Fossile Energie ist teurer, als sie scheint

Image

Wenn an der Tankstelle, auf der Heizkostenabrechnung oder beim Strompreis über Kosten gesprochen wird, wirkt fossile Energie oft noch immer wie die pragmatische, günstige Lösung. Öl, Gas und Kohle erscheinen vertraut, verfügbar und wirtschaftlich. Doch dieser Eindruck entsteht nur, weil ein großer Teil der tatsächlichen Kosten nicht auf der Rechnung steht. Fossile Energien sind nicht deshalb günstig, weil sie effizienter oder fairer wären. Sie wirken günstig, weil sie seit Jahrzehnten durch direkte und indirekte Subventionen gestützt werden.

Diese Subventionen sind nicht immer auf den ersten Blick sichtbar. Manche bestehen aus Steuervergünstigungen, Ausnahmen oder staatlichen Beihilfen. Andere entstehen dadurch, dass Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschäden nicht von den Verursachern bezahlt werden. Die Folge: Die fossile Industrie verkauft Energie zu Preisen, die die wahren Kosten verschleiern. Bezahlt wird trotzdem – nur nicht direkt an der Zapfsäule oder über die Gasrechnung, sondern über Steuern, Krankenkassenbeiträge, Klimaschäden, Ernteausfälle, Extremwetterfolgen und Zukunftsrisiken.

Direkte Subventionen: Wenn der Staat fossile Energien begünstigt

Direkte Subventionen sind finanzielle Vorteile, die fossile Energien gegenüber klimafreundlichen Alternativen besserstellen. In Deutschland zählen dazu unter anderem Steuervergünstigungen für bestimmte fossile Kraftstoffe, Ausnahmen bei Energie- und Stromsteuern sowie Entlastungen für energieintensive Industrien. Auch das sogenannte Dieselprivileg gehört dazu: Diesel wird in Deutschland niedriger besteuert als Benzin, obwohl Dieselfahrzeuge erhebliche Luftschadstoffe verursachen und der Kraftstoff fossilen Ursprungs ist.

Ein weiteres Beispiel ist der Flugverkehr. Kerosin für internationale Flüge ist weitgehend von der Energiesteuer befreit, und auf internationale Flugtickets fällt häufig keine Mehrwertsteuer an. Während Bahnreisende regulär zahlen und der Schienenverkehr seine Infrastruktur stärker selbst mittragen muss, profitiert der klimaschädlichere Flugverkehr seit Jahrzehnten von Sonderregeln. Das verzerrt Preise und setzt falsche Anreize.

Auch in Europa bestehen zahlreiche Fördermechanismen, Steuererleichterungen und Ausnahmen, die fossile Energien stützen. Je nach Berechnungsmethode summieren sich fossile Subventionen in der EU auf sehr hohe zweistellige bis über hundert Milliardenbeträge pro Jahr. Diese Gelder fehlen an anderer Stelle: beim Ausbau der Stromnetze, bei der Gebäudesanierung, beim öffentlichen Nahverkehr, bei Speichern, Wärmepumpen oder sozial gerechten Klimaschutzprogrammen.

Indirekte Subventionen: Die Kosten, die nicht im Preis stehen

Noch größer als viele direkte Förderungen sind die indirekten Subventionen. Gemeint sind Kosten, die durch fossile Energien entstehen, aber nicht von den Unternehmen getragen werden, die Kohle, Öl und Gas fördern, verkaufen oder verbrennen. Dazu zählen vor allem Klimaschäden und Gesundheitsschäden.

Die Verbrennung fossiler Brennstoffe setzt große Mengen CO₂ frei. Dieses CO₂ heizt die Atmosphäre auf und verstärkt Hitzewellen, Dürren, Starkregen, Überschwemmungen und Waldbrände. Die Schäden treffen Kommunen, Landwirtschaft, Versicherte, Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer sowie künftige Generationen. Wenn eine überflutete Straße repariert, ein Wald nach Dürre aufgeforstet oder ein Krankenhaus während einer Hitzewelle stärker belastet wird, steht auf der Rechnung selten „fossile Energie“. Doch genau dort liegt ein wesentlicher Teil der Ursache.

Auch Luftverschmutzung verursacht enorme Kosten. Feinstaub, Stickoxide und andere Schadstoffe aus Verbrennungsprozessen belasten Atemwege und Herz-Kreislauf-System. Die Folgen sind Krankheitstage, Behandlungskosten und vorzeitige Todesfälle. Diese Kosten werden über das Gesundheitssystem und die Gesellschaft getragen – nicht vollständig über den Preis von Kohle, Öl oder Gas.

Warum der Markt ohne Kostenwahrheit nicht fair ist

Ein fairer Markt setzt voraus, dass Preise die tatsächlichen Kosten widerspiegeln. Genau das ist bei fossilen Energien nicht der Fall. Wenn ein Produkt billig erscheint, weil seine Folgeschäden ausgelagert werden, ist das kein funktionierender Wettbewerb, sondern eine Verzerrung zulasten der Allgemeinheit.

Erneuerbare Energien müssen sich häufig an sichtbaren Kosten messen lassen: Ausbau, Netzanschluss, Speicher, Genehmigungen, Flächenplanung. Diese Kosten werden öffentlich diskutiert. Bei fossilen Energien hingegen bleiben viele Belastungen unsichtbar oder werden als „allgemeine Krisenkosten“ behandelt. Dadurch entsteht ein falsches Bild: Wind- und Solarenergie wirken angeblich teuer, während fossile Energien als verlässlich und bezahlbar dargestellt werden.

Tatsächlich ist es umgekehrt. Fossile Energien bringen dauerhaft Brennstoffkosten, Importabhängigkeiten, Preisschocks und Klimaschäden mit sich. Erneuerbare Energien benötigen Investitionen, liefern danach aber Strom ohne Brennstoffrechnung. Sonne und Wind schicken keine Rechnung, erhöhen keine Weltmarktpreise und finanzieren keine autoritären Rohstoffregime.

Wer die wahre Rechnung bezahlt

Die Kosten fossiler Energien werden auf viele Schultern verteilt. Steuerzahlerinnen und Steuerzahler finanzieren Subventionen und staatliche Entlastungsprogramme. Mieterinnen und Mieter zahlen hohe Heizkosten, wenn Gebäude schlecht saniert und weiterhin von Gas oder Öl abhängig sind. Kommunen bezahlen Klimaanpassung, Hochwasserschutz und Hitzeschutz. Krankenkassen und Versicherungen tragen steigende Folgekosten, die sich langfristig in Beiträgen niederschlagen können.

Besonders ungerecht ist: Menschen mit geringem Einkommen leiden oft stärker unter fossilen Abhängigkeiten. Sie wohnen häufiger in schlecht gedämmten Wohnungen, haben weniger Geld für effiziente Geräte oder moderne Heizsysteme und können Preissprünge bei Gas, Öl oder Benzin schlechter auffangen. Gleichzeitig profitieren von fossilen Subventionen nicht automatisch diejenigen, die Unterstützung am dringendsten brauchen. Steuervergünstigungen können sogar überproportional Haushalten und Unternehmen zugutekommen, die besonders viel fossile Energie verbrauchen.

Damit wird deutlich: Fossile Subventionen sind nicht sozial. Sozial ist eine Politik, die Menschen aus der Abhängigkeit von teuren Brennstoffen befreit, bezahlbare erneuerbare Energie verfügbar macht und Klimaschutz mit gezielter Entlastung verbindet.

Erneuerbare Energien sind die ehrlichere Alternative

Windkraft, Solarenergie, Wärmepumpen, Speicher, effiziente Netze und Gebäudesanierung sind keine ideologischen Luxusprojekte. Sie sind die Grundlage für ein Energiesystem, das langfristig günstiger, stabiler und fairer ist. Neue Solar- und Windkraftanlagen gehören heute in vielen Fällen zu den kostengünstigsten Formen der Stromerzeugung. Ihre Stärke liegt nicht nur im Preis pro Kilowattstunde, sondern auch in der Planbarkeit: Es gibt keine Brennstoffimporte, keine Preisschocks durch Gaskrisen und keine ständig wachsende CO₂-Rechnung.

Natürlich ist der Umbau des Energiesystems nicht kostenlos. Netze müssen ausgebaut, Speicher integriert, Fachkräfte qualifiziert und Genehmigungen beschleunigt werden. Doch diese Investitionen schaffen bleibende Infrastruktur. Fossile Ausgaben hingegen verbrennen Geld im wahrsten Sinne des Wortes: Jeder Liter Öl, jeder Kubikmeter Gas und jede Tonne Kohle ist nach der Nutzung verschwunden – die Schäden bleiben.

Wärmepumpen zeigen besonders anschaulich, wie Kostenwahrheit aussehen kann. Sie nutzen Umweltwärme und machen aus einer Kilowattstunde Strom mehrere Kilowattstunden Wärme. In Kombination mit erneuerbarem Strom sinken Emissionen und langfristige Betriebskosten. Entscheidend ist, dass politische Rahmenbedingungen den Umstieg erleichtern: durch Förderung, faire Strompreise, bessere Beratung und Schutz vor sozialen Härten.

Was sich politisch ändern muss

Wer fossile Subventionen abbauen will, muss transparent beginnen. Jede Steuervergünstigung, jede Ausnahme und jede versteckte Begünstigung sollte regelmäßig darauf geprüft werden, ob sie mit Klimazielen, sozialer Gerechtigkeit und Versorgungssicherheit vereinbar ist. Schädliche Subventionen müssen schrittweise beendet und die freiwerdenden Mittel gezielt in klimafreundliche Alternativen investiert werden.

Dazu gehört ein fairer CO₂-Preis, der Klimaschäden sichtbarer macht, aber sozial ausgeglichen wird. Einnahmen sollten an Bürgerinnen und Bürger zurückfließen oder gezielt für Entlastung, Gebäudesanierung, günstigen Nahverkehr und erneuerbare Infrastruktur eingesetzt werden. Klimaschutz darf nicht bedeuten, dass Menschen mit niedrigen Einkommen allein gelassen werden. Im Gegenteil: Der Ausstieg aus fossilen Energien muss sie vor steigenden Krisenkosten schützen.

Gleichzeitig braucht es eine klare Grenze für fossilen Lobbyismus. Wenn Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf Öl, Gas und Kohle basiert, Klimapolitik verzögern, Zweifel säen oder Scheinlösungen bewerben, schadet das der demokratischen Debatte. Transparenz über Einflussnahme, Parteispenden, Studienfinanzierung und Medienkampagnen ist daher ein wichtiger Teil der Energiewende.

Die ehrliche Rechnung spricht für den Ausstieg

Die zentrale Frage lautet nicht, ob wir uns den Ausstieg aus fossilen Energien leisten können. Die Frage lautet, wie lange wir uns fossile Energien noch leisten wollen. Ihr scheinbar niedriger Preis ist das Ergebnis einer unvollständigen Rechnung. Sobald Steuerprivilegien, Gesundheitsschäden, Klimafolgen, Importabhängigkeiten und Krisenrisiken einbezogen werden, zeigt sich: Fossile Energien sind teuer, unsicher und ungerecht.

Eine fossilfreie Zukunft ist deshalb nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch eine ökonomisch vernünftige Entscheidung. Je schneller Deutschland und Europa Subventionen für Kohle, Öl und Gas abbauen und stattdessen erneuerbare Energien, Effizienz und soziale Entlastung stärken, desto geringer werden die Folgekosten. Kostenwahrheit ist kein Angriff auf Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie ist der erste Schritt zu einem Energiesystem, das ehrlich, bezahlbar und zukunftsfähig ist.

Eine Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert