Der Verkehrssektor ist einer der größten Hebel für den Klimaschutz. Er verursacht in Deutschland rund ein Fünftel der Treibhausgasemissionen – seit Jahren ohne ausreichenden Rückgang. Der weitaus größte Teil entsteht im Straßenverkehr, vor allem durch Pkw und Lkw mit fossilen Verbrennungsmotoren. Hinzu kommen Luftschadstoffe, Lärm, Flächenverbrauch sowie hohe volkswirtschaftliche Kosten durch Staus und Unfälle. Wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen und die Abhängigkeit von Öl beenden will, führt an einer konsequenten Verkehrswende kein Weg vorbei.
Die gute Nachricht: Die Lösungen sind vorhanden – von der Elektrifizierung und dem massiven Ausbau des öffentlichen Verkehrs bis hin zu sicheren Radwegen, Stadtlogistik mit Lastenrädern und intelligenten Mobilitätsdiensten. Die Grünen stellen diese Bausteine ins Zentrum ihrer verkehrspolitischen Agenda, verbunden mit sozialer Ausgewogenheit und einem klaren Kurs gegen klimaschädliche Subventionen. Ziel ist eine Mobilität, die sauber, bezahlbar, barrierefrei und effizient ist – in Stadt und Land.
Ziele der Grünen: Ausstieg aus fossilen Verbrennern, Einstieg in nachhaltige Mobilität
Kern der grünen Verkehrspolitik ist die Abkehr von fossilen Brennstoffen. Dazu gehören insbesondere:
- Abschied vom Verbrenner: Die Grünen unterstützen das europäische Ziel, ab 2035 keine neuen Pkw mit fossilem Verbrennungsmotor zuzulassen, und drängen auf einen ambitionierten nationalen Pfad, der den Hochlauf der Elektromobilität beschleunigt und der Industrie Planungssicherheit gibt. E-Fuels sehen sie als knappe Ressource für Luft- und Schiffsverkehr, nicht für den Massenmarkt bei Pkw.
- Tempolimit und sichere Städte: Ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen und Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts sollen Emissionen, Lärm und Unfallfolgen senken. Kommunen sollen mehr Entscheidungshoheit bekommen, um sichere, lebenswerte Straßenräume zu schaffen.
- ÖPNV und Schiene vor Straße: Investitionspriorität hat die Schiene – für den Deutschlandtakt, Elektrifizierung, Reaktivierungen und Kapazitätsausbau. Im Nahverkehr setzen die Grünen auf dichte Takte, verlässliche Anschlüsse, barrierefreie Bahnhöfe und leistungsfähige Regio-Busnetze. Das Deutschlandticket soll verstetigt und sozial weiterentwickelt werden.
- Gerechte Preise statt klimaschädlicher Privilegien: Der Abbau fossiler Subventionen – etwa Vorteile für Diesel, Dienstwagen und Kerosin – schafft finanzielle Spielräume für klimafreundliche Angebote. Eine CO2-basierte Lkw-Maut, Parkraumbewirtschaftung sowie ein Bonus-Malus-System bei Neuwagenkäufen setzen marktwirtschaftliche Anreize für Effizienz und saubere Antriebe.
- Raum für Rad- und Fußverkehr: Radschnellwege, durchgängige Netze, sichere Kreuzungen, breite Gehwege, barrierefreie Querungen, Schulstraßen und gute Abstellanlagen sind zentrale Elemente. Vision Zero – keine Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr – ist Leitbild.
- Fairness für den ländlichen Raum: On-Demand-Shuttles, Regio-Schnellbusse, Bürgerbusse, Carsharing-Hubs an Bahnhöfen sowie Mitfahrplattformen schließen Taktlücken. Digitale Lösungen werden mit guter Grundversorgung kombiniert, damit Mobilität auch dort zuverlässig ist, wo Entfernungen groß sind.
Diese Ziele sind eingebettet in das übergreifende Vorhaben, 100 Prozent erneuerbare Energien zur Grundlage von Verkehr und Wärme zu machen. Strom aus Wind und Sonne ist die Antriebsenergie der Zukunft. Was nicht direkt elektrifizierbar ist, wird mit grünen Molekülen aus Power-to-X versorgt – effizient eingesetzt dort, wo es keine Alternative gibt.
Meilensteine und politische Initiativen: Vom Konzept zur Umsetzung
Die letzten Jahre zeigen, dass Veränderung möglich ist – wenn politischer Wille und Investitionen zusammenkommen. Wichtige Bausteine, die den Kurs markieren:
- Deutschlandticket: Ein bundesweit gültiges, deutlich vergünstigtes Ticket hat Hürden abgebaut und den ÖPNV einfacher gemacht. Die Grünen setzen sich für eine langfristige Finanzierung und soziale Varianten ein.
- CO2-Komponente in der Lkw-Maut: Schwerere Fahrzeuge zahlen mehr, wenn sie mehr CO2 ausstoßen. Die Mehreinnahmen fließen in die Schiene – ein wichtiger Hebel für Verlagerung von Gütern auf die Bahn.
- EU-Standards für saubere Fahrzeuge: Strengere Flottengrenzwerte und das Auslaufen fossiler Neuzulassungen geben der Industrie den Rahmen für Innovation. Die Grünen treiben die Umsetzung und faire Industriepolitik voran – inklusive Batterierecycling und resilienter Lieferketten.
- Schienenpakt und Infrastrukturreform: Mehr Mittel für Erhalt und Ausbau, Elektrifizierung von Strecken, Reaktivierungen und der Deutschlandtakt schaffen Kapazität und Verlässlichkeit auf der Schiene.
- Bundesprogramme Radverkehr: Mit Fördermitteln für Radschnellwege, sichere Knotenpunkte und Abstellanlagen konnten Länder und Kommunen Projekte schneller realisieren; die Grünen wollen diese Programme verstetigen und ausweiten.
Diese Meilensteine sind keine Endpunkte, sondern Startsignale für den nächsten Schub – in der Fahrzeugflotte, der Energieversorgung und der Infrastruktur.
Elektromobilität als Beschleuniger: Sauberer Strom statt fossiler Kraftstoffe
Elektromobilität ist das zentrale Werkzeug, um Emissionen im Straßenverkehr schnell und spürbar zu senken. Entscheidend ist der Dreiklang aus Fahrzeugen, Energie und Infrastruktur:
- Fahrzeuge: Moderne E-Pkw, -Transporter und -Busse decken heute bereits einen Großteil der Alltags- und Berufswege ab. Kostenparität über die Lebensdauer ist vielfach erreicht, Wartungskosten sind niedriger. Kommunale Busflotten stellen auf Null-Emissions-Busse um. Lieferverkehre werden mit E-Transportern und Lastenrädern lokal emissionsfrei.
- Energie: Mit wachsendem Anteil von Wind- und Solarstrom sinkt der CO2-Fußabdruck km für km. Intelligentes Laden nutzt Zeiten hoher Erzeugung, senkt Netzlasten und Kosten. Perspektivisch ermöglichen bidirektionale Fahrzeuge die Bereitstellung von Flexibilität für das Stromsystem.
- Infrastruktur: Öffentliches Schnellladen entlang der Korridore, verlässliches AC-Laden in Quartieren, Ladepunkte am Arbeitsplatz und in der privaten Garage bilden ein Netz. Einfache Bezahlstandards, Transparenz und verlässliche Verfügbarkeit sind politisch adressierte Qualitätskriterien.
Die Grünen verbinden Förderung mit Standards für Nachhaltigkeit: Batterien sollen kreislauffähig sein; Lieferketten für Rohstoffe müssen hohen Umwelt- und Sozialstandards genügen. Gleichzeitig steht Effizienz im Fokus: Ein kleineres, leichtes Fahrzeug spart Ressourcen und Energie – und schafft Platz in den Städten.
ÖPNV und Schiene: Angebotsoffensive für alle, überall
Kein Klimaschutz im Verkehr ohne einen attraktiven öffentlichen Verkehr. Das Leitbild ist klar: häufiger, schneller, verlässlicher, barrierefrei – und einfach verständlich.
- Deutschlandtakt: Ein integraler Taktfahrplan mit abgestimmten Knoten sorgt für schnelle, verlässliche Anschlüsse im Fern- und Regionalverkehr.
- Dichte Takte im Nahverkehr: Bus und Bahn im 10- oder 15-Minuten-Takt in urbanen Räumen, verlässliche Regio-Busse im ländlichen Raum – auch abends und am Wochenende. On-Demand-Shuttles schließen Lücken, wo dichte Takte nicht wirtschaftlich sind.
- Einfacher Zugang: Ein Ticket für alles, digitale Buchung über Verbundgrenzen hinweg, verlässliche Echtzeitinformationen, barrierefreie Stationen, sichere Umstiege und gute Fahrrad-Mitnahme.
- Nachtzüge und europäische Vernetzung: Komfortable Fernreisen ohne Flug – dafür braucht es bessere Grenzübergänge, moderne Nachtzüge und abgestimmte Buchungssysteme.
- Finanzierung und Priorität: Mehr Mittel für Erhalt statt Neubau von Straßen, klare Priorität für Schiene und ÖPNV im Bundeshaushalt, langfristige Investitionszusagen für Länder und Kommunen.
Das Ergebnis: Wer umsteigt, gewinnt Zeit, Geld und Lebensqualität – und das System gewinnt neue Fahrgäste, die dauerhaft bleiben.
Rad- und Fußverkehr: Die leisen Schwergewichte der Verkehrswende
Die günstigste, gesündeste und effizienteste Form der Fortbewegung ist zu Fuß oder mit dem Rad. Damit mehr Menschen diese Optionen wählen können, brauchen sie Sicherheit, Komfort und direkte Wege.
- Sichere Netze: Durchgängige, breite Radwege, physisch getrennt vom Autoverkehr, sichere Kreuzungen nach modernen Standards, geschützte Kreuzungsaufstellflächen und klare Sichtachsen.
- Radschnellwege und Netzqualität: Verbindungen, die Pendeldistanzen von 5–20 Kilometern attraktiv machen. Dazu Abstellanlagen an Bahnhöfen, sichere Abstellboxen in Quartieren und Ladepunkte für E-Bikes.
- Lastenräder und Stadtlogistik: Förderprogramme und Logistikkonzepte verlagern die „letzte Meile“ auf leise, saubere Fahrzeuge. Mikrodepots entlasten Innenstädte.
- Fußverkehr ernst nehmen: Breite, freie Gehwege, Bordsteinabsenkungen, sichere Querungen, mehr Grün und Aufenthaltsqualität. Schulstraßen und verkehrsberuhigte Quartiere schaffen Sicherheit für die Schwächsten.
Die Grünen setzen auf klare Qualitätsstandards, verlässliche Finanzierung und die systematische Verankerung von Vision Zero in Planung und Recht.
Fair, bezahlbar, widerstandsfähig: Die soziale Dimension der Verkehrswende
Klimaschutz funktioniert nur, wenn er gerecht ist. Deshalb koppeln die Grünen ihre Ziele mit sozialpolitischen Mechanismen:
- Bezahlbarkeit sichern: Günstige ÖPNV-Tarife, Sozialtickets, Jobtickets und Mobilitätsbudgets helfen Menschen mit geringem Einkommen. Carsharing, Mitfahrgelegenheiten und E-Bikes erschließen Mobilität ohne eigenes Auto.
- Pendelrealitäten berücksichtigen: Bessere Alternativen vor Ort, verlässliche Takte und sichere Park&Ride-/Bike&Ride-Angebote sind Voraussetzung, bevor Kosteninstrumente greifen.
- Umschulung und Zukunftsarbeitsplätze: Qualifizierungsoffensiven in Automobil- und Zulieferindustrie, Förderung von Batterierecycling, Software, Bahn- und Busbau schaffen Perspektiven.
- Resilienz stärken: Weniger Ölimporte machen unabhängiger von Krisen; lokale Wertschöpfung in erneuerbaren Energien und Verkehrssystemen stärkt Regionen.
- Fakten statt Mythen: Gegen Desinformation über Reichweiten, Netze oder vermeintliche „Verbote“ setzen die Grünen auf Transparenz, Daten und Praxiserfahrungen aus Kommunen, Betrieben und Haushalten, die die Umstellung erfolgreich vollziehen.
So wird die Verkehrswende zum Gemeinschaftsprojekt – mit spürbaren Vorteilen im Alltag und fairer Lastenverteilung.
Was Sie persönlich beitragen können: Konkrete Schritte für heute und morgen
Jede und jeder kann die Veränderung beschleunigen. Sie müssen nicht alles auf einmal umstellen – wichtig ist, anzufangen und dranzubleiben.
- Mobilitätscheck im Alltag: Welche Wege fahren Sie regelmäßig? Was lässt sich bündeln, verlagern oder vermeiden? Probieren Sie eine Woche lang alternative Routen und Modi aus.
- Deutschlandticket testen: Prüfen Sie, ob das Ticket Ihre Pendel- und Freizeitwege abdeckt. Viele Arbeitgeber bieten Zuschüsse oder ein Jobticket.
- Wirklich gutes Rad besorgen: Ein alltagstaugliches E-Bike oder Lastenrad ersetzt oft das Zweitauto. Fragen Sie nach kommunalen Förderungen, nutzen Sie Dienstrad- oder Leasingmodelle.
- Carsharing statt Zweitwagen: Stationen in Ihrer Nähe reduzieren Fixkosten und schaffen Flexibilität. Kombiniert mit ÖPNV sind Sie vielfach schneller und günstiger unterwegs.
- E-Auto clever laden: Wenn ein eigenes Auto nötig ist, stellen Sie auf elektrisch um. Nutzen Sie Ökostrom, beantragen Sie eine Wallbox (auch in WEG/Vermietung – rechtliche Ansprüche wurden gestärkt) und laden Sie vorzugsweise dann, wenn viel Wind- und Solarstrom im Netz ist.
- Flugreisen reduzieren: Nachtzug oder Fernbus für Mittelstrecken, Videokonferenzen statt Geschäftsreisen, Urlaub näher dran – oft mit mehr Erholung und weniger Zeitverlust.
- Sicher und sparsam fahren: Vorausschauend fahren, Reifendruck prüfen, unnötiges Gewicht vermeiden – das spart Energie, egal mit welchem Antrieb.
- Im Betrieb mobil machen: Werben Sie für Jobtickets, Mobilitätsbudgets, Fahrradabstellanlagen, Duschen/Umkleiden, Ladepunkte und Homeoffice-Tage. Firmenflotten können auf E-Fahrzeuge und E-Transporter umstellen.
- Lokalpolitik unterstützen: Bringen Sie sich in Bürgerbeteiligungen ein, unterstützen Sie Tempo-30-Zonen, sichere Kreuzungen, Radschnellwege, Reaktivierungen von Bahnstrecken und Buslinien.
- Fakten teilen, Mitmachen stärken: Abonnieren Sie den Newsletter, bringen Sie sich im Blog ein, teilen Sie gelungene Beispiele aus Ihrer Gemeinde und entkräften Sie Mythen mit verlässlichen Quellen.
Viele kleine Schritte addieren sich – und schaffen die Nachfrage, die Politik und Unternehmen zum Nachziehen motiviert.
Politische Weichen stellen: Mit den Grünen Richtung Zukunft
Die Verkehrswende gelingt, wenn klare politische Mehrheiten sie tragen. Die Grünen stehen im Wahlkampf für ambitionierten Klimaschutz, verlässliche Finanzierung von Schiene und ÖPNV, ein gerechtes Preissystem, sichere Rad- und Fußwege und den Ausstieg aus fossilen Verbrennern. Sie verbinden Innovation mit sozialer Verantwortung und setzen auf Transparenz statt Lobbypflege.
Wenn Sie diese Richtung unterstützen, geben Sie der Verkehrswende Ihre Stimme – bei der Wahl, in Bürgerdialogen, in Ihrer Kommune und in Ihrem Alltag. Setzen Sie auf fundierte Informationen statt Desinformation, auf Zusammenarbeit statt Blockade. So wird aus der Idee einer fossilfreien Mobilität gelebte Realität: leiser, sauberer, gerechter – und gut für das Klima.









