Exporte bei EE-Überschüssen: Mittagsspitze Solar wird häufig nach Süden (Schweiz, Österreich) exportiert.

Die EU-Ziele sehen für 2030 mindestens 15 % grenzüberschreitende Übertragungskapazität relativ zur installierten nationalen Erzeugungskapazität vor. Deutschland liegt aktuell bei ca. 10 % — Ausbau-Bedarf.98


6. Smart Grid und Digitalisierung — der digitale Hebel

Neben der „Kupfer-Lösung” (mehr Kabel, mehr Trassen) gibt es einen digitalen Lösungspfad: Smart Grid, intelligente Zähler, dynamische Tarife, dezentrale Regelenergie.

Stand in Deutschland 2024:99

  • Intelligente Messsysteme (“Smart Meter”) bei < 5 % der deutschen Haushalte (Pflicht ab 6.000 kWh/Jahr Verbrauch und bei PV-Eigenversorgern, läuft schleppend).
  • Dynamische Tarife (Strompreis stündlich variabel) sind seit 01/2025 für alle Energieversorger Pflicht — aber Akzeptanz und Nachfrage gering.
  • Sektor-Kopplung intelligent (Wärmepumpe steuert sich nach Strompreis, Wallbox lädt bei niedrigem Preis) ist technisch verfügbar, aber Marktdurchdringung gering.

Internationaler Vergleich: Italien und Schweden haben Smart-Meter-Quoten von 90 %+. Niederlande, Spanien, Frankreich bei 80 %+. Deutschland ist hier deutlich Schlusslicht in Europa. Die Gründe sind teilweise datenschutzrechtlich (sehr strenge Anforderungen in DE), teilweise organisatorisch (kommerzielle Smart-Meter-Gateways nur von wenigen Anbietern zertifiziert).

Dies ist eine systemische Schwäche, die in den nächsten Jahren aufgeholt werden muss. Smart Grids sind quantitativ ein wichtiger Hebel: Wenn 50 % der Wärmepumpen und Wallboxen nach Strompreis steuern, würde die Netzlast-Spitze um geschätzt 15–25 % geglättet, was Netzausbau-Bedarf in genau der Größenordnung reduziert.100


7. Knackpunkte und Ausblick

  1. HGÜ-Trassen 2027–2028 — werden den Redispatch-Druck deutlich entspannen, aber bis dahin teurer Übergang.
  2. Verteilnetz-Engpass — der quantitativ größere Bottleneck. Wartezeiten für PV/WP- Anschluss müssen runter, sonst bremst es den gesamten Ausbau.
  3. Netzentgelte-Reform 2025 — politisch heikel, aber notwendig für faire regionale Verteilung.
  4. Smart-Meter-Rückstand — Deutschland muss bei Digitalisierung aufholen, sonst bleibt der Hebel ungenutzt.

Zusammenfassung — die fünf Befunde

  1. Das Netz ist heute der Engpass der Energiewende, nicht die Erzeugung. Der Ausbau ist um Jahre hinter dem Erzeugungsausbau zurück.
  2. HGÜ-Trassen werden 2027–2028 fertig — 5–6 Jahre Verzug verursacht ~ 3 Mrd. EUR Redispatch-Kosten pro Jahr.
  3. Verteilnetz-Engpässe sind teilweise hausgemacht (Personal-Abbau, Trafo- Lieferzeiten, Genehmigungsverfahren).
  4. Netzentgelte werden steigen, der NEP sieht 320 Mrd. EUR Investitionen bis 2045. Wer das bezahlt, ist politisch zentral.
  5. Smart-Meter-Rückstand ist ein digitaler Hebel, den Deutschland systemisch verfehlt — Smart Grids könnten 15–25 % Netzausbau-Bedarf einsparen.

Limitations dieses Kapitels

  • Termine HGÜ-Trassen sind Stand Q4/2024. Weitere Verzögerungen sind möglich (Klagen, Baustopps), Vorziehen unwahrscheinlich.
  • Anschluss-Wartezeiten Verteilnetz schwanken stark; Tabelle in Abschnitt 2 sind Erfahrungswerte aus Branchen-Berichten, keine offizielle Statistik.
  • Netzentgelte-Tabelle Abschnitt 4: Werte gerundet, ändern sich jährlich; exakte Werte über BNetzA-Datenbank.
  • Smart-Meter-Quote kann je nach Definition (alle Haushalte vs. eingeführte mME) unterschiedlich sein. Die 5 %-Aussage bezieht sich auf eingeführte Smart-Meter- Gateways nach BSI-Zertifizierung.
  • Investitionsbedarf 320 Mrd. EUR ist die zentrale BNetzA-Schätzung — Bandbreite in anderen Studien (BDEW, Agora) zwischen 250 und 400 Mrd. EUR. Definitionsabhängig.

Quellen


A07 — Speicher und Flexibilität: Batterien, Pumpspeicher, Wasserstoff

Einleitung — warum Speicher das nächste große Thema sind

In den 2010er Jahren war die Frage „Können Wind und Solar relevante Stromanteile liefern?” Sie ist beantwortet: ja, etwa 60 % im Mix 2024 (siehe A02). In den 2020er Jahren ist die zentrale Frage eine andere: Wie überbrücken wir die Stunden, Tage und Wochen, in denen weniger Wind und Sonne verfügbar sind, als gerade verbraucht wird?

Die Antwort heißt: Speicher und Flexibilität. „Speicher” ist dabei nicht eine einzelne Technologie, sondern ein Portfolio:

  1. Kurzfristige Speicher (Sekunden bis Stunden): Batterien — sowohl Großspeicher als auch die Heimspeicher in PV-Haushalten, perspektivisch die BEV-Flotte als “rolling battery”.
  2. Mittelfristige Speicher (Stunden bis Tage): Pumpspeicherwerke, Druckluftspeicher.
  3. Langfristige / saisonale Speicher (Wochen bis Monate): Wasserstoff, eFuels, chemische Speicher.

Plus die System-Flexibilität: Demand-Side-Management (Industrie reduziert/verschiebt Last bei knappem Strom), flexible Verbraucher (Wärmepumpen, Wallboxen, die nach Preis steuern), Lastverschiebung über Grenzen (Import/Export).

Dieses Kapitel zeigt den Stand jeder dieser Speicher-Ebenen, ordnet die realistische Skalierung ein und benennt die kritischen Punkte.


1. Batteriespeicher — die schnelle Welle

Batteriespeicher haben in Deutschland seit etwa 2022 einen erheblichen Wachstumsschub erlebt. Drei Treiber: gesunkene Lithium-Ionen-Preise (LFP-Technologie ~ 100 USD/kWh Modul-Preis 2024), Volatilität am Strommarkt (Differenz Spitze/Tief bietet Geschäftsmodell), EU-Förderprogramme.101

Installierte Batteriespeicher-Leistung Deutschland (in MW):102 103

Jahr Großspeicher (> 1 MW) Heimspeicher (< 30 kWh) Gewerbespeicher Summe
2018 60 350 50 ~ 460
2020 200 950 150 ~ 1.300
2022 1.000 2.500 600 ~ 4.100
2024⁽ᵐⁱᵗᵗᵉ⁾ 4.500 6.500 1.500 ~ 12.500
2025⁽ᵖʳᵒʲ⁾ 8.000+ 8.000+ 2.500+ > 18.000

Die Wachstumsraten sind bemerkenswert: Verzehnfachung in fünf Jahren. Vor allem Heimspeicher (gekoppelt mit PV-Aufdach-Anlagen) und Großspeicher als Energie-Markt-Akteure wachsen schnell.

Batterie-Großspeicher Deutschland 2018–2025

Abbildung A07-1: Batterie-Speicher in Deutschland (Energy-Charts public_power), 2018–2025. Installierte Leistung (blau, linke Achse): 0 → 16,8 GW; Speicher- Kapazität (lila, rechte Achse): 0 → 25,3 GWh. Verdreifachung in nur zwei Jahren 2023→2025. Datengrundlage: Fraunhofer ISE Energy-Charts API ([Q002]).

Geschäftsmodelle Batterie-Großspeicher in Deutschland 2024: – Regelenergiemarkt (Primärregelleistung, Sekundärregelleistung) — schnelle, kurze Einsätze, hochbezahlt. – Day-Ahead/Intraday-Arbitrage — günstig laden bei Solar-Mittag, teuer verkaufen abends. – PV-Eigenverbrauchsoptimierung (Heimspeicher). – Netz-Engpass-Management — als Alternative zu Netzausbau.

Realistische Kapazitäts-Skalierung bis 2030:104 105 – Schätzungen 60–110 GW installierte Batterie-Leistung – Speicherdauer typisch 2–4 Stunden (Lithium-Ionen optimiert für tägliche Zyklen) – Wichtig: Batterien lösen das Tages-Problem (Mittag laden, Abend abgeben), nicht das Tage- oder Wochen-Problem (Dunkelflaute, saisonal).


2. Pumpspeicher — die bewährte Lösung mit Grenzen

Pumpspeicherwerke sind die einzige wirklich großtechnisch erprobte Energiespeicher- Technologie der Welt. In Deutschland gibt es ca. 30 Pumpspeicher mit zusammen 9,8 GW Leistung und ca. 40 GWh Energie-Speicherkapazität (entspricht etwa 4–6 Stunden Volllast-Speicherung).106 107

Bestand: Die größten Anlagen — Goldisthal (1.060 MW), Markersbach (1.045 MW), Bleiloch, Wendefurth — wurden 1965–2003 gebaut. Seit 2003 wurde kein neues Pumpspeicherwerk in Deutschland fertiggestellt.

Warum kein Ausbau? Trotz technischer Reife und niedriger Betriebskosten:

  1. Topographische Voraussetzungen sind in Deutschland begrenzt. Mittelgebirgsregionen (Schwarzwald, Sauerland, Harz) bieten Restpotenzial, aber kein „Skalierungssprung”.
  2. Genehmigungs-Realität: Pumpspeicherwerke greifen massiv in Landschaft und Wasserwirtschaft ein. Atdorf, Riedl, Blautal — alle nach jahrelanger Planung gestoppt.
  3. Wirtschaftlichkeit ist tückisch: Bauinvestitionen 1.000–1.500 EUR/kW, Refinanzierung über Strompreis-Differenz Tag/Nacht. Die früheren Differenzen (Atomstrom nachts billig, Mittagstief teuer) sind heute umgekehrt (Solar-Mittag billig, Abendspitze teuer) — ändert das Lade-Profil, aber nicht zwingend die Wirtschaftlichkeit. Investoren sind trotzdem vorsichtig.

Internationale Beispiele: Schweiz baut Nant-de-Drance (900 MW, 2022 in Betrieb), Norwegen hat über 30 GW Pumpspeicher-Kapazität, Österreich erweitert Kaprun. Diese Länder haben strukturelle Vorteile (Berge, Wasserreichtum) — und nutzen sie auch für deutsche Bilanzen über die Stromhandels-Anbindung.

Realistische Erwartung Deutschland bis 2035: moderate Erweiterung bestehender Anlagen, 2–3 Neubauten möglich. Nicht der große Hebel.108


3. Wasserstoff — die saisonale Speicher-Hoffnung

Wasserstoff (H₂) ist das einzige Speichermedium, das theoretisch saisonale Speicherung ermöglicht: Sommer-Überschuss-Strom aus Solar wird per Elektrolyse in H₂ umgewandelt, in Kavernen gespeichert, im Winter rückverstromt oder direkt in der Industrie verwendet.

Das ist die Idee. Die Wirklichkeit ist deutlich näher an Phase 1 als an Phase 3:109 110

Stand 2024 — installierte Elektrolyseur-Kapazität in Deutschland:0,07 GW (70 MW) Elektrolyse-Kapazität in Betrieb (Stand 2024) – 3 GW Ausbau-Ziel bis 2030 (Nationale Wasserstoffstrategie 2023) – 10 GW Ziel bis 2035

Realität des Ausbau-Tempos: Im Jahr 2024 wurden in Deutschland etwa 0,5 GW Elektrolyse-Kapazität in „Bau-Phase” gebracht — also: bestellt, Standort fixiert, Bau begonnen. Inbetriebnahme der größeren Anlagen typisch 2027–2029. Der 3-GW-Pfad bis 2030 ist erreichbar, aber nicht überholt.111

Die Wirtschaftlichkeitslücke: Heute kostet ein Kilogramm grüner Wasserstoff in Deutschland produziert etwa 6–8 EUR/kg (das entspricht ~ 18–24 ct/kWh Energie). Importe aus Sonnenländern (Marokko, Saudi-Arabien, Chile, Australien) werden auf 3–5 EUR/kg geschätzt — aber abhängig von Transport-Kosten (Schiff, Pipeline, Ammoniak-Verpackung). Der wirtschaftliche Einsatz von H₂ erfordert noch entweder massiv sinkende Erzeugungskosten oder hohe CO₂-Preise oder politische Förderung. Vermutlich eine Kombination aus allen drei.112

Wo H₂ sinnvoll ist (Konsens):Stahlindustrie (Direktreduktion, ersetzt Hochofen-Koks) – Chemieindustrie (Ammoniak-Synthese, Wasserstoff als Rohstoff) – Schwertransport (LKW Langstrecke, Bahn-Fernverkehr ohne Oberleitung) – Reserve-/Backup-Kraftwerke (saisonale Stromspeicherung) – Schifffahrt + Luftfahrt (eFuels, Sustainable Aviation Fuels)

Wo H₂ ineffizient ist (auch Konsens):PKW (Direkt-BEV ist 3–4× energieeffizienter) – Raumwärme im Privatbereich (Wärmepumpe ist 5–6× energieeffizienter)

Die Frage „wo H₂ — wo Elektrifizierung” ist die zentrale Strategie-Frage und wird in Modul B09 (Argument „Wasserstoff macht alles möglich”) vertieft.


4. Sektorkopplung als Speicher — die unsichtbare Welle

Eine oft übersehene Speicher-Ebene ist die Sektor-Verkopplung: Wenn Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge, Wasserstoff-Elektrolyse alle nach Strompreis steuern, wird das gesamte System flexibler. Beispiele:113

Elektrofahrzeuge als „rolling battery”: – Stand 2024: ~ 1,5 Mio. reine BEV in Deutschland, jeweils typisch 60 kWh Batterie = 90 GWh Speicher-Volumen rollend. – Bei flächendeckendem bidirektionalem Laden (V2G / V2H) würden BEVs zu Heim- und Netz-Speichern. – Technische Standards (ISO 15118-20) sind seit 2022 fertig, Hardware-Hochlauf langsam. – 2025–2030 wird hier eine erhebliche Welle erwartet.

Wärmepumpen mit Wärmespeicher: – Eine Wärmepumpe mit Pufferspeicher (gepuffertes Heizungswasser) verschiebt Heizungsstrom-Bedarf um 4–6 Stunden. – Bei 1 Mio. solcher Wärmepumpen → 4–6 GW flexible Last. – Beachtlich: Die Wärmepumpen-Hochlauf-Welle 2022/2023 hat ca. 350.000 Wärmepumpen zusätzlich gebracht; Bestand 2024 ca. 1,7 Mio. Wärmepumpen, davon ein Teil mit flexibler Steuerung.114

Industrie-Lastverschiebung: – Energieintensive Verfahren (Aluminium-Elektrolyse, Chlor-Alkali-Elektrolyse, einige Stahlöfen) können kurzzeitig drosseln oder ausschalten. – Wird vermarktet über Regelenergiemarkt + Spezial-Verträge mit Netzbetreibern. – Volumen 2024: ca. 2–3 GW abrufbare Industrieflexibilität.

Summe-Schätzung Sektor-Flexibilität 2030: Bei realistischer Annahme (50 % BEV-Flotte flexibel ladend, 60 % der Wärmepumpen smart gesteuert, Industrie auf Stand 2024 + Wachstum) liegt das flexible Lastpotenzial bei ~ 20–30 GW — größer als jeder konventionelle Speicherbeitrag.115 Diese Zahl wird in der öffentlichen Debatte chronisch unterschätzt.


5. Internationale Vergleiche — was funktioniert anderswo

Andere Länder zeigen, was möglich ist:116

  • Kalifornien, USA: > 13 GW Batteriespeicher Ende 2024 (in 5 Jahren von 1 GW auf 13 GW). Hat 2024 zum ersten Mal Erdgas-Spitzenkraftwerke verdrängt während der abendlichen Spitzenlast.
  • Australien (South Australia): > 35 % Strom aus Solar+Wind, mehrere Großspeicher, funktioniert mit nur 1,7 Mio. Einwohnern. Hornsdale Power Reserve (Tesla, 150 MW/194 MWh) als Showcase.
  • UK: Pumpspeicher Bestand niedrig (1 GW), aber Wachstum bei Batterien dynamisch (~ 5 GW Ende 2024).
  • Texas, USA: trotz fehlender föderaler Politik weltweit größter Wind-Boom + schnellstes Batteriewachstum.

Was diese Beispiele zeigen: Batteriewachstum geht deutlich schneller als politisch antizipiert, sobald das Geschäftsmodell stimmt. Deutschland ist in 2024 in einer Beschleunigungs-Phase — die nächsten zwei Jahre werden zeigen, wie schnell die Skalierung kommt.


6. Knackpunkte und Ausblick

  1. Batterie-Großspeicher-Boom 2025–2027 — wird wahrscheinlich schneller skalieren als die meisten BMWK-Szenarien annehmen. Sollte aktiv flankiert werden (Netzanschluss- Kapazitäten, Förderung).
  2. H₂-Kavernen + Pipelines — ohne diese Infrastruktur kein saisonaler Speicher. Hochlauf-Initiative bis 2030 ist tight.
  3. V2G — wird in der Öffentlichkeit unterschätzt, technisch bereit. Politische Rahmensetzung 2025 entscheidend.
  4. Smart-Steuerung (siehe A06 Abschnitt 6) — ohne digitale Steuerung kein flexibles Speichersystem. Hier hängt Deutschland nach.

Zusammenfassung — die fünf Befunde

  1. Batteriespeicher boomen. Verzehnfachung 2019–2024, weitere Verdoppelung bis 2026 wahrscheinlich. Lösen das Tagesproblem.
  2. Pumpspeicher bleibt Bestand-Lösung. Kein wesentlicher Neubau in Deutschland möglich, internationale Anbindung (Norwegen) wichtiger.
  3. Wasserstoff ist die saisonale Hoffnung, noch nicht die Realität. 70 MW heute, 3 GW Ziel 2030 — anspruchsvoll aber erreichbar.
  4. Sektor-Kopplung ist der größte unterschätzte Flexibilitätshebel. BEV V2G, Wärmepumpen, Industrie zusammen: 20–30 GW flexible Last bis 2030.
  5. Internationale Beispiele zeigen: Batteriewachstum geht schneller als geplant. Kalifornien, Australien, Texas. Deutschland zieht nach, sollte aktiv flankieren.

Limitations dieses Kapitels

  • Batterie-Statistik ist branchenbasiert, BMWK-Zahlen weichen leicht ab. Sehr schnelle Veränderungen, Daten teilweise binnen Monaten überholt.
  • H₂-Kosten sind extrem volatil und annahmen-getrieben (Stromkosten der Elektrolyse, Skalen-Effekte, Transport). Bandbreite in Schätzungen erheblich.
  • V2G-Potenzial Abschnitt 4: Schätzwerte basieren auf 100 % der BEV-Flotte mit bidirektionalem Laden, das ist optimistisch. Realistische Werte 30–50 % bis 2030.
  • Internationaler Vergleich ist selektiv (positive Beispiele). Modul D wird vollständiger vergleichen, auch mit Ländern wo der Speicher-Hochlauf langsam ist.
  • Wirtschaftlichkeit Batterie-Großspeicher kann sich mit Marktdesign ändern. Aktuell gutes Geschäftsmodell, abhängig von Strompreis-Volatilität.

Quellen


A08 — Sektorkopplung: Wärme, Verkehr, Industrie auf Strom-Basis

Einleitung — die zweite Hälfte der Energiewende

Wenn der Stromsektor (siehe A02) bereits zu ~ 60 % erneuerbar ist, der Endenergieverbrauch gesamt aber nur zu ~ 22 % erneuerbar, dann liegt der eigentliche Hebel der Energiewende nicht mehr beim Strom — sondern in den anderen 80 % des Energieverbrauchs: Wärme, Verkehr, Industrie.117

Die zentrale Strategie heißt Sektorkopplung: Anwendungen, die heute fossil betrieben werden (Heizöl, Erdgas, Benzin, Diesel, Kohle in der Industrie), werden auf Strom umgestellt — direkt oder indirekt über Wasserstoff. Damit wandert der Energieverbrauch in den Stromsektor, der dann gleichzeitig wachsen und dekarbonisieren muss. Das ist die zentrale ökonomisch-technische Aufgabe der 2020er und 2030er Jahre.

Dieses Kapitel zeigt den Stand in den drei Sektoren Wärme, Verkehr, Industrie, ordnet die Skalierungs-Geschwindigkeit ein und benennt die kritischen Engpässe.


1. Wärme — die Hälfte des Energieverbrauchs

Der Wärmesektor (Raumwärme + Prozesswärme niedrige/mittlere Temperatur + Warmwasser) macht etwa 50 % des deutschen Endenergieverbrauchs aus. Davon entfallen ca. 75 % auf fossile Energieträger (Erdgas, Heizöl), nur ca. 17 % auf Erneuerbare (Holz, Solarthermie, Wärmepumpen mit erneuerbarem Strom).118 119

1.1 Wärmepumpen-Hochlauf — eine Welle in Wellen

Die zentrale Technologie zur Wärme-Dekarbonisierung ist die Wärmepumpe (Luft-Wasser-, Sole-Wasser-, Grundwasser-Wärmepumpe). Sie nutzt Umweltwärme und hebt sie mit Strom auf Heizniveau — typischer Wirkungsgrad (Jahresarbeitszahl JAZ) bei modernen Anlagen 3,0–4,5, d.h. eine kWh Strom liefert 3–4,5 kWh Wärme.

Wärmepumpen-Absatz Deutschland (Stückzahlen/Jahr):120 121

Jahr Absatz (Tsd. Stück) Anmerkung
2018 84 Beginn dynamisches Wachstum
2020 120
2021 154
2022 236 Beginn Wärmewende-Welle
2023 356 Rekordjahr — Heizungsgesetz-Effekt vorgezogen
2024 ~ 190 Einbruch durch Heizungsgesetz-Debatte + Förderkürzung
2025 ~ 300 Erholung um +58 % — Marktanteil 50 % an Heizungs-Verkäufen

Update 2025 — der Markt erholt sich: Nach dem politik-induzierten Einbruch 2024 ist der Wärmepumpen-Absatz 2025 wieder kräftig gestiegen: etwa 300.000 verkaufte Geräte (BWP-Statistik via Agora 2025).122 Damit erreichen Wärmepumpen erstmals einen Marktanteil von ~50 % an den deutschen Heizungs-Verkäufen — und überholen Gaskessel-Verkäufe (~290.000 Geräte, −30 % ggü. 2024) erstmals in Deutschland. Ölkessel-Verkäufe brachen auf <25.000 Geräte ein (−75 % ggü. 2024).

Der Einbruch 2024 ist eines der lehrreichsten Beispiele für politik-induzierte Vertrauenskrise: Nach der politisch destruktiven Heizungsgesetz-Debatte 2023, der Förderkürzung Jan 2024 und der allgemeinen Verunsicherung kauften Haushalte und Bauträger deutlich weniger Wärmepumpen — und teilweise wieder mehr Gasheizungen, obwohl die Trendwirkung des CO₂-Preises in den nächsten 10 Jahren das Gegenteil rationaler Wirtschaftlichkeits-Rechnung ergibt. Die Erholung 2025 zeigt, dass die strukturelle Marktlogik intakt ist — sobald die politische Verunsicherung nachlässt, kehrt der Markt zurück.

Politik-Ziel: 6 Mio. Wärmepumpen bis 2030, 500.000 Neuanlagen pro Jahr. Aktueller Bestand Anfang 2025: ~ 1,7 Mio. Wärmepumpen (BWP).123 Bei Abriss-Rate ~ 50.000/Jahr und Absatz 2025 von 300k → Netto-Zuwachs ca. 250k/Jahr. Bis 2030 wären damit ca. 3,2 Mio. erreichbar — deutlich unter dem 6-Mio.-Ziel. Der Hochlauf muss noch weiter beschleunigt werden, idealerweise auf 500.000/Jahr.124

Wärmepumpen-Markt Deutschland 2018–2025

Abbildung A08-1: Wärmepumpen-Absatz Deutschland 2018–2025. Rekordjahr 2023 (356k, grün) → politik-induzierter Einbruch 2024 (190k, rot, −47 %) → Erholung 2025 (300k, grün, +58 %). Erstmals 2025 mehr Wärmepumpen als Gaskessel verkauft. Datengrundlage: BWP via Agora ‘Stand der Dinge 2025’ ([Q008]).

1.2 Gebäudeenergie-Gesetz (GEG) — der gesetzliche Rahmen

Das Gebäudeenergie-Gesetz (GEG), in der Fassung von 2024 (vom „Heizungsgesetz” 2023 abgeleitet), regelt seit Januar 2024:

  • Neubauten: Heizung muss zu 65 % mit erneuerbarer Energie betrieben werden (in der Praxis: Wärmepumpe, Pellet/Holz, Solarthermie + Backup).
  • Bestand: Schrittweiser Übergang bis 2045 (Verpflichtung beim Defekt der alten Anlage, abhängig von kommunaler Wärmeplanung).
  • Kommunale Wärmeplanung: Bis 2026 (Großstädte) bzw. 2028 (kleinere Kommunen) Pflicht. Davon abhängig: Klarheit über Fernwärme- vs. Wärmepumpen-Strategie pro Gebiet.

Wichtige Differenzierung gegen Medien-Verkürzungen: – Verboten ist die fossile Heizung im Neubau (ab 2024 ohne 65-%-EE-Anteil) und im Bestand erst nach 2028 in nachweislich Fernwärme-Gebieten. – Nicht verboten sind bestehende Gas- oder Ölheizungen — sie können weiterbetrieben und repariert werden, müssen aber bei größeren Erneuerungen die Regel beachten. – Pflicht zu „Klimagas”: Falls Bestands-Gasheizungen über 2028 hinaus betrieben werden, müssen sie ab 2029 stufenweise einen Bio-Methan- oder H₂-Anteil verwenden (ggf. kompliziert in der Praxis).

Diese Differenzierung wurde 2023 in der öffentlichen Debatte selten korrekt vermittelt. Folge: Verunsicherung, Vertrauensverlust, Marktverwerfungen (siehe Wärmepumpen-Einbruch 2024).

1.3 Fernwärme — die unterschätzte Säule

Etwa 14 % der deutschen Wohnungen werden über Fernwärme beheizt — bisher zu großen Teilen fossil-gefeuert (Erdgas, Kohle-KWK).125 Die kommunalen Wärmeplanungen sollen festlegen, in welchen Stadtgebieten Fernwärme die Lösung ist (Verdichtungs-Gebiete, Industrie-Abwärme verfügbar) und in welchen Wärmepumpen primär (Einfamilienhaus-Bereiche).

Dekarbonisierung der Fernwärme: Möglich über: – Geothermie (München, Schwerin, Aachen — Vorzeigeprojekte) – Industrielle Abwärme (Großchemie, Stahl) – Großwärmepumpen (Fluss-/See-Wärme als Quelle) – Solarthermie im großen Maßstab (Dänemark-Modell) – Wasserstoff/Bio-Methan (langfristig, teurer)

Stand 2024: Großwärmepumpen-Projekte und Geothermie-Projekte sind im Hochlauf, viele Stadtwerke haben Transformations-Pläne — aber die Skalierung ist gering im Vergleich zum Sanierungsbedarf des Bestands.


2. Verkehr — der Problemsektor

Der Verkehrssektor ist der schwierigste Sektor der Energiewende. Etwa 30 % des Endenergieverbrauchs, ~ 95 % davon fossil (Benzin, Diesel, Kerosin, Schweröl).126 Trotz aller Bemühungen sind die Verkehrsemissionen seit 1990 nur um ~ 11 % gefallen (siehe A03 Abschnitt 2).

2.1 Elektromobilität — schneller Hochlauf, hinter Plan

Bestand BEV (rein-elektrische Pkw) in Deutschland:127

Jahr BEV-Bestand (Tsd.) Anteil an Pkw-Bestand BEV-Neuzulassungs-Anteil
2020 309 0,7 % 6,7 %
2022 1.013 2,1 % 17,7 %
2023 1.408 2,9 % 18,4 %
2024 ~ 1.550 ~ 3,2 % 13,5 % (Förder-Stopp)
2025 ~ 2.050 ~ 4,2 % 19,1 % (Rekord)

Plus etwa 900.000 Plug-in-Hybride (PHEV, die meist als zweiter Verbrenner genutzt werden und im realen Fahrbetrieb wenig elektrisch fahren).

Update 2025 — der Markt erholt sich: 545.142 BEV-Neuzulassungen 2025 (KBA- Jahresbilanz 01/2026) — +43,2 % ggü. 2024, höchster Wert je. Marktanteil 19,1 % an Pkw-Neuzulassungen.128 Treiber: EU-Flottenregulierung 2025 (niedrigere CO₂-Grenzwerte für Hersteller), neue günstigere BEV-Modelle (VW ID.2, Renault 5, Citroen e-C3), Kostenanstieg der Verbrenner-Wartung.

Politik-Ziel: 15 Mio. BEV bis 2030 (Koalitionsvertrag 2021). Bei BEV-Bestand 2,05 Mio. Anfang 2026 und Neuzulassungs-Rate 545k/Jahr → linear ergibt das ca. 5 Mio. bis 2030 — immer noch deutlich hinter Plan (15 Mio.), aber der Pfad ist nicht mehr stagniert. ZDK-Prognose für 2026: BEV-Anteil 20-25 %.129

BEV-Neuzulassungen Deutschland 2018–2025

Abbildung A08-2: BEV-Neuzulassungen Deutschland 2018–2025. Absolute Zahlen (blaue Balken, linke Achse) und prozentualer Anteil an Pkw-Neuzulassungen (rote Linie, rechte Achse). Der Förderstopp Ende 2023 führte zum 2024er-Einbruch (380k, 13,5 %); 2025 ist mit 545.142 BEV und 19,1 %-Anteil ein Rekordjahr. Datengrundlage: KBA Pressemitteilungen 2018–2026.

Gründe für den Rückstand zum 15-Mio.-Ziel: – BEV-Förderung („Umweltbonus”) Ende 2023 abrupt gestoppt → Markteinbruch 2024 – Hohe Anschaffungspreise (real-Käuferpreis nach Förderung) für viele Modelle weiter über Verbrennern – Ladeinfrastruktur ausreichend für aktuelle Flotte, aber lokal unterschiedlich – BEV-skeptische Mediendiskussion 2023/2024 hat Erwartungen gedämpft

2.2 Ladeinfrastruktur

Stand Ende 2024: ca. 145.000 öffentliche Ladepunkte (davon ~ 35.000 Schnellladepunkte > 50 kW).130 Plus geschätzt 1,5–2 Mio. private Wallboxen.

Die Bundesnetzagentur sieht die Ladeinfrastruktur aktuell als ausreichend für die 1,5 Mio. BEV — das Verhältnis Fahrzeuge zu Ladepunkten ist eines der besten weltweit. Bei 15 Mio. BEV in 2030 bräuchte es etwa 1 Mio. öffentliche Ladepunkte — Ausbaurate muss sich versechsfachen.

2.3 Schienenverkehr

Die Deutsche Bahn ist seit 2018 zu ~ 65 % mit Bahnstrom aus Erneuerbaren betrieben (im Mix mit konventionellen Quellen — Bahnstrom-Netz ist nicht 1:1 öffentliches Netz).131 Ziel für 2038 ist 100 % erneuerbarer Bahnstrom.

Größere Hebel beim Schienenverkehr sind: – Modal Shift (vom Pkw/Lkw auf Schiene) — politische Vereinbarungen liegen vor, Umsetzung schwierig. – Bahn-Infrastruktur-Sanierung (großes Programm 2024–2030, ~ 16 Mrd. EUR jährlich) — ermöglicht überhaupt erst mehr Verkehrsleistung.

2.4 Schwertransport, Schifffahrt, Luftfahrt — die schwer-elektrifizierbaren Sektoren

  • LKW Langstrecke: Hier wird in den nächsten 10 Jahren entschieden, ob es BEV-LKW (Daimler, Volvo, MAN, Tesla Semi), Brennstoffzellen-LKW (Hyzon, Nikola) oder beides wird. EU-Verordnung 2024 reguliert THG-Grenzwerte für LKW-Flotten.
  • Schifffahrt: eFuels (Methanol, Ammoniak) als realistische Option, BEV nur für Kurzstrecke/Fähren.
  • Luftfahrt: Sustainable Aviation Fuels (SAF), Wasserstoff für Kurzstrecke experimentell. Hauptproblem: Skalierung der eFuel-Produktion.

Alle drei Sektoren sind Investitionsbedürftig und werden in den 2030er Jahren entscheidende Phase erreichen.


3. Industrie — Transformation in vollem Gang

Der Industriesektor ist überraschenderweise am weitesten in der Dekarbonisierungs-Planung, auch wenn die operative Umsetzung gerade erst beginnt. Drei Hauptbereiche:132 133

3.1 Stahlindustrie — die Direkt-Reduktion mit Wasserstoff

Deutschland hat ~ 40 Mio. t Stahlproduktion pro Jahr (~ 5 % der weltweiten Produktion), mit hohem CO₂-Fußabdruck (~ 56 Mio. t CO₂/Jahr, ~ 8 % der deutschen Industrie-Emissionen). Der Pfad zur grünen Stahlerzeugung:

  • ThyssenKrupp Duisburg: Direktreduktionsanlage „tkH2Steel” — geplante Inbetriebnahme
    1. Investition ca. 3 Mrd. EUR, davon ~ 2 Mrd. staatliche Förderung (Bund + Land NRW).
  • Salzgitter Flachstahl: „SALCOS” Programm — schrittweise Umstellung 2026–2033.
  • ArcelorMittal Bremen + Eisenhüttenstadt: Direktreduktionsanlagen in Planung.

Hauptengpass: ausreichend grüner Wasserstoff in der Region. Ohne H₂-Anbindung funktioniert keine dieser Anlagen wirtschaftlich (siehe A07).

3.2 Chemieindustrie

  • Ammoniak-Synthese (für Düngemittel, Industrierohstoff): heute aus „grauem H₂” (Erdgas-Reformierung), Umstellung auf grünen H₂ möglich.
  • Olefin- und Aromaten-Produktion (Basischemie): braucht Hochtemperatur-Wärme → elektrisch beheizte Cracker (BASF Ludwigshafen Pilot) oder grüner H₂.
  • Methanol-Synthese: als Plattform-Chemikalie aus CO₂ und grünem H₂ — Pilotanlagen, Skalierung ab 2030.

3.3 Glas, Zement, Aluminium

  • Zement: schwierigster Industriebereich; Prozess-Emissionen (CO₂ aus Kalkstein, unvermeidlich) machen ~ 60 % der CO₂-Emissionen aus. Lösung: CCS (siehe Modul B11) oder Reduktion der Zementproduktion (alternative Bindemittel).
  • Glas: elektrische Schmelzwannen technisch verfügbar (z.B. AGC, Schott), Skalierung langsam.
  • Aluminium: Elektrolyse-Verfahren bereits stromintensiv — Dekarbonisierung über grünen Strom (Trimet, Rheinwerk Hamburg).

3.4 Carbon Contracts for Difference (CCfD)

Ein zentraler politischer Mechanismus für die Industrie-Transformation: Klimaschutz- Verträge (“Klimaschutz-Differenzverträge”). Der Staat garantiert für 15 Jahre die Differenz zwischen dem aktuellen ETS-CO₂-Preis und dem im Vertrag fixierten Vermeidungs- Kostenpreis. Damit haben Unternehmen Planungssicherheit für die Mehrkosten der Umstellung.

Stand 2024: Erste Ausschreibungsrunde abgeschlossen, ~ 4 Mrd. EUR Volumen, mehrere Industriestandorte bezuschlagt. Folgerunden 2025/2026 geplant.134


4. Strom-Mehrbedarf durch Elektrifizierung — die zentrale Kennzahl

Wenn Wärme, Verkehr, Industrie auf Strom umgestellt werden, steigt der Stromverbrauch. Wie viel?

Stromverbrauch Deutschland (TWh/Jahr):135 136

Jahr Bruttostromverbrauch Anmerkung
2015 597 Vor-Pandemie-Niveau
2020 543 Corona-Delle
2023 504 Industrierezession + Effizienz
2030 Szenarien (BMWK) ~ 750 inkl. Sektorkopplung
2045 Szenarien (klimaneutral) ~ 1.000 Vollelektrifizierung + H₂-Erzeugung

Was bedeutet das? Der Stromsektor muss sich bis 2045 verdoppeln — bei gleichzeitiger vollständiger Dekarbonisierung. Das ist die zentrale Herausforderung: 80 % EE 2030 und ~ 100 % EE 2040 reichen nicht, wenn parallel der Stromverbrauch um 50 % wächst. Der Erneuerbaren-Ausbau muss schneller wachsen als der Strombedarf.

Realistisch erfordert das einen jährlichen EE-Zubau in einer Größenordnung, die 2024 zwar beim Solar (ca. 17 GW PV-Neuinstallation) erreicht wird, aber beim Wind onshore (ca. 4,5 GW) noch deutlich zu langsam ist.


5. Knackpunkte und Ausblick

  1. Wärmepumpen-Hochlauf — muss von 190.000 (2024) auf 400.000 pro Jahr steigen. Politische Verlässlichkeit + Förderprogramm sind die zentralen Stellgrößen.
  2. BEV-Hochlauf — 70 %-Neuzulassungsanteil bis 2030 ist sehr ambitioniert. Ohne Förderpolitik + günstige Modelle (chinesische Konkurrenz!) schwer zu erreichen.
  3. Industrie-Wasserstoff-Anbindung — kein grüner Stahl ohne H₂-Pipeline. Tight bis 2027.
  4. Strom-Mehrbedarf bis 2045 verdoppelt — der Erneuerbaren-Ausbau muss entsprechend skalieren. Wind onshore ist der Engpass.

Zusammenfassung — die fünf Befunde

  1. Sektorkopplung ist die eigentliche Hauptarbeit der nächsten 20 Jahre. Der Stromsektor ist nur 20 % des Endenergie-VB; die anderen 80 % zu dekarbonisieren ist die Aufgabe.
  2. Wärmepumpen-Hochlauf 2024 hinter Plan. Politik-induzierter Vertrauensverlust hat die Welle gebremst.
  3. BEV-Hochlauf 2024 hinter Plan. Förderung-Stop Ende 2023 brachte Markteinbruch.
  4. Industrie-Transformation ist auf gutem Weg. CCfD + Direkt-Reduktions-Anlagen laufen an, aber kritisch abhängig von H₂-Verfügbarkeit.
  5. Stromverbrauch wird sich bis 2045 verdoppeln. Der EE-Ausbau muss schneller sein.

Limitations dieses Kapitels

  • Stromverbrauchs-Szenarien 2030/2045 weichen je nach Studie ab. BMWK Langfristszenarien, Agora-Szenarien, BDI-Szenarien — Bandbreite ~ 700–1.100 TWh für 2045. Methodische Vergleichsanalyse wäre eigenes Kapitel wert.
  • Wärmepumpen-Statistik ist BWP-basiert (Branchenverband); Energiewirtschaft hat etwas abweichende Zahlen.
  • BEV-Bestand Stand Q4/2024. Daten ändern sich monatlich.
  • Industrie-Transformations-Projekte sind oft mit Verzögerungen behaftet. Die genannten Inbetriebnahme-Daten sind Stand Q4/2024, weitere Verzögerungen erwartbar.
  • „BEV-Hochlauf hinter Plan” ist eine Wertung. Es gibt Stimmen die argumentieren, ein langsamerer organischer Hochlauf sei sozial verträglicher. Hier kommt die Wertung aus dem Klimaschutzgesetz-Sektorziel Verkehr.

Quellen


A09 — Aktuelle Knackpunkte: Industriestrompreis, Kapazitätsmarkt, Wasserstoff, Kohleausstieg

Einleitung — wo es 2025/2026 entschieden wird

Die acht Kapitel A01–A08 haben den Stand und die strukturellen Eigenschaften der deutschen Energiewende dargestellt. Dieses abschließende Modul-A-Kapitel benennt die fünf Knackpunkte, an denen sich 2025/2026 entscheidet, ob das Tempo gehalten oder verloren wird. Sie sind die Brücke zu Modul B (wo die Lobby-Argumente zu genau diesen Themen geprüft werden) und Modul C (wo die politischen und bürokratischen Verzögerungs-Muster ausgearbeitet sind).

Die fünf Knackpunkte:

  1. Industriestrompreis — Subvention oder Marktdesign?
  2. Kapazitätsmarkt — wie wird gesicherte Leistung finanziert?
  3. Wasserstoff-Hochlauf — bekommt die Industrie rechtzeitig grünen H₂?
  4. Kohleausstieg 2030 vs 2038 — politisches Versprechen vs. gesetzliche Realität
  5. Klimaschutzgesetz nach der Reform 2024 — Verbindlichkeit oder Show?

1. Industriestrompreis — die zentrale politökonomische Debatte

Seit 2023 läuft eine Debatte über einen vergünstigten Industriestrompreis für die rund 600 energieintensivsten deutschen Unternehmen. Die Argumente:

Pro Industriestrompreis (BDI, BDEW, IG-BCE, einige Bundesländer):137 – Die deutsche Industrie hat im internationalen Vergleich höhere Strompreise als Wettbewerber (USA: ~ 6 ct/kWh Industrie; Frankreich: ~ 9 ct/kWh; Deutschland: ~ 12 ct/kWh für Großverbraucher mit Ausnahmen; China: subventionsabhängig variabel). – Stromintensive Branchen (Chemie, Stahl, Glas, Papier, Aluminium) sind die Industrie-Basis für nachgelagerte Wertschöpfung in Deutschland. – Ohne Strompreis-Brücke droht Standortverlagerung („Carbon Leakage”). – Die Transformation der Industrie (siehe A08) braucht Investitions-Anreize bei gleichzeitig hohen Stromkosten — das ist ein Widerspruch ohne Brückenfinanzierung.

Contra Industriestrompreis (DIW, ifo, einige FDP-Politiker, Umweltverbände):138 – Eine Subvention setzt das CO₂-Preis-Signal außer Kraft — gerade in der Industrie, wo es am stärksten wirken soll. – Industriestrompreis ist eine Pauschalförderung — Unternehmen, die nicht transformieren, bekommen den Preisvorteil genauso wie transformierende. – Bessere Lösung: gezielte Förderung der Transformation (Carbon Contracts for Difference, siehe A08 Abschnitt 3.4), die nur bei nachweislicher Umstellung greift. – Internationale Wettbewerbsstörung wird durch CBAM (CO₂-Grenzausgleich, ab 2026) bereits adressiert. – Sozialpolitisch unfair: warum 600 Großunternehmen entlasten, aber nicht Mittelstand und Privatpersonen?

Stand der Diskussion Q4/2024: – Politisches Patt zwischen SPD (für Industriestrompreis) und FDP (gegen) – EU-rechtliche Hürden: Subventionsbeihilfe muss EU-Beihilfekonform sein, schwer durchzusetzen – Aktueller Kompromiss-Vorschlag: Brückenstrompreis nur für Transformations-Investoren (~ Carbon Contracts for Difference erweitert), nicht für alle 600 Industrieunternehmen

Diese Frage bleibt die zentrale industriepolitische Auseinandersetzung 2025. Sie hat direkten Bezug zu Lobby-Argumenten in Modul B03 (Deindustrialisierung) und Modul C03 (BDI-Position als Lobby-Akteur).


2. Kapazitätsmarkt — wer bezahlt für gesicherte Leistung?

Wie in A05 dargestellt, braucht das deutsche Stromsystem zunehmend explizite Bezahlung für gesicherte Leistung (Reservekraftwerke, die auch bei Dunkelflauten verfügbar sind). Die Frage: Wie wird dieser Bezahlung gestaltet?

Drei Marktdesign-Optionen, die diskutiert werden:139 140

Design Funktionsweise Vorteile Nachteile
Energy-Only-Markt (heute) Nur Strompreis am Spotmarkt Marktorientiert Spitzenkraftwerke unrentabel, Investitions-Anreiz fehlt
Strategische Reserve Bundesweite Auktion für Reserve, außerhalb Markt Klare Abgrenzung Eingriff in Marktpreis-Signal
Kapazitätsmarkt Auktion für gesicherte Leistung an alle Erzeuger + Speicher + DSM Investitions-Anreize, breite Teilnahme Hohe Komplexität, Risiko Doppelförderung

Politischer Stand 2024/2025: Die Bundesregierung hat im Sommer 2024 ein Strommarkt- Design-Konzept vorgelegt, das in Richtung kombinierter Kapazitätsmarkt geht. Bestimmungen wie:

  • Kapazitätsmarkt-Auktionen ab 2026/2027 für gesicherte Leistung
  • H₂-Reserve-Kraftwerke als zentraler Posten (ca. 10 GW bis 2030 geplant)
  • Demand-Side-Management als gleichberechtigter Teilnehmer
  • Batteriespeicher als gleichberechtigter Teilnehmer

Streitpunkte: – Höhe der Kapazitätszahlungen (zu hoch = Überförderung; zu niedrig = keine Investitionen) – Behandlung von Bestandsanlagen (sollen alte Kohle/Gas-Kraftwerke an der Auktion teilnehmen oder nicht?) – EU-Kompatibilität (Kapazitätsmärkte sind beihilferechtlich heikel) – Finanzierung (Umlage auf Strompreis vs. Bundeshaushalt)

Die Entscheidung 2025/2026 wird das Marktdesign für die kommenden 10–15 Jahre prägen.


3. Wasserstoff-Hochlauf — der zeitkritische Engpass

Wie in A07 Abschnitt 3 dargestellt, ist der Wasserstoff-Hochlauf zwingend nötig für die Industrie-Transformation (Stahl, Chemie, schwere Schifffahrt) — und gleichzeitig im Hochlauf-Tempo eng.

Was bis 2030 funktionieren muss:141

  1. Elektrolyse-Kapazität 10 GW national + Importe — Hochlauf von heute 0,07 GW.
  2. Wasserstoff-Kernnetz (Pipeline-Netz für Industrie-Standorte) — ca. 9.700 km bis 2032, beschlossen Q3/2024. Investitionen ~ 19 Mrd. EUR, refinanziert über Netzentgelte plus staatliche Anschubfinanzierung.
  3. Import-Korridore — Pipeline-Anbindungen Norwegen (umgebaute Erdgas-Leitung), Niederlande/Belgien, perspektivisch Algerien-Mittelmeer-Pipeline, später Schiffstransport per Ammoniak/LOHC.
  4. Import-Diplomatie — H₂-Lieferverträge mit Marokko, Saudi-Arabien, Chile, Australien. Stand 2024: erste Verträge, aber Volumen noch klein.

Realistische Erwartung: Das 10-GW-Ziel 2030 wird voraussichtlich nicht erreicht — der Investitionszyklus dauert 4–6 Jahre, Stand 2024 sind etwa 5 GW in fortgeschrittener Planung oder Bau. Wahrscheinlich werden 6–8 GW 2030 realistisch.142

Konsequenz: Die ersten H₂-Verbraucher (ThyssenKrupp Duisburg, SALCOS) brauchen 2027–2030 verlässliche H₂-Versorgung. Wenn die nicht da ist, drohen entweder Verzögerungen der Industrie-Transformation oder Notlösungen mit „blue H₂” (aus Erdgas mit CCS) als Übergang — was klimapolitisch umstritten ist.

Diese Frage wird in Modul B09 (Argument „Wasserstoff macht alles möglich”) detailliert geprüft.


4. Kohleausstieg — 2030 oder 2038?

Im Koalitionsvertrag 2021 versprach die damalige Ampel-Koalition den Kohleausstieg „idealerweise 2030”, spätestens 2038 wie im Kohleausstiegsgesetz 2020 vorgesehen. Stand 2024 ist diese Frage offen und politisch hochkontrovers:143

Pro 2030-Ausstieg: – Klimaschutzziel-Verpflichtung (KSG-Sektorziel Energiewirtschaft 2030 = 108 Mt CO₂; mit bestehender Kohle praktisch nicht erreichbar). – Kohle wird ökonomisch zunehmend unrentabel (CO₂-Preis, Wettbewerb mit Erneuerbaren). – Strukturhilfen für Reviere bereits weitgehend bewilligt — Vorziehen bringt keine zusätzlichen Lasten.

Pro Verbleib 2038: – Versorgungssicherheits-Bedenken (siehe A05): Kapazitätsmarkt-Design noch nicht da, H₂- Reserve-Kraftwerke nicht skaliert. – Lokalpolitik: Revier-Bürgermeister + Landesregierungen (BB, SN, NW) haben Erwartungssicherheit versprochen bekommen. – Klagewege: Betreiber könnten gegen frühen Ausstieg klagen (Vertrauensschutz-Argument rechtlich offen). – Sozialökonomische Übergangs-Risiken.

Mittelweg-Konzept: – Steinkohle: schneller Ausstieg ohnehin (Marktbedingungen, Endkapazitäten gering nach 2027) – Braunkohle: schrittweise, Lausitz und Rheinisches Revier mit jeweils eigenen Pfaden – Sicherheitsbereitschaft: nach 2030 noch ~ 5–8 GW Kohle in technischer Bereithaltung, nur bei Mangellage anfahrbar — die Frage ist, wie lange diese Reserve nötig ist und wer sie bezahlt.

Stand Q4/2024: Politische Entscheidung über 2030-Pfad noch nicht getroffen. Wahrscheinlich wird sie 2025 nach den Bundestagswahlen kommen — abhängig von Koalition-Konstellation.


5. Klimaschutzgesetz nach der Reform 2024 — Verbindlichkeit oder Show?

Wie in A03 Abschnitt 4 dargestellt, hat die KSG-Reform 2024 die jährlichen Sektor-Ziele abgeschafft und durch Gesamtbilanz-Logik ersetzt. Der Expertenrat für Klimafragen hat diese Reform kritisch bewertet.144

Die offenen Fragen 2025:

  1. Wird der Pfad eingehalten ohne Sektor-Druck? Insbesondere im Verkehrssektor, wo Sofortprogramm-Pflicht entfallen ist. Erste Bewertungen 2025 (basierend auf 2024er Emissionsdaten) werden zeigen ob Sektor-Übererfüllungen (Energiewirtschaft) die Sektor-Unterschreitungen (Verkehr) wirklich kompensieren.

  2. Ist die Reform 2024 vor dem BVerfG haltbar? Klagen sind angekündigt (DUH, BUND). Das BVerfG hat 2021 (Karlsruher Klima-Beschluss) eine vergleichbare Ziel-Lockerung als verfassungswidrig erklärt. Die Frage ist, ob die 2024er-Reform nur eine Lockerung der Steuerung oder eine Lockerung des Ziels darstellt.

  3. Was bedeutet das für 2030-Ziel-Verfehlung? Wenn das Gesamtziel verfehlt wird, was sind die Konsequenzen? Die Reform 2024 hat die operative Konsequenz „Sofortprogramm” abgeschwächt zu „Klimaschutz-Programm bei zweimaligem Verfehlen”. Was passiert dazwischen?

Konsens unter Klima-Experten: Die KSG-Reform 2024 ist nicht das Ende der deutschen Klimapolitik, aber ein deutlicher Verlust an Verbindlichkeit. Die nächste Bundesregierung wird hier entweder nachjustieren oder weiter abschwächen.145


6. Wechselwirkungen — die Knackpunkte hängen zusammen

Wichtig zu sehen: Die fünf Knackpunkte sind nicht voneinander isoliert. Beispiele:

  • Wasserstoff-Hochlauf entscheidet, ob Industrie-Transformation gelingt → entscheidet über Industriestrompreis-Notwendigkeit (mit grünem H₂ wettbewerbsfähig, ohne nicht).
  • Kapazitätsmarkt-Design entscheidet, wie schnell Kohleausstieg machbar ist (ohne H₂-Reserve braucht’s länger Kohle-Backup).
  • KSG-Verbindlichkeit entscheidet, ob der politische Druck für die anderen Punkte bleibt — wenn KSG zu „Empfehlung” wird, fällt der Druck auf Verkehrssektor, Wärmewende, Industrie-Transformation.

Die strategische Pointe: Wer einen dieser Punkte einzeln „verhandelt” (z.B. nur Industriestrompreis-Verteidigung), verschiebt das Problem ins Nachbarfeld. Eine zusammenhängende Energiewende-Strategie 2025–2030 muss alle fünf Knackpunkte koordiniert behandeln.


Zusammenfassung — Modul A im Ganzen

Modul A hat die faktische Basis der deutschen Energiewende dargestellt:

  1. A01 Historie — die Energiewende ist 25 Jahre alt (seit EEG 2000), 35 Jahre seit ersten Einspeisungsregelungen.
  2. A02 Strom-Mix — Erneuerbare 59 % im Strom 2024, von 6 % 2000. Atom 0 %, Kohle halbiert.
  3. A03 Emissionen — Deutschland hat 48 % Reduktion seit 1990 erreicht, ist auf 2/3 des KSG-Pfades.
  4. A04 Kosten — Wind und Solar sind heute die günstigsten Neubau-Optionen, CO₂-Preis ist der dominante Treiber, Subventionsvergleich entlastet die Energiewende.
  5. A05 Versorgungssicherheit — SAIDI unter 13 Min trotz Atomausstieg, Dunkelflauten planbar.
  6. A06 Netz — der eigentliche Engpass, HGÜ-Trassen 2027–2028.
  7. A07 Speicher — Batterien boomen, Pumpspeicher Bestandshalter, H₂ in Phase 1.
  8. A08 Sektorkopplung — Wärme/Verkehr/Industrie sind die nächste Welle, hinter Plan.
  9. A09 Knackpunkte — Industriestrompreis, Kapazitätsmarkt, H₂, Kohleausstieg, KSG- Verbindlichkeit entscheiden sich 2025/2026.

Damit ist die Faktenbasis für Modul B (Lobby-Argumente) gelegt. Jedes Argument das im Modul B widerlegt wird, kann sich auf konkrete Datenpunkte aus Modul A beziehen — das gibt der Widerlegung Substanz.


Limitations dieses Kapitels

  • Knackpunkte-Auswahl ist subjektiv. Andere mögliche Knackpunkte (Bauleitplanung, Smart Meter-Hochlauf, Bürgerenergie-Förderung, regionale Ungleichheit) wären auch begründbar.
  • Industriestrompreis-Debatte ist sehr dynamisch — Status Q4/2024, kann sich 2025 schnell verändern.
  • Politische Stand 2024 kann durch Wahlen 2025 schnell überholt werden.
  • „Wechselwirkungen” Abschnitt 6 ist Analyse-Aussage, nicht Faktenbeleg. Sollte im Lektorat geprüft werden auf Stichhaltigkeit.

Quellen


  1. Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz — EEG) vom 29. März 2000, BGBl. I S. 305, https://www.bgbl.de (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  2. AGEB, Energiebilanz und Auswertungstabellen der Bundesrepublik Deutschland (Bilanzen 1990–2024), https://ag-energiebilanzen.de/daten-und-fakten/bilanzen-1990-bis-2030/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  3. Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz — EEG) vom 29. März 2000, BGBl. I S. 305, https://www.bgbl.de (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  4. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  5. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  6. BMUV, Atomausstieg in Deutschland — Chronologie und Hintergründe, https://www.bundesumweltministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  7. BMUV, Atomausstieg in Deutschland — Chronologie und Hintergründe, https://www.bundesumweltministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  8. Europäische Kommission, The European Green Deal (12/2019), European Climate Law (06/2021), Fit for 55 package (07/2021), REPowerEU (05/2022), https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/priorities-2019-2024/european-green-deal_en (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  9. Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) — Fassungen 2019, 2021, Reform 07/2024, https://www.gesetze-im-internet.de/ksg/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  10. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  11. AGEB, Energiebilanz und Auswertungstabellen der Bundesrepublik Deutschland (Bilanzen 1990–2024), https://ag-energiebilanzen.de/daten-und-fakten/bilanzen-1990-bis-2030/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  12. AGEB, Energiebilanz und Auswertungstabellen der Bundesrepublik Deutschland (Bilanzen 1990–2024), https://ag-energiebilanzen.de/daten-und-fakten/bilanzen-1990-bis-2030/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  13. Fraunhofer ISE, Energy-Charts — Stromproduktion und Strommarkt, https://www.energy-charts.info (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  14. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  15. Fraunhofer ISE, Energy-Charts — Stromproduktion und Strommarkt, https://www.energy-charts.info (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  16. AGEB, Energiebilanz und Auswertungstabellen der Bundesrepublik Deutschland (Bilanzen 1990–2024), https://ag-energiebilanzen.de/daten-und-fakten/bilanzen-1990-bis-2030/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  17. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  18. BMUV, Atomausstieg in Deutschland — Chronologie und Hintergründe, https://www.bundesumweltministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  19. Fraunhofer ISE, Energy-Charts — Stromproduktion und Strommarkt, https://www.energy-charts.info (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  20. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  21. Fraunhofer ISE, Energy-Charts — Stromproduktion und Strommarkt, https://www.energy-charts.info (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  22. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  23. Fraunhofer ISE, Energy-Charts — Stromproduktion und Strommarkt, https://www.energy-charts.info (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  24. BNetzA, Smard.de — Strommarktdaten Deutschland, https://www.smard.de/home (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  25. AGEB, Energiebilanz und Auswertungstabellen der Bundesrepublik Deutschland (Bilanzen 1990–2024), https://ag-energiebilanzen.de/daten-und-fakten/bilanzen-1990-bis-2030/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  26. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  27. AGEB, Energiebilanz und Auswertungstabellen der Bundesrepublik Deutschland (Bilanzen 1990–2024), https://ag-energiebilanzen.de/daten-und-fakten/bilanzen-1990-bis-2030/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  28. BNetzA, Smard.de — Strommarktdaten Deutschland, https://www.smard.de/home (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  29. Fraunhofer ISE, Energy-Charts — Stromproduktion und Strommarkt, https://www.energy-charts.info (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  30. BDEW, Strommarkt-Statistik (Energie-Daten Deutschland), https://www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/ (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Branchenverband; Daten robust, Bewertungen politisch.↩︎

  31. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  32. Fraunhofer ISE (C. Kost et al.), Studie Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien (Update 07/2024), https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/studie-stromgestehungskosten-erneuerbare-energien.html (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  33. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  34. IEA, World Energy Outlook 2024, https://www.iea.org/ (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: IEA hat historisch Tendenz, Erneuerbaren-Wachstum zu unterschätzen.↩︎

  35. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  36. Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) — Fassungen 2019, 2021, Reform 07/2024, https://www.gesetze-im-internet.de/ksg/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  37. UBA, Treibhausgas-Emissionen in Deutschland — Nationale Berichterstattung an UNFCCC, https://www.umweltbundesamt.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  38. UBA, Treibhausgas-Emissionen in Deutschland — Nationale Berichterstattung an UNFCCC, https://www.umweltbundesamt.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  39. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  40. UBA, Treibhausgas-Emissionen in Deutschland — Nationale Berichterstattung an UNFCCC, https://www.umweltbundesamt.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  41. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  42. Expertenrat für Klimafragen, Prüfberichte und Stellungnahmen zur KSG-Reform 2024, https://www.expertenrat-klima.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  43. UBA, Treibhausgas-Emissionen in Deutschland — Nationale Berichterstattung an UNFCCC, https://www.umweltbundesamt.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  44. Expertenrat für Klimafragen, Prüfberichte und Stellungnahmen zur KSG-Reform 2024, https://www.expertenrat-klima.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  45. UBA, Treibhausgas-Emissionen in Deutschland — Nationale Berichterstattung an UNFCCC, https://www.umweltbundesamt.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  46. Expertenrat für Klimafragen, Prüfberichte und Stellungnahmen zur KSG-Reform 2024, https://www.expertenrat-klima.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  47. UBA, Treibhausgas-Emissionen in Deutschland — Nationale Berichterstattung an UNFCCC, https://www.umweltbundesamt.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  48. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  49. IPCC, Sixth Assessment Report (AR6) — WGI 2021 + Synthesis 2023, https://www.ipcc.ch/report/ar6/syr/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  50. IPCC, Sixth Assessment Report (AR6) — WGI 2021 + Synthesis 2023, https://www.ipcc.ch/report/ar6/syr/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  51. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  52. Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) — Fassungen 2019, 2021, Reform 07/2024, https://www.gesetze-im-internet.de/ksg/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  53. Expertenrat für Klimafragen, Prüfberichte und Stellungnahmen zur KSG-Reform 2024, https://www.expertenrat-klima.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  54. Expertenrat für Klimafragen, Prüfberichte und Stellungnahmen zur KSG-Reform 2024, https://www.expertenrat-klima.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  55. IEA, World Energy Outlook 2024, https://www.iea.org/ (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: IEA hat historisch Tendenz, Erneuerbaren-Wachstum zu unterschätzen.↩︎

  56. Fraunhofer ISE (C. Kost et al.), Studie Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien (Update 07/2024), https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/studie-stromgestehungskosten-erneuerbare-energien.html (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  57. Fraunhofer ISE (C. Kost et al.), Studie Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien (Update 07/2024), https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/studie-stromgestehungskosten-erneuerbare-energien.html (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  58. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  59. Fraunhofer ISE (C. Kost et al.), Studie Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien (Update 07/2024), https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/studie-stromgestehungskosten-erneuerbare-energien.html (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  60. FÖS, Was Strom wirklich kostet — Bilanz staatlicher Förderungen aller Energieträger 1970–heute, https://foes.de/themen/energie/ (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: FÖS = Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft.↩︎

  61. FÖS, Was Strom wirklich kostet — Bilanz staatlicher Förderungen aller Energieträger 1970–heute, https://foes.de/themen/energie/ (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: FÖS = Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft.↩︎

  62. FÖS, Was Strom wirklich kostet — Bilanz staatlicher Förderungen aller Energieträger 1970–heute, https://foes.de/themen/energie/ (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: FÖS = Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft.↩︎

  63. FÖS, Was Strom wirklich kostet — Bilanz staatlicher Förderungen aller Energieträger 1970–heute, https://foes.de/themen/energie/ (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: FÖS = Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft.↩︎

  64. BDEW, Strommarkt-Statistik (Energie-Daten Deutschland), https://www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/ (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Branchenverband; Daten robust, Bewertungen politisch.↩︎

  65. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  66. BDEW, Strommarkt-Statistik (Energie-Daten Deutschland), https://www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/ (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Branchenverband; Daten robust, Bewertungen politisch.↩︎

  67. BNetzA, Smard.de — Strommarktdaten Deutschland, https://www.smard.de/home (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  68. BDEW, Strommarkt-Statistik (Energie-Daten Deutschland), https://www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/ (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Branchenverband; Daten robust, Bewertungen politisch.↩︎

  69. BNetzA, Smard.de — Strommarktdaten Deutschland, https://www.smard.de/home (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  70. Fraunhofer ISE, Energy-Charts — Stromproduktion und Strommarkt, https://www.energy-charts.info (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  71. BNetzA, Smard.de — Strommarktdaten Deutschland, https://www.smard.de/home (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  72. BNetzA, Smard.de — Strommarktdaten Deutschland, https://www.smard.de/home (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  73. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  74. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  75. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  76. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  77. Fraunhofer ISE, Energy-Charts — Stromproduktion und Strommarkt, https://www.energy-charts.info (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  78. Fraunhofer ISE, Energy-Charts — Stromproduktion und Strommarkt, https://www.energy-charts.info (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  79. Fraunhofer ISE, Energy-Charts — Stromproduktion und Strommarkt, https://www.energy-charts.info (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  80. BNetzA, Smard.de — Strommarktdaten Deutschland, https://www.smard.de/home (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  81. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  82. BNetzA, Smard.de — Strommarktdaten Deutschland, https://www.smard.de/home (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  83. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  84. BNetzA, Smard.de — Strommarktdaten Deutschland, https://www.smard.de/home (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  85. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  86. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  87. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  88. IEA, World Energy Outlook 2024, https://www.iea.org/ (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: IEA hat historisch Tendenz, Erneuerbaren-Wachstum zu unterschätzen.↩︎

  89. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  90. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  91. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  92. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  93. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  94. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  95. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  96. BDEW, Strommarkt-Statistik (Energie-Daten Deutschland), https://www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/ (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Branchenverband; Daten robust, Bewertungen politisch.↩︎

  97. BNetzA, Smard.de — Strommarktdaten Deutschland, https://www.smard.de/home (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  98. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  99. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  100. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  101. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  102. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  103. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  104. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  105. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  106. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  107. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  108. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  109. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  110. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  111. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  112. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  113. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  114. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  115. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  116. IEA, World Energy Outlook 2024, https://www.iea.org/ (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: IEA hat historisch Tendenz, Erneuerbaren-Wachstum zu unterschätzen.↩︎

  117. AGEB, Energiebilanz und Auswertungstabellen der Bundesrepublik Deutschland (Bilanzen 1990–2024), https://ag-energiebilanzen.de/daten-und-fakten/bilanzen-1990-bis-2030/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  118. AGEB, Energiebilanz und Auswertungstabellen der Bundesrepublik Deutschland (Bilanzen 1990–2024), https://ag-energiebilanzen.de/daten-und-fakten/bilanzen-1990-bis-2030/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  119. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  120. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  121. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  122. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  123. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  124. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  125. AGEB, Energiebilanz und Auswertungstabellen der Bundesrepublik Deutschland (Bilanzen 1990–2024), https://ag-energiebilanzen.de/daten-und-fakten/bilanzen-1990-bis-2030/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  126. AGEB, Energiebilanz und Auswertungstabellen der Bundesrepublik Deutschland (Bilanzen 1990–2024), https://ag-energiebilanzen.de/daten-und-fakten/bilanzen-1990-bis-2030/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  127. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  128. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  129. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  130. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  131. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  132. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  133. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  134. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  135. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  136. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  137. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  138. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  139. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  140. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  141. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  142. Agora Energiewende, Die Energiewende in Deutschland — Stand der Dinge 2023 (01/2024), https://www.agora-energiewende.de/publikationen/die-energiewende-in-deutschland-stand-der-dinge-2024 (abgerufen 2026-05-11). Bias-Hinweis: Pro-Energiewende-Think-Tank.↩︎

  143. BMWK, Monitoring-Bericht zur Energiewende — Energie der Zukunft (Berichtsjahr 2023, veröffentlicht 09/2024), https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  144. Expertenrat für Klimafragen, Prüfberichte und Stellungnahmen zur KSG-Reform 2024, https://www.expertenrat-klima.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎

  145. Expertenrat für Klimafragen, Prüfberichte und Stellungnahmen zur KSG-Reform 2024, https://www.expertenrat-klima.de/ (abgerufen 2026-05-11)↩︎